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Sport

Tour-de-France-Champion Chris Froome

Sein letzter Sieg?

Mit vier Gesamtsiegen bei der Tour de France gehört Chris Froome zu den größten Radsportlern der Geschichte. In diesem Jahr war seine Dominanz aber nicht mehr groß. Reicht es noch für einen fünften Triumph?

Getty Images
Von Eike Hagen Hoppmann
Montag, 24.07.2017   11:30 Uhr

Er trank Champagner und scherzte mit seinen Teamkollegen. Es wirkte, als falle die ganze Anspannung der vergangenen drei Wochen von ihm ab. Die 104. Tour de France hatte Christopher Froome mehr abverlangt als in den vergangenen Jahren, umso mehr schien er nun auf den letzten 100 Kilometern den Sieg zu genießen.

Die Schlussetappe einer Tour de France ist für den Gesamtsieger nur noch ein gemütliches Ausrollen, das Gelbe Trikot wird von der Konkurrenz nicht mehr angegriffen. Als das Tempo im Feld mit dem näher rückenden Ziel anstieg und die Mannschaften der Sprinter den Massenspurt vorbereiteten, war es für Froome aber noch einmal vorbei mit der Ruhe. Er spannte sich mit seiner Mannschaft kurzzeitig sogar vor das Peloton.

Es galt, bloß keinen Sturz zu riskieren, der ihn als einziges noch vom Gelben Trikot hätte trennen können. Froome wollte die Dinge unter Kontrolle behalten. In den vergangenen drei Wochen war ihm das nämlich nicht immer gelungen.

Die 20 Etappen zuvor waren nervenaufreibend. Froome verlor zwischenzeitlich das Gelbe Trikot, hatte im Ziel nach insgesamt 3540 Kilometern und gut 86 Stunden auf dem Rad nur 54 Sekunden Vorsprung auf den Kolumbianer Rigoberto Urán. "Das war meine engste Tour", sagte Froome.

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104. Tour de France: Gewinner und Verlierer der Rundfahrt

Nach den deutlichen Froome-Siegen in den Vorjahren wollten es die Organisatoren unbedingt spannender machen und schneiderten Froomes Konkurrenten Romain Bardet eine Strecke auf den Leib. Wenige Zeitfahrkilometer (kann Bardet nicht) und dafür viele Abfahrten (kann Bardet ziemlich gut) sollten die Dominanz des Briten etwas eindämmen. Die wenigen (drei) Bergankünfte sollten zudem dafür sorgen, dass die Zeitabstände nicht zu groß werden.

Der Plan funktionierte. Die Konkurrenten rückten näher an Froome heran. Der Brite selbst zeigte aber ungewohnte Schwächen:

Das mögen alles Kleinigkeiten sein. Und doch war es anders als in den Jahren davor, als Froome die Konkurrenz teilweise in Grund und Boden fuhr und sogar auf Flachetappen seinen Vorsprung ausbaute.

Andererseits hatte er das Gelbe Trikot nach zwei Tagen schon wieder zurückerobert und es wirkte anschließend nicht so, als sei es noch einmal ernsthaft in Gefahr.

Die Erklärung ist das dominante Auftreten seiner Mannschaft Sky. Der Spanier Mikel Landa landete auf Rang vier der Gesamtwertung und verfehlte das Podium nur um eine Sekunde. Er wirkte in den Bergen bisweilen sogar stärker als sein Kapitän. Mit Mikel Nieve landete ein weiterer Helfer in den Top 15 der Gesamtwertung. Dabei musste der andere Edelhelfer Geraint Thomas die Tour nach einem Sturz auf der neunten Etappe sogar aufgeben. Trotzdem präsentierte sich Sky noch stärker als in den Vorjahren.

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Kaum zu schlagen: Team Sky

Und auch Froome konnte die Attacken der Konkurrenz immer besser abwehren, je länger die Tour dauerte. Spätestens als Bardet in den Alpen mehrfach attackierte, Froome aber nicht abschütteln konnte, war klar: Auch der Tour-de-France-Sieger 2017 wird Froome heißen. Das Zeitfahren in Marseille auf der vorletzten Etappe war nur noch eine Kür. Es ist Froomes stärkste Disziplin.

Froome gehört jetzt zu den größten Radprofis

Mit seinem vierten Gesamtsieg bei der Tour gehört er nun endgültig zu den größten Radprofis der Geschichte. Er ist der einzige mit vier Erfolgen, lediglich vier Fahrer haben die Tour fünfmal gewonnen: Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Miguel Indurain und Bernard Hinault. "Es ist eine große Ehre, im gleichen Atemzug mit den Größten der Tour-Geschichte genannt zu werden. Ich habe großen Respekt vor ihnen", sagte Froome. Ihm fehlt nur noch ein Gesamtsieg, um zu ihnen aufschließen zu können.

Schon jetzt hat Froome eine Ära geprägt. 2012 war er bereits der stärkste Fahrer im Feld gewesen. Damals war er bei Sky aber noch Edelhelfer von Bradley Wiggins. Ein Jahr später wurde er Kapitän und gewann gleich die Tour. Ebenso 2015, 2016 - und nun 2017. 2014 musste er nach mehreren Stürzen verletzt aufgeben. Geschlagen wurde er auch damals nicht.

Froome ist inzwischen 32. Alle vier Fünffachsieger waren bei ihrem letzten Gesamtsieg jünger als Froome jetzt. "Es wird nicht leichter", sagt er. Vielleicht waren seine kleinen Schwächen in diesem Jahr schon erste Anzeichen eines Kontrollverlusts.

ehh

insgesamt 31 Beiträge
nummer50 24.07.2017
1. Landa
Froome hat den Titel 2017 hauptsächlich Mikel Landa zu verdanken. Sollte Landa das Team Sky verlassen wird es für Froome extrem schwer den Titel zu verteidigen
Froome hat den Titel 2017 hauptsächlich Mikel Landa zu verdanken. Sollte Landa das Team Sky verlassen wird es für Froome extrem schwer den Titel zu verteidigen
realplayer 24.07.2017
2.
Die britischen Medien meinen Froome wäre gedopt?
Die britischen Medien meinen Froome wäre gedopt?
Anna Bolika 24.07.2017
3. FrauAnnaBolika
Gegen entsprechendes Salär wird sich für Froome , auch für die nächste TdF, ein nützlicher Muli finden lassen, milde ausgedrückt. Sollte das nicht klappen, wird das Problem nach erprobter Radsportmanier angegangen. Die [...]
Zitat von nummer50Froome hat den Titel 2017 hauptsächlich Mikel Landa zu verdanken. Sollte Landa das Team Sky verlassen wird es für Froome extrem schwer den Titel zu verteidigen
Gegen entsprechendes Salär wird sich für Froome , auch für die nächste TdF, ein nützlicher Muli finden lassen, milde ausgedrückt. Sollte das nicht klappen, wird das Problem nach erprobter Radsportmanier angegangen. Die 5 MUSS her!
taffy-61 24.07.2017
4. Ein Schelm...
... wer Reines dabei denkt. Froome und Wiggins, die Profiteure des gewaltigen britischen Olympia-Vorlaufs. Glaubt jemand wirklich, dass eine solche Armstrong-gleiche Überlegenheit sauber ist? Ich halte jede Wette: in ein paar [...]
... wer Reines dabei denkt. Froome und Wiggins, die Profiteure des gewaltigen britischen Olympia-Vorlaufs. Glaubt jemand wirklich, dass eine solche Armstrong-gleiche Überlegenheit sauber ist? Ich halte jede Wette: in ein paar Jahren (oder wenn ein SKY-Insider vorher auspackt), weiß man ganz genau, wonach man in den Pipi-Proben suchen muss. Und die Siege lösen sich in Luft auf, die dünner ist als auf dem Ventoux. Mir ist der Name entfallen, aber eine unserer Bahn-Fahrerinnen konstatierte vor laufender Kamera: "Wir schlagen die Engländerinnen, wie wir wollen. Nur bei Olympia und bei einer WM haben wir nicht den Hauch einer Chance." Tja, Chemo-Therapie halt...
spon-1169845832505 24.07.2017
5. gehört zu den größten ?
Ein Rennfahrer, der ausser der Tour nur kleinere Rundfahrten ( tour de romandie, dauphine ) gewonnen hat und ansonsten auch nur an der Vuelta teilnimmt aber alle Tagesklassiker ( "Monumente des Radsports" ) auslässt [...]
Ein Rennfahrer, der ausser der Tour nur kleinere Rundfahrten ( tour de romandie, dauphine ) gewonnen hat und ansonsten auch nur an der Vuelta teilnimmt aber alle Tagesklassiker ( "Monumente des Radsports" ) auslässt kann nicht zu den Größten gehören. Mein Respekt gilt der Mannschaftsleistung !

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