Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Deutscher Hockeybund

Zoff bei der Vorzeige-Sportart

Jahrelang sorgten die deutschen Hockeyspieler für Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Aber die goldenen Zeiten scheinen vorbei zu sein. Im Verband herrscht heftiger Streit über die Zukunft der Sportart.

DPA

Nationalspieler Timur Oruz bei den Olympischen Spielen von Rio

Dienstag, 19.02.2019   14:03 Uhr

Der Deutsche Hockey-Bund steht im Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio vor einer Zerreißprobe. Die prominente Forderung einer Neuausrichtung des DHB durch vier ehemalige Bundestrainer sorgt für reichlich Wirbel. Es brodelt gewaltig beim sonst so zuverlässigen deutschen Medaillenlieferanten.

"Ich hätte mir eine andere Art der Kritik gewünscht, einen deutlich konstruktiveren Dialog. Die Art und Weise zeugt von fehlender Wertschätzung. Das ist bedauerlich", sagte DHB-Präsident Wolfgang Hillmann. In dem offenen Brief von vier ehemaligen Bundestrainern seien "einige grundfalsche Dinge behauptet" worden.

Peter Lemmen, Jamilon Mülders, Bernhard Peters und Markus Weise hatten sich zuvor für eine neue Führungsstruktur im Verband ausgesprochen. Nach Meinung der früheren DHB-Coaches werden "komplexe Probleme" momentan "auf die Schultern zu weniger Mitstreiter abgeladen", schrieben sie in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Zuletzt nicht mehr auf dem Podest

Angetrieben werden die Fachleute in ihrer Kritik unter anderem durch ihre Sorge um die Konkurrenzfähigkeit der Nationalteams als Aushängeschilder. Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr hatte es für Frauen und Männer jeweils nur zu Platz fünf gereicht, bei den Europameisterschaften 2017 wurden sie jeweils Vierter, bei den Olympischen Spielen 2016 beide Dritter.

Hillmann, der den DHB seit 2015 als Präsident führt, rief zu einem neuen Miteinander auf. Er habe "weiterhin ein ausschließliches Interesse an Lösungen. Nun bedarf es aber der Bereitschaft von allen Seiten, Kompromisse zu finden.." Zudem bekräftigte Hillmann, sich beim DHB-Bundestag am 25. Mai in Grünstadt zur Wiederwahl zu stellen.

Lemmen, Mülders, Peters und Weise plädieren hingegen für eine "weitgehende Neuausrichtung des Verbandes, seines Präsidiums und des Vorstandes" und wünschen sich für die anstehende Wahl von Präsidium und Vorstand eine "Kandidaten-Mannschaft, die sich den Delegierten mit einem überzeugenden Programm zur Wahl stellt".

Die vier Ex-Bundestrainer nannten beispielhaft für die problematische Aufgabenhäufung den Namen Remo Laschet. Der für Finanzen und Recht zuständige Vizepräsident hatte im Sommer die Aufgaben des früheren Marketing-Direktors Jan Fischer kommissarisch übernommen. Zudem führten auf Vorstandsebene "zu viele Aufgaben" über Sportdirektor Heino Knuf.

aha/sid

Sagen Sie Ihre Meinung!

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP