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Sport

Studie

Mehrheit deutscher Spitzensportler verdient unter Mindestlohn

Leistungssportler arbeiten in Deutschland viel, verdienen aber wenig. Das ergab eine Umfrage unter Athleten. Die Gesellschaft überschätze das Einkommen, so das Fazit. Doch nicht alle Sportler wurden befragt.

DPA

Deutsche Delegation bei den Olympischen Spielen 2016

Freitag, 11.01.2019   14:00 Uhr

Der durchschnittliche Stundenlohn von deutschen Spitzenathleten, die von der Deutschen Sporthilfe gefördert werden, liegt bei 7,41 Euro. Das geht aus einer Studie hervor, die die Stiftung Deutsche Sporthilfe am Donnerstag veröffentlicht hat. Damit liegt das Einkommen von Sportlern unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Der lag 2018 bei 8,84 Euro und wurde zum Jahreswechsel auf 9,19 Euro erhöht.

Berücksichtigt wurde der Zeitaufwand für Sport, Beruf und Ausbildung. Laut der Umfrage unter 1087 Sportlern liegt dieser im Durchschnitt bei 56 Stunden pro Woche, die sich in 32 Stunden Sport und 24 Stunden beruflicher Tätigkeit oder Ausbildung aufteilen. "Das Investment der Athleten zahlt sich oft nur im Falle eines Olympiasieges aus", sagte Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln, der die Sportler im Auftrag der Deutschen Sporthilfe befragt hatte.

Ziel der Untersuchung sei es, "den Finger in die Wunde zu legen", sagte der Sporthilfe-Vorsitzende Michael Ilgner. Die Teilnehmerzahl repräsentiere zahlenmäßig etwa drei Viertel der deutschen Olympia-Mannschaft bei Sommerspielen. Nicht von der Studie berücksichtigt wurden allerdings Profis aus Ball- und Spielsportarten, Profi-Wintersportler und außergewöhnlich erfolgreiche Sportler. Ein Umstand, der dem Auftraggeber der Studie entgegenkommen dürfte - Stiftungszweck der Deutschen Sporthilfe ist die finanzielle Förderung von Sportlern.

Im Fazit der Studie heißt es: "Der Spitzensport in Deutschland produziert öffentliche Güter: nationale Repräsentation, Stolz, Glücksempfinden und Vorbilder." Die meisten öffentlichen Güter wie Straßenbau, Verteidigung und Bildung würden durch öffentliche Gelder finanziert, während Leistungssportler dafür nicht entlohnt würden. Die Gesellschaft sei sich "über diese Produktionslogik" nicht im Klaren und überschätze "die Einkommen der Spitzensportler massiv."

Leistungssportler bleiben oft Geringverdiener

Wie die Studie ergab, beläuft sich das jährliche Bruttoeinkommen der Athleten im Schnitt auf 18.680 Euro, im Monat seien es 1.560 Euro. Diese Einnahmen stammen zu rund 25 Prozent aus privaten Quellen wie beruflicher Tätigkeit, Ausbildungsförderung oder Unterstützung von Familie und Bekannten.

Von der Sporthilfe unterstützte Athleten bekamen im vergangenen Jahr 550 Euro pro Monat. Im Jahr 2010 waren es noch 250 Euro. "Unser Ziel sind 1000 Euro", sagte Ilgner. Im Alter von 18 bis 30 Jahren müssten die Sportler im Vergleich zur normalen Bevölkerung auf ein Einkommen von mindestens 58.000 Euro verzichten.

Trotzdem sind die Topathleten in Deutschland den Ergebnissen der Studie zufolge zufrieden mit ihrem Leben - der Durchschnittswert lag bei 7,4 bei einer Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (ganz und gar zufrieden). Die Zufriedenheit mit dem persönlichen Einkommen fiel mit einem Wert von 5,0 jedoch niedriger aus.

Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestags, Dagmar Freitag, nannte die Studie einen "Weckruf für alle Verantwortlichen im Sport." Des Weiteren sagte sie: "Wir müssen uns weiterhin intensiv für eine bessere finanzielle Ausstattung unserer Spitzensportler einsetzen." Der Sportausschuss habe die Notwendigkeit erkannt und werde eine direkte Förderung für die betroffenen Athleten einleiten.

mrk/dpa/sid

insgesamt 8 Beiträge
iffelsine 11.01.2019
1. Na dann legt mal die Sponsorenverträge auf den Tisch und
vergeßt nicht das Luxusleben als "Sportsoldat" der Bundeswehr ! Da stimmen ja die genannten Einkommen nun gar nicht. Sportler und Sportstätten sind über und über mit Werbung beklebt, da tun schon die Augen weh. Nein, [...]
vergeßt nicht das Luxusleben als "Sportsoldat" der Bundeswehr ! Da stimmen ja die genannten Einkommen nun gar nicht. Sportler und Sportstätten sind über und über mit Werbung beklebt, da tun schon die Augen weh. Nein, der Steuerzahler dürfte nie und nimmer mit "Lohn-" Kosten für Sportler belastet werden !
Lagrange 11.01.2019
2. Spitzensportler???
??? das Problem sind doch nit die Spitzensportler, die verdienen durch Werbeverträge - im Vergleich zu Ottonormalverbraucher - sicherlich ganz gut. Das Problem sind eben die Sportler in der 2. Reihe - ich glaube über die geht [...]
??? das Problem sind doch nit die Spitzensportler, die verdienen durch Werbeverträge - im Vergleich zu Ottonormalverbraucher - sicherlich ganz gut. Das Problem sind eben die Sportler in der 2. Reihe - ich glaube über die geht auch diese Studie. Das ist aber doch in jedem künstlerischen Beruf (wo ich Sport dazuzähle) so. Bei den Musikern und Schauspielern verdienen auch nur die Spitzenkräfte gut.
bloub 11.01.2019
3. künstlich arm gerechnet
einfach den sport wieder rausrechnen, dann stimmt der stundenlohn auch wieder.
einfach den sport wieder rausrechnen, dann stimmt der stundenlohn auch wieder.
Tchochkie Schmear 11.01.2019
4. Halb voll oder halb leer?
Man könnte es auch so sehen: Den Sportlern wird ermöglicht, neben nur 24 Stunden Arbeit pro Woche ihrem Hobby nachgehen zu können. So kommt man dann auch auf einen durchschnittlichen Stundenlohn von 17,29 €.
Man könnte es auch so sehen: Den Sportlern wird ermöglicht, neben nur 24 Stunden Arbeit pro Woche ihrem Hobby nachgehen zu können. So kommt man dann auch auf einen durchschnittlichen Stundenlohn von 17,29 €.
pauerkraut 11.01.2019
5. Irrefuehrend ..
Diese Studie ist kompletter Blödsinn oder basiert auf abwegigen Aussagen..Auch so kann man Meinungen manipulieren..
Diese Studie ist kompletter Blödsinn oder basiert auf abwegigen Aussagen..Auch so kann man Meinungen manipulieren..

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