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Sport

WM in London

Carlsen oder Caruana - wer wird neuer Schachweltmeister?

In London kämpfen die beiden besten Schachspieler der Welt um den WM-Titel. Der amtierende Champion Magnus Carlsen wird von Fabiano Caruana herausgefordert. Beide sind sich ähnlich - und doch ganz verschieden.

AFP

Magnus Carlsen (l.), Fabiano Caruana

Von André Schulz
Freitag, 09.11.2018   10:05 Uhr

Der Welt­meister: Magnus Carlsen

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Den Grundstein für seine große Schachkarriere legte Magnus Carlsen schon sehr früh. Kurz vor seinem zehnten Geburtstag, im Oktober 2000, spielte er sein erstes internationales Turnier in Bad Wiessee. Zwischen 2001 und 2004 nahm Carlsen an unzähligen Turnieren teil, an offenen Turnieren, internationalen Jugendturnieren, auch bei der letzten FIDE K.-o.-Weltmeisterschaft 2004 in Tripolis war er schon dabei. In dieser Zeit spielte er fast 400 Turnierpartien.

Die Eltern hatten ihren Sohn zeitweise von der Schule abgemeldet, ein Wohnmobil gekauft und tingelten mit der ganzen Familie von Turnierort zu Turnierort. Carlsen gewann im Januar 2004 das C-Turnier in Wijk aan Zee und wurde auf einen Schlag bekannt, als er 2004 bei einem Schnellschachturnier in Reykjavík fast Garry Kasparow aus dem Turnier warf.

"Ich habe gespielt wie ein Kind", kommentierte der damals 13-Jährige selbstkritisch und irgendwie auch treffend seine Leistung, als er den schlecht stehenden Kasparow doch noch entwischen ließ. Dennoch war klar: Hier reifte ein ganz Großer. Mit 13 Jahren und vier Monaten hatte Carlsen die Voraussetzungen für den Großmeistertitel erfüllt und war der jüngste Großmeister der Welt zu dieser Zeit.

Seit 2011 führt Carlsen die Weltrangliste an

Carlsen wurde nun zu internationalen Topturnieren eingeladen, kletterte in der Weltrangliste immer höher und übernahm im Januar 2010 erstmals die Spitzenposition. Mit 19 Jahren war er der jüngste Weltranglistenerste der Geschichte. Seit Juli 2011 führt Magnus Carlsen die Weltrangliste ohne Unterbrechung an.

Während viele Spitzenspieler sich in diesen Jahren bei ihrem Training sehr intensiv auf ihre Computerengines und Datenbanken stützten, nach kleinen Vorteilen in der Eröffnung suchten, Partien aber, wenn die geplante Überraschung nicht gelang, schnell remis gaben, setzte Carlsen auf einen anderen, oft unterschätzten Aspekt im Schach: den Sport.

In seiner Eröffnungsvorbereitung setzte Carlsen nicht auf maschinell entdeckte Eröffnungsneuerungen oder tief voranalysierte komplizierte Varianten, sondern suchte nach Stellungen, in denen er sein besseres strategisches Verständnis ausspielen konnte. Sein großes Spielverständnis kam oft erst im Endspiel zum Tragen. Dort, wo andere Spieler die Partie vielleicht schon wegen völliger Ausgeglichenheit remis gegeben hätten, fing sie bei Carlsen erst richtig an.

Elo-Zahl 2882

Wer gegen Carlsen spielte, musste darauf eingestellt sein, über viele Stunden zu kämpfen. Der durchtrainierte Norweger spielt gerne Fußball und Basketball und ist dank seiner Physis in der Lage, auch noch in der sechsten oder siebten Spielstunde hochkonzentriert Bestleistung zu bringen.

2013 besiegte Carlsen als Herausforderer Viswanathan Anand im Wettkampf um die Weltmeisterschaft, wurde sein Nachfolger und der 16. Weltmeister der Schachgeschichte. Das US-Magazin Time nahm ihn in die Liste der 100 wichtigsten Persönlichkeiten auf. Im Mai 2014 hatte Carlsen seinen Zenit erreicht. Er schraubte seine Elo-Zahl auf unglaubliche 2882, ein neuer Rekord, 31 Punkte mehr als Kasparow je erreicht hatte.

In seiner Heimat wurde Carlsen zum Popstar. Zeitweise waren alle Schachspiele im Land ausverkauft. Als Tromsö 2014 Gastgeber der Schacholympiade war und Carlsen im norwegischen Team spielte, übertrug das staatliche norwegische Fernsehen die Partien in ganzer Länge live ins Hauptprogramm. 2014verteiidigte Carlsen seinen Weltmeistertitel erfolgreich gegen Anand.

Langsamer Abstieg - auf höchstem Niveau

Der Norweger hatte alles erreicht, was man erreichen kann, doch nun ging es nach und nach abwärts, auf höchstem Niveau zwar, aber dennoch abwärts. Besonders in Mannschaftsturnieren, wo er oft auf deutlich schwächere Spieler traf, konnte Carlsen seine Elo-Zahl nicht bestätigen und verlor viele Elo-Punkte. Zu oft wollte er in Remisstellungen mit dem Kopf durch die Wand und kassierte Niederlagen.

2016 ging er im WM-Kampf gegen Sergej Karjakin als großer Favorit ins Rennen, siegte aber nur knapp im Stichkampf. Carlsen gewann immer noch Turniere, aber nicht mehr alle. Bei den Grenke Classic in Baden-Baden im April 2018 musste er sich mit dem zweiten Platz begnügen - hinter Fabiano Caruana.

Und bei seinem Heimturnier in Stavanger im Juni 2018 passierte Carlsen das Gleiche - wieder war Caruana vor ihm. In der Weltrangliste ist Carlsen mit Elo 2835 zwar immer noch die Nummer eins. Doch sein Vorsprung vor Caruana beträgt nur noch 3 magere Pünktchen.

Der Heraus­forderer: Fabiano Caruana

DPA

Auch Fabiano Caruanas Karriere ist beeindruckend, doch sein Aufstieg in die Weltspitze verlief etwas weniger steil und war auch etwas mühsamer. Caruana kam 1992 als Kind italienischstämmiger Einwanderer in Miami zur Welt. Die Familie zog nach Brooklyn, als Caruana vier Jahre alt war.

In der Schule wurde sein Talent fürs Schachspiel entdeckt. Nach ein paar Kinderturnieren nahm er mit acht Jahren an einem internationalen Turnier auf den Bahamas teil. Es ist das gleiche Jahr, in dem auch der zwei Jahre ältere Carlsen seine Turnierkarriere begann. Als Neunjähriger spielte Caruana seine erste Jugendweltmeisterschaft in der Altersklasse U10 mit - in Spanien.

Da es in Europa ein größeres Turnierangebot gab als in Amerika und auch mehr gute Spieler, zog die Familie nach Europa. Sie lebte erst in Madrid, dann in Budapest und später in Lugano. Caruana spielte viele Trainingsturniere in Budapest und nahm regelmäßig an den Jugendweltmeisterschaften teil. 2005 schlug er beim Klaus-Junge-Open in Hamburg den ersten Großmeister.

Aufstieg nicht so steil wie Carlsens

Da Caruana auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, spielte er zwischen 2005 und 2015 unter italienischer Flagge und gewann als bester Italiener der Geschichte viermal die Landesmeisterschaft. Den Großmeistertitel erhielt Caruana 2007, mit 14 Jahren und elf Monaten. Im Januar 2008 wurde er ins C-Turnier nach Wijk aan Zee eingeladen und gewann es auf Anhieb, so wie Magnus Carlsen vier Jahre zuvor.

Damit stieg Caruana im nächsten Jahr ins B-Turnier auf, das er ebenfalls gewann. Jetzt wurde auch Caruana zu den großen Turnieren eingeladen, aber im Vergleich zu Carlsen kamen die Einladungen später und Caruana konnte sich auch nicht gleich so explosionsartig in Szene setzen, wie Carlsen das gelungen war. Caruanas Aufstieg in die Weltspitze verlief kontinuierlich, aber eben nicht so steil wie bei Carlsen.

Mit 18 Jahren knackte er die 2700 Elo-Marke und etablierte sich nun im Kreis der weltbesten Spieler. Dort angekommen, nahm Caruana Fahrt auf. Innerhalb von zwei Jahren wurde er zu einem der weltbesten Spieler und erreichte im Oktober 2014 seine bisherige Elo-Bestmarke von 2844. Heute wäre das der erste Platz in der Weltrangliste, doch zu der Zeit war Magnus Carlsen noch 20 Punkte besser als Caruana.

Caruana ist ein exzellenter Rechner

2015 wechselte Caruana zurück in den US-Verband. Nach dem Höhenflug von 2014 wies Caruanas Elo-Kurve zwischenzeitlich zwar eine spürbare Delle auf, doch in diesem Jahr zeigt die Formkurve wieder deutlich nach oben. Seit April 2018 hat Caruana fast 50 Elo-Punkte hinzugewonnen und kann nun Magnus Carlsen überholen - wenn er den WM-Kampf in London gewinnt und dabei eine der regulären Partien für sich entscheidet.

Caruanas Ansatz beim Schach ist etwas anders als bei Carlsen. In seiner Spielanlage steht nicht so sehr der strategische Gesamtplan im Vordergrund. Als exzellenter Rechner sucht Caruana in der konkreten Situation nach dem Vorteil. Wenn möglich, strebt er nach der Initiative und ist dann besonders stark. Die Verteidigung liegt ihm etwas weniger, während Carlsen hier große Stärken hat.

Anders als Carlsen arbeitet Caruana sehr intensiv an seinen Eröffnungssystemen und versucht, mit neuen Ideen den Gegner vor schwierige Aufgaben zu stellen. Es scheint, dass Caruana vielleicht mehr von seinem Trainer abhängig ist. 2014 wurde er von Wladimir Chuchelov unterstützt, seit einiger Zeit arbeitet er mit dem in Deutschland lebenden usbekischen Großmeister Rustam Kasimdschanow zusammen. Kasimdschanow ist einer der weltbesten Eröffnungsexperten, aber auch ein großer Motivator und könnte im kommenden WM-Kampf ein wichtiger Faktor sein.

Hier können Sie die bisher letzte Partie mit einem Gewinner zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana nachspielen. Das Spiel fand im Mai dieses Jahres beim "Norway Chess" in Stavanger statt. Carlsen siegte:

Im Video: Schachweltweister Magnus Carlsen zu Gast beim SPIEGEL

Foto: DER SPIEGEL
insgesamt 17 Beiträge
ede-wolff 09.11.2018
1. ELO-Rekord
Das mit dem Weltrekord an ELO-Punkten ist so eine Sache: Systembedingt steigen die ELO-Punkte immer an, wenn ein neuer Spieler dazukommt. Deshalb können ELO-Punkte aus verschiedenen Zeiten nicht verglichen werden. Damit ist die [...]
Das mit dem Weltrekord an ELO-Punkten ist so eine Sache: Systembedingt steigen die ELO-Punkte immer an, wenn ein neuer Spieler dazukommt. Deshalb können ELO-Punkte aus verschiedenen Zeiten nicht verglichen werden. Damit ist die Aussage, Carlsen habe den Weltrekord von xy übertroffen, unkorrekt.
stolpe 09.11.2018
2. Elo ist relativ
Die Elo Zahl beschreibt die relative Spielstärke der Spieler untereinander. Die Differenz der Elo-Zahlen 2er Spieler sagt den Erwartungswert voraus, mit dem ein Spieler gegen den anderen gewinnt. Sie ist keine absolute Maßzahl. [...]
Die Elo Zahl beschreibt die relative Spielstärke der Spieler untereinander. Die Differenz der Elo-Zahlen 2er Spieler sagt den Erwartungswert voraus, mit dem ein Spieler gegen den anderen gewinnt. Sie ist keine absolute Maßzahl. Aufgrund eines statistischen Effektes, kam es lange Zeit zu einer allmählichen Steigerung der Elo Zahlen in der Weltrangliste der Fide. Anhand der absoluten Elo Zahl, also 2882 im Jahr 2014 von Carlsen, oder 2785 im Jahr 1972 von Fischer, lässt sich also nicht entscheiden, wer der stärkere Spieler war. Hier muss man also schauen, um wie viel die Spieler besser waren, als die anderen Spieler. Hier mache ich die Annahme, dass der 100. beste Spieler in etwa immer gleich stark ist, im Bezug auf die Spieler seiner Zeit. Dann erhält man die folgenden Werte für den 100. besten Spieler: 1972: 2495 Elo, 2000: 2594, 2014: 2651. Die historischen Elo Zahlen der Fide lassen sich bis 2000 hier abrufen: https://ratings.fide.com/toplist.phtml Ältere Elo-Zahlen hier: https://www.olimpbase.org/Elo/Elo197207e.html Wie man sieht, hat sich die Elo-Zahl des 100. besten Spielers um 156 Punkte gesteigert von 1972 bis 2014. Das ist natürlich keine echte Steigerung der Spielstärke, sondern wie gesagt, nur ein statistischer Effekt. Daraus ergibt sich, dass Fischer einen Abstand zum 100. besten Spieler von, 290 Elo Punkten hatte, Kasparov von 257 und Carlsen von 231. Hieraus sieht man, dass Carlsen etwa 59 Elo-Punkte zu Fischer fehlen und 26 zu Kasparov. Er hätte also 2014 etwa 2941 Elo Punkte haben müssen, um gleich stark zu sein, wie Fischer 1972. Insofern relativiert sich das mit seinem Elo-Rekord. Aber wie Stark ist Carlsen dann in etwa? Im Januar 1978 hatte Anatoly Karpov 2725 Elo Punkte und der 100. beste Spieler 2500 Elo, also 225 Elo Punkte mehr. Das entspricht etwa den 231 von Carlsen 2014. Man kann die Spielstärke von Carlsen also eher mit der von Karpov vergleichen, auch ein großer Schachspieler, aber nicht ganz Fischer oder Kasparov. Dafür spricht auch, dass er derzeit nur noch knapp vor den anderen Spielern ist. Daher sehe ich das Match gegen Caruana als ziemlich ausgeglichen an.
nikola.kos74 09.11.2018
3. Weltmeister...
...aber nur der Menschen. Gegen Computerprogramme haben die beiden schon lange keine Chance. Stockfish hat einen Elo von 3.500, 700 mehr als die beiden. Und das ist ein Open Source Programm. Von den Deep Learning Netzen von Google [...]
...aber nur der Menschen. Gegen Computerprogramme haben die beiden schon lange keine Chance. Stockfish hat einen Elo von 3.500, 700 mehr als die beiden. Und das ist ein Open Source Programm. Von den Deep Learning Netzen von Google brauchen wir erst gar nicht zu reden.
ambulans 09.11.2018
4. ob nun
C1 (carlsen) gegen C2 (caruana) "gewinnen" wird, interessiert eigentlich eher weniger als der berühmte sack reis in china. exzellente duelle gabs in der schachgeschichte schon mehr als genug, zuletzt wohl kasparow gegen [...]
C1 (carlsen) gegen C2 (caruana) "gewinnen" wird, interessiert eigentlich eher weniger als der berühmte sack reis in china. exzellente duelle gabs in der schachgeschichte schon mehr als genug, zuletzt wohl kasparow gegen karpow (mit leichten abzügen in der b-note für kasparow wg. unsportlicher pöbeleien). grundsätzlich natürlich das nicht endenwollende zwischen boris spasski und bobby fischer - auch die "reloaded" version wars (trotz politisch intendierter, unsportlicher behinderungen von außen) definitiv wert. der gute boris war damals übrigens bereits schwerst-diabetiker (heißt: lange partien waren nicht grundsätzlich gut für ihn) und hatte sich deshalb konsequenterweise zwischenzeitlich als "blitzschach-weltmeister"(!) fit gehalten. so kann mans auch machen, und die fällige anerkennung hatte er sich (das ergebnis des rückkampfes war eher nebensächlich) dann auch redlich verdient ...
StefanXX 09.11.2018
5. Carlsen ist überragend
Carlsen hinter Fischer einzustufen halte ich für gewagt. Carlsen ist noch blutjung und ist/war bereits seit Jahren der überragende Schachspieler seiner Zeit. Ich sehe ihn eher geringfügig über Fischer, ja sogar ganz [...]
Zitat von stolpeDie Elo Zahl beschreibt die relative Spielstärke der Spieler untereinander. Die Differenz der Elo-Zahlen 2er Spieler sagt den Erwartungswert voraus, mit dem ein Spieler gegen den anderen gewinnt. Sie ist keine absolute Maßzahl. Aufgrund eines statistischen Effektes, kam es lange Zeit zu einer allmählichen Steigerung der Elo Zahlen in der Weltrangliste der Fide. Anhand der absoluten Elo Zahl, also 2882 im Jahr 2014 von Carlsen, oder 2785 im Jahr 1972 von Fischer, lässt sich also nicht entscheiden, wer der stärkere Spieler war. Hier muss man also schauen, um wie viel die Spieler besser waren, als die anderen Spieler. Hier mache ich die Annahme, dass der 100. beste Spieler in etwa immer gleich stark ist, im Bezug auf die Spieler seiner Zeit. Dann erhält man die folgenden Werte für den 100. besten Spieler: 1972: 2495 Elo, 2000: 2594, 2014: 2651. Die historischen Elo Zahlen der Fide lassen sich bis 2000 hier abrufen: https://ratings.fide.com/toplist.phtml Ältere Elo-Zahlen hier: https://www.olimpbase.org/Elo/Elo197207e.html Wie man sieht, hat sich die Elo-Zahl des 100. besten Spielers um 156 Punkte gesteigert von 1972 bis 2014. Das ist natürlich keine echte Steigerung der Spielstärke, sondern wie gesagt, nur ein statistischer Effekt. Daraus ergibt sich, dass Fischer einen Abstand zum 100. besten Spieler von, 290 Elo Punkten hatte, Kasparov von 257 und Carlsen von 231. Hieraus sieht man, dass Carlsen etwa 59 Elo-Punkte zu Fischer fehlen und 26 zu Kasparov. Er hätte also 2014 etwa 2941 Elo Punkte haben müssen, um gleich stark zu sein, wie Fischer 1972. Insofern relativiert sich das mit seinem Elo-Rekord. Aber wie Stark ist Carlsen dann in etwa? Im Januar 1978 hatte Anatoly Karpov 2725 Elo Punkte und der 100. beste Spieler 2500 Elo, also 225 Elo Punkte mehr. Das entspricht etwa den 231 von Carlsen 2014. Man kann die Spielstärke von Carlsen also eher mit der von Karpov vergleichen, auch ein großer Schachspieler, aber nicht ganz Fischer oder Kasparov. Dafür spricht auch, dass er derzeit nur noch knapp vor den anderen Spielern ist. Daher sehe ich das Match gegen Caruana als ziemlich ausgeglichen an.
Carlsen hinter Fischer einzustufen halte ich für gewagt. Carlsen ist noch blutjung und ist/war bereits seit Jahren der überragende Schachspieler seiner Zeit. Ich sehe ihn eher geringfügig über Fischer, ja sogar ganz geringfügig über Kasparov. Aber die Vergleiche verschiedener Schachspielern aus verschiedenen Zeiten machen ohnehin keinen Sinn. Heutzutage sind die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen im Schach ganz andere als sie dies vor 40 Jahren waren. Das ist genauso wie wenn Sie im Fussball die Weltmeister-Mannschaft von Deutschland aus dem Jahr 1974 mit der aus dem Jahr 2014 vergleichen wollen würden, da lässt sich auch nicht sagen die eine war besser als die andere. Das Match gegen Caruana sehe ich aber auch ziemlich ausgeglichen, denn Caruana ist ein ähnlich überragender Spieler, der vor allem nicht nur immer so passiv spielt wie Karjakin vor zwei Jahren. Ich freue mich darauf.

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