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05.01.2013
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"Winter Game" in der DEL

Das gekaufte Rekordspektakel

Von Nils Lehnebach
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DPA

Modeunternehmer Thomas Sabo hat einen Millionenbetrag investiert, damit sein Team aus Nürnberg in einem Fußballstadion Eishockey spielen kann - vor 50.000 Zuschauern. Die DEL hofft auf Nachahmer der Rekordpartie und eine Image-Verbesserung. Beides ist wenig wahrscheinlich.

Es war vor knapp einem Jahr in der Nürnberger Eishalle, an einem Freitagabend, da wollte Thomas Sabo noch etwas loswerden. So etwas habe es noch nie gegeben, sagte er, Nürnberg habe so etwas noch nie erlebt. Sabo, ein Modeunternehmer, hatte im April 2009 mit einer Investorengruppe die Nürnberg Ice Tigers übernommen - und so vor der Insolvenz bewahrt. Die Idee, von der er sprach, sei kein "Wischi-Waschi", sagte er den "Nürnberger Nachrichten", sondern etwas mit "absolut seriöser Planung".

Nun zeigt sich, dass Sabo Recht hatte: Am Samstag (16.30 Uhr) findet die erste Partie in der Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) statt, die nicht in einer Eishalle ausgetragen wird. Thomas Sabos Nürnberg Ice Tigers und die Eisbären Berlin spielen in Nürnberg gegeneinander - vor 50.000 Zuschauern. Nie zuvor kamen mehr Fans zu einem Liga-Spiel in Europa.

Sabo sagt, dass der Club - und damit vor allem er - das macht, "weil wir den Sport lieben". Man darf ihm das glauben. Drei Wochen benötigten zehn Firmen, um im Nürnberger Fußballstadion eine Eishockeyfläche aufzubauen. "Es ist die gleiche Technik, die bei Weihnachtsmärkten verwendet wird", sagte Nürnbergs Geschäftsführer Lorenz Funk dem Bayrischen Rundfunk.

Eine weitere Woche dauert der Abbau. So kostet das Projekt einen einstelligen Millionenbetrag, zum Großteil von Sabo getragen. "Ohne Thomas Sabo wäre so eine Veranstaltung nicht möglich. Er hatte die Traute, zu investieren", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke SPIEGEL ONLINE.

Ähnliche Spiele fanden schon mehrfach statt - ohne nachhaltige Folgen

Die Idee eines Freiluftspiels ist nicht neu. "Wir haben immer neidisch nach Amerika geguckt", sagte Tripcke. In der NHL, der besten Liga der Welt, treten seit 2008 stets am Neujahrstag beim "Winter Classic" zwei Teams in Baseball- oder Footballstadien gegeneinander an, meist vor über 40.000 Zuschauern. Auch in Schweden wurde schon "Open-Air" gespielt (Video von der Show vor einer Partie), im kroatischen Pula wurde im September für zwei Spiele gar eine Eisfläche im Amphitheater der Stadt, es erinnert an Roms Kolosseum, aufgebaut.

In Finnland duellieren sich seit einigen Jahren immer Anfang Februar vor über 30.000 Zuschauern im Olympiastadion von Helsinki die Clubs HIFK und Jokerit. 2012 lief der deutsche Nationaltorwart Dennis Endras beim sogenannten "Talviklassiko" (Winterklassiker) für HIFK auf, eingepackt in zwei Lagen Unterwäsche, zwei paar Socken, Gesichtscreme und Sturmhaube. Mehrfach musste die Partie unterbrochen werden, damit Helfer den Schnee vom Eis schippen konnten. So dauerte das Spiel weit über drei Stunden - bei minus 20 Grad. "Das war wie auf dem Weiher", sagte Endras.

Das Spektakel ist bei allen Vorbildern der DEL-Freiluftpartie groß. Doch nennenswerte Verbesserungen für das Standing der jeweiligen Liga gab es bisher nicht. Auch nicht in Deutschland, wo bei der Eishockey-WM 2010 das Eröffnungsspiel in der Arena auf Schalke vor 76.152 Zuschauern ausgetragen wurde. Selbst die Tatsache, dass die deutsche Mannschaft sensationell Rang vier belegte, half dem Stellenwert der Liga nicht.

Konkrete Planungen für eine Wiederholung gibt es noch nicht

Tripcke hat seine eigene Theorie: "Die Situation ist nicht vergleichbar. Damals war das Spiel nach der eigentlichen DEL-Saison und kurz vor der Fußball-WM. Danach gab es vier Monate überhaupt gar kein Eishockey." Nun sei das Spiel mitten in der Saison, so könne die Liga anschließend profitieren.

Um dies auch mittelfristig zu gewährleisten, plant Tripcke regelmäßige Wiederholungen. "Konkrete Planungen gibt es aber noch nicht, ob es schon im kommenden Jahr ein ähnliches Event gibt, ist offen", so Tripcke: "Die Voraussetzungen bei den DEL-Clubs sind zu verschieden, um jedes Jahr ein Event in dieser Größenordnung zu organisieren."

Ihr Image will die Liga auch mit seinem neuen TV-Partner verbessern. Seit Saisonbeginn überträgt der österreichische Sender ServusTV, der einer Red-Bull-Tochtergesellschaft gehört, eine Partie pro Woche. Auch das Spiel in Nürnberg sponsert der Sender. Nun hofft Tripcke, dass die Partie "nicht nur eine hohe Medienaufmerksamkeit schafft, sondern auch zusätzlich neue Zielgruppen für das Eishockey begeistert."

Die hat der Sender auch nötig. Bisher schalteten bei den auf ServusTV gezeigten DEL-Partien zwischen 20.000 und 100.000 Zuschauer ein. In der absoluten Spitze.

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Jahr Verein
2013 Eisbären Berlin
2012 Eisbären Berlin
2011 Eisbären Berlin
2010 Hannover Scorpions
2009 Eisbären Berlin
2008 Eisbären Berlin
2007 Adler Mannheim
2006 Eisbären Berlin
2005 Eisbären Berlin
2004 Frankfurt Lions
2003 Krefeld Pinguine
2002 Kölner Haie
2001 Adler Mannheim
2000 München Barons
1999 Adler Mannheim
1998 Adler Mannheim
1997 Adler Mannheim
1996 Düsseldorfer EG
1995 Kölner Haie

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