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Sport

Angst vor "Florence" in North Carolina

Hurrikan wird auch für Weltreiterspiele zur Gefahr

Bagger, Bauschutt, Bohrmaschinen: Das Gelände der Weltreiterspiele gleicht einer riesigen Baugrube. Nicht die besten Bedingungen für Spitzensport - und nun zieht auch noch Hurrikan "Florence" herauf.

ERIK S LESSER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Pferd und Betreuer in Mill Spring

Aus Tryon berichtet
Donnerstag, 13.09.2018   17:07 Uhr

Der kleine Weg vom Parkplatz B hinunter zu weiteren Stellflächen bietet einen guten Überblick über das Tryon International Equestrian Center (TIEC), auf dem die diesjährigen Weltreiterspiele stattfinden. Die Anlage wurde 2014 eröffnet, sie ist - da schwanken die Angaben -, zwischen 1400 und 1600 Hektar groß. Es ist ein beeindruckendes Gelände - und eine riesige Baugrube.

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Bauarbeiten in Tryon

Überall stehen Bagger, Planierraupen und andere Baumaschinen. Bauschutt, Geröll, Pfützen, Matsch, soweit das Auge reicht. Der Schlamm ist nicht verwunderlich: Zu Wochenbeginn hat es in North Carolina stark geregnet - und die Parkplätze sind nicht asphaltiert. Hier fehlt vieles. In den Toiletten auf der Haupttribüne stehen noch keine Trennwände, mangels Unterkünften mussten Pferdepfleger in Zelten schlafen.

Tryon gab 2016 bekannt, als Gastgeber dieser Weltreiterspiele einzuspringen. Das war nötig, weil die kanadische Gemeinde Bromont aus finanziellen Gründen zurückzog. Es hat auch den Anschein, als kämen diese Weltreiterspiele für den kleinen 1700-Einwohner-Ort im Nirgendwo von North Carolina viel zu früh.

Und das richtige Chaos droht erst noch. "Florence" ist auf dem Weg nach North und South Carolina. Ein Hurrikan, von dem einige US-Medien sagen, er könne der schwerste seit vielen Jahren werden. 1,5 Millionen Menschen wurden aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Am Freitag soll "Florence" die Küste erreichen. "Darüber spricht derzeit jeder", sagt Dorothee Schneider. Die deutsche Dressurreiterin mahnt dennoch, "erstmal ruhig zu bleiben".

Sie habe noch nie einen Hurrikan erlebt, sagt Isabell Werth dem SPIEGEL. Und sie wolle auch keinen erleben. Um aktuell informiert zu sein, hat sich die 49-Jährige eine Wetter-App auf ihr Telefon geladen. Werth hält das Handy in der linken Hand und macht mit dem rechten Zeigefinger kleine Kreise auf das Display als sie den Weg von "Florence" beschreibt. "Der Hurrikan hat sich jetzt schon zwei-, dreimal in seiner Richtung verändert. Er hat sich verlangsamt und soll an der Küste nicht mehr so stark ankommen", sagt Werth. "Ich glaube, wir bleiben jetzt mal", sagt sie und macht eine kleine Pause, ehe sie den Satz mit einem "ruhig" beendet.

Weitaus weniger gelassen wirkte North Carolinas Gouverneur Roy Cooper in den vergangenen Tagen. Er bezeichnete "Florence" als "Monster". Eines, auf das sie sich in Tryon so gut wie möglich vorbereitet haben. Unübersehbar: ein weißer Container links auf der Einfahrt des Parkplatzes. "Mobile operation emergency center" steht drauf. Das mobile Einsatzzentrum für Notfälle gehört der Nationalgarde. Am Dienstag stellten die Veranstalter auf einer extra einberufenen Pressekonferenz ihre Notfallpläne vor. Man wollte Sicherheit suggerieren. Die meisten Journalisten kommen aus dem Ausland und haben keinerlei Erfahrungen mit Hurrikans.

Fotostrecke

Weltreiterspiele in den USA: 800 Pferde und ein Wirbelsturm

Die US-Amerikaner in Tryon kennen sich hingegen aus. "Wir sind in vielerlei Hinsicht eine Art Sicherheitszone", sagte Sharon Decker vom TIEC-Vorstand. Sie verwies darauf, dass im Vorfeld von Hurrikan "Irma" im August und September des Vorjahres das TIEC "Zufluchtsort für Pferde aus fünf Bundesstaaten" war. Diesmal gibt es unter anderem: zwei Brunnen, um die Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. Zahlreiche Generatoren, eine Zusammenarbeit mit drei Stromzulieferern. Außerdem: 1288 dauerhafte Boxen für die Pferde. Die Stallungen seien so gebaut, dass sie Windstärken von bis zu 144 Kilometern pro Stunde standhalten würden.

DPA

Weltreiterspiele auf der Baustelle

"Die kennen das hier in dem Land und wissen, wie man damit umgeht", sagt Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu. Zu Wochenbeginn galt "Florence" noch als Sturm der Kategorie 4, mittlerweile ist er auf Kategorie 2 heruntergestuft worden. Dennoch sind Windgeschwindigkeiten von bis zu 175 Kilometern pro Stunde möglich. Tyron liegt rund 400 Kilometer von der Küste entfernt, der Wind würde sich wohl bis Tyron abschwächen.

Niemand kann genau vorhersagen, welchen Weg "Florence" einschlägt, sobald er die Küste erreicht hat. Die WM-Veranstalter arbeiten eng mit dem Nationalen Wetterdienst zusammen, werden alle sechs Stunden informiert. Für das TIEC sei "starker Regen am Sonntagabend sowie am Montag und womöglich Dienstag" vorausgesagt, hieß es. Der Wind würde zwischen 50 und 65 Kilometern pro Stunde betragen.

Pferdesport

"Gerade, weil man es nicht kennt, denkt man, hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es im Fernsehen berichtet wird", sagt Vielseitigskeitsreiterin Ingrid Klimke, die von "einem Abenteuer" spricht. Sollte es in Tryon zu gefährlich werden, sagt Klimke, habe sie bereits einen Plan B. "Dann lade ich mein Pferd ein und fahre die 300 Kilometer nach Atlanta. Dort soll es sicher sein."

insgesamt 1 Beitrag
reitlehrer 14.09.2018
1. Hat der Spiegel eigentlich einen Reporter vor Ort?
Wahrscheinlich nicht, sonst würden sie als seriöse Zeitung mal ein aktuelles Foto bringen. Das einzige Thema, was wirklich aktuell ist, ist der angekündigte Hurrikan. Hier rechnet man aber eher mit dem Starkregen, als mit dem [...]
Wahrscheinlich nicht, sonst würden sie als seriöse Zeitung mal ein aktuelles Foto bringen. Das einzige Thema, was wirklich aktuell ist, ist der angekündigte Hurrikan. Hier rechnet man aber eher mit dem Starkregen, als mit dem eigentlichen Sturm. Mal sehen, wie es weitergeht.

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