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Sport

Djokovic und Nadal in Wimbledon

Einander ein Albtraum

Es ist eines der größten Duelle der Tennis-Geschichte, womöglich sogar das größte: Novak Djokovic und Rafael Nadal treffen in Wimbledon zum 52. Mal aufeinander - endlich wieder auf Augenhöhe.

REUTERS, Getty Images

Novak Djokovic und Rafael Nadal

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Freitag, 13.07.2018   13:26 Uhr

Wenn sich Boris Becker und Stefan Edberg heute über den Weg laufen, begrüßen sie sich wie beste Freunde. Dabei war ihre einstige Rivalität legendär. Die beiden Tennislegenden sind bei großen Turnieren auch Jahrzehnte nach ihrer aktiven Zeit noch allgegenwärtig. Becker kommentiert wichtige Spiele für die BBC oder Eurosport, Edberg sitzt als ehemaliger Trainer von Roger Federer zu besonderen Anlässen noch immer ab und zu in der Box des Schweizers.

Edberg und Becker haben sich zu ihrer Zeit große Duelle geliefert, der Deutsche gewann einen Großteil der 35 Partien (25), doch Edberg fügte Becker in dessen "Wohnzimmer", dem Center Court von Wimbledon, 1988 und 1990 zwei bittere Niederlagen zu. Man könnte auch sagen: Die beiden waren der Albtraum des jeweils anderen.

Die Rivalität war die prägende der späten Achtzigerjahre. Doch im Vergleich zu der von Rafael Nadal und Novak Djokovic nur eine Randnotiz. Wenn die beiden sich am Freitag im Halbfinale von Wimbledon gegenüberstehen (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), treffen sie zum 52. Mal aufeinander. Kein anderes Duell in der Tennis-Geschichte gab es häufiger, kein Duo kann so viele Rekorde vorweisen:

Djokovic passt sich schnell dem Spiel von Nadal an

Erstmals begegneten sich die beiden vor über zwölf Jahren bei den French Open in Paris. Der Serbe musste beim Premierenduell nach zwei Sätzen aufgeben und sollte seinem Kontrahenten auch in den Folgejahren unterlegen sein. Von den ersten 18 Duellen verlor Djokovic 14.

Nadal galt damals als Jahrhunderttalent, schon mit 18 Jahren entwickelte er ein Spiel mit so viel Kraft und Spin, dass es seine Gegner ratlos zurückließ. Auch dem ein Jahr jüngeren Djokovic wurde eine große Zukunft prophezeit, doch in den Anfangsjahren hatte er gegen Nadal und den damals noch sehr dominanten Federer meist das Nachsehen. Die Niederlagen gegen die Übermächtigen trafen ihn emotional so sehr, dass er in jungen Jahren sogar ein frühzeitiges Karriereende in Betracht zog.

Dabei stand Djokovics Durchbruch unmittelbar bevor. Von den folgenden zwölf Begegnungen gegen Nadal konnte er zehn für sich entscheiden. 2011 entwickelte er sich zum besten Return- und Konterspieler der Welt, Punktgewinne mussten sich seine Gegner hart erarbeiten. Doch nicht nur das: In den Wochen vor den French Open bezwang er Nadal gleich zweimal in Folge auf dessen Lieblingsuntergrund Sand, eine bis heute einmalige Leistung. In Rom und Madrid verlor er dabei sogar keinen Satz.

AFP

Rafael Nadal in der Defensive

Djokovic bereiteten die mit viel Spin gespielten Bälle seines Rivalen weniger Probleme als der Konkurrenz. In Ansätzen gelang es ihm sogar, Nadal auf Sand sein Spiel aufzuzwingen. Von nun an begegneten sie sich auf Augenhöhe. Das wurde vor allem ersichtlich, als sie sich eines der besten Spiele der Grand-Slam-Historie lieferten: In Melbourne verwandelte Djokovic nach 5:53 Stunden seinen ersten Matchball. Mit dem Triumph bei den Australian Open war Djokovic auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere angekommen und übernahm auch die Führung in der Weltrangliste.

Djokovic gelingt historischer Erfolg - dann stürzt er ab

Nadal musste vor allem in den Duellen mit Djokovic an seine körperlichen Grenzen gehen. Vor dem Marathon-Match in Melbourne gingen auch Begegnungen in New York (2011) und Madrid (2009) über die Vier-Stunden-Marke hinaus. Der kräftezehrende Spielstil des Spaniers zog 2012 Konsequenzen nach sich. Nadal setzte wegen einer Knieverletzung sieben Monate aus und musste mitansehen, wie Djokovic ein viertes Mal die Australian Open gewann.

Der Serbe war nun endgültig der Mann, den es zu schlagen galt. Nach Nadals Rückkehr im Frühjahr 2013 gewann Djokovic 12 von 16 Partien und übernahm im internen Duell die Führung (26:23). Ihm gelang es sogar - zum zweiten Mal nach 2011 - zwischen den ATP-Turnieren in Monte Carlo (April 2015) und Rom (Juni 2016) sieben Partien in Serie gegen Nadal zu gewinnen. Kurz darauf komplettierte er seinen Karriere-Grand-Slam und gewann erstmalig die French Open - ein historischer Triumph, dem eine schwere sportliche Krise folgte.

Djokovic rutschte trotz eines großen Vorsprungs in der Weltrangliste aus den Top 20, trennte sich von seinen Erfolgstrainern Boris Becker und Marian Vajda und gewann binnen zwei Jahren nur zwei kleinere Turniere. Dementsprechend deutlich verlor er seine letzten Partien gegen Nadal.

Nun - beim Saisonhöhepunkt in Wimbledon - scheint Djokovic sein Tief überwunden zu haben. Um in London seinen 13. Grand-Slam-Titel zu gewinnen, muss er sich im Halbfinale erst seinem größten Rivalen stellen. Gegen niemanden hat Djokovic so häufig verloren wie gegen Nadal (25). Immerhin: Nadal wiederum geht es ähnlich wie Djokovic (26).

insgesamt 6 Beiträge
Alex40 13.07.2018
1. Toller Artikel
...mit einer super-interessanten Statistik. Es scheint, als ob der "alte" Joker wieder da ist. Zwei Tennislegenden auf dem Platz. Ein Genuss für alle Freunde des Tennissports.
...mit einer super-interessanten Statistik. Es scheint, als ob der "alte" Joker wieder da ist. Zwei Tennislegenden auf dem Platz. Ein Genuss für alle Freunde des Tennissports.
roenga 13.07.2018
2.
Das größte Duell im Herrentennis, insbesondere bei Grand Slam Turnieren, ist ohne Zweifel das zwischen Federer (20 Grand Slam Siege) und Nadal (17 GS Siege). Die beiden wird so schnell wohl keiner mehr einholen können, auch [...]
Das größte Duell im Herrentennis, insbesondere bei Grand Slam Turnieren, ist ohne Zweifel das zwischen Federer (20 Grand Slam Siege) und Nadal (17 GS Siege). Die beiden wird so schnell wohl keiner mehr einholen können, auch nicht Djokovic.
die_vanillemilch 13.07.2018
3. Übertragungszeiten
Schöner Artikel, leider stimmt die Übertragungszeit von 14 Uhr nicht...das ist zwar der Startpunkt für ein Halbfinale, aber das von Anderson und Isner ;-)
Schöner Artikel, leider stimmt die Übertragungszeit von 14 Uhr nicht...das ist zwar der Startpunkt für ein Halbfinale, aber das von Anderson und Isner ;-)
Sibylle1969 13.07.2018
4.
Man muss ergänzen, dass die sportliche Krise von Djokovic auch mit der langwierigen Verletzung am Ellbogen zusammenhing, die ihn schlussendlich zu einer längeren Pause zwang. Nach der Rückkehr auf die Tour brauchte Djokovic [...]
Man muss ergänzen, dass die sportliche Krise von Djokovic auch mit der langwierigen Verletzung am Ellbogen zusammenhing, die ihn schlussendlich zu einer längeren Pause zwang. Nach der Rückkehr auf die Tour brauchte Djokovic lange, um seine Form wiederzufinden. Für das heutige Halbfinale sehe ich Nadal leicht favorisiert, aber es wird bestimmt spannend
Sibylle1969 13.07.2018
5.
Mal sehen, ob das Halbfinale heute noch ausgetragen wird. Im ersten Halbfinale Isner -Anderson steht es um 19:40 Uhr 15:14 im fünften Satz, Ende noch nicht absehbar.
Mal sehen, ob das Halbfinale heute noch ausgetragen wird. Im ersten Halbfinale Isner -Anderson steht es um 19:40 Uhr 15:14 im fünften Satz, Ende noch nicht absehbar.

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