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17.02.2013
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Debakel bei Biathlon-WM

Daneben geschossen, hinterhergelaufen

Aus Nove Mesto berichtet
Getty Images

Biathletin Gössner: "Das Laufen war gut, das Schießen durchwachsen"

Wieder keine Medaillen: Auch in den beiden abschließenden WM-Wettbewerben verpassten die DSV-Athleten das Podest. Miriam Gössner vergab Silber beim letzten Schießen, Erik Lesser war zu langsam für Bronze. Ein Spiegelbild der deutschen Wettkämpfe in Tschechien.

Am Ende konnte doch noch ein Deutscher über Gold bei dieser Biathlon-WM jubeln. "Yes, yes, yes", brüllte Klaus Siebert in sein Funkgerät, als Darja Domratschewa von der Brücke in die Vysocina Arena fuhr. Siebert ist seit fünf Jahren Trainer Weißrusslands, und seine beste Athletin holte im letzten Frauen-Rennen von Nove Mesto ihre erste Medaille. Domratschewa siegte im Massenstart-Rennen vor Tora Berger aus Norwegen, mit viermal Gold und zweimal Silber die überragende Biathletin dieser Wettkämpfe in Tschechien. Dritte wurde Monika Hojnisz aus Polen.

Und die deutschen Frauen? Die taten das, was sie häufig bei dieser WM getan hatten: Sie verballerten ihre Medaillenchancen am Schießstand. Im Massenstart war es wieder mal Miriam Gössner, die bis zum letzten Schießen auf Silberkurs lag - und am Ende nur Sechste wurde.

Rund 15 Sekunden war die 22-Jährige nach Domratschewa zum zweiten Stehendschießen gekommen, hatte aber mehr als eine halbe Minute Vorsprung auf Berger. Weil Domratschewa ohne Fehler den Schießstand verließ, war klar: Gössner kämpft um Silber. Und sie hatte im ersten Stehendschießen ja bewiesen, dass sie fehlerfrei bleiben kann. Doch dann verfehlte sie drei Scheiben, was drei Strafrunden bedeuten. Während die Konkurrentinnen um Silber nach ihrem Schießen wieder auf die Strecke gingen, drehte Gössner noch Extra-Runden.

Gössners Trefferquote in Nove Mesto lag unter 70 Prozent

"Ich habe es im letzten Schießen leider ein bisschen vergeigt", sagte Gössner nach dem Rennen, wobei sie das Wort "bisschen" hätte streichen können. Gössner, das muss man so hart analysieren, hat jegliche Medaillenchancen in Nove Mesto am Schießstand vergeben. Von 90 Schüssen, die sie in sechs Wettbewerben abfeuerte, vergab Gössner 28. Das entspricht einer Trefferquote von nicht einmal 70 Prozent - unterirdisch für eine Top-Athletin.

Umso bitterer sind diese Zahlen, wenn man Gössners reine Laufzeiten betrachtet. Sowohl im Sprint als auch im Massenstart war sie die Zweitschnellste, wurde in beiden Wettbewerben aber nur Sechste. Im Einzel hatte Gössner die drittbeste Laufzeit, kam aufgrund ihrer sechs Schießfehler aber nur auf Platz 35.

"Das Laufen war gut, das Schießen durchwachsen. Ich war oft knapp an einer Medaille dran, habe es aber nicht geschafft, bis zum Ende durchzuziehen." Gössner selbst brachte diese aus ihrer Sicht verpatzte WM in zwei Sätzen ziemlich gut auf den Punkt. Und angesichts ihrer Nervosität stellt sich die Frage nach einem Mentalcoach. Zumindest Andreas Birnbacher steht diesem Aspekt aufgeschlossen gegenüber: "Es ist viel Kopfsache, da muss man überlegen, ob man da nicht etwas macht. Die mentale Komponente wird die nächsten Jahre noch wichtig werden."

Lesser läuferisch ohne Chance gegen Svendsen und Schipulin

Birnbacher kam im Massenstart-Rennen, dem letzten von elf Wettbewerben in Nove Mesto, auf Platz zwölf, Erik Lesser wurde sogar Fünfter. Und doch waren beide von einer Medaille weit entfernt, weil sie - im Gegensatz zu den deutschen Frauen - läuferisch nicht mit den Top-Athleten mithalten können. Dafür - der zweite Gegensatz zu den weiblichen Teamkollegen - zeigen Birnbacher und Co. am Schießstand gute bis sehr gute Leistungen.

Exemplarisch für die Stärken und Schwächen stand Lesser im Massenstartrennen. Er leistete sich bei 20 Schüssen nur einen Fehler, ebenso wie Anton Schipulin und Emil Hegle Svendsen, die Silber und Bronze gewannen. Aber läuferisch hatte Lesser keine Chance gegen den Russen und den Norweger. Ähnliches erlebten Lesser und Arnd Peiffer auch schon im Sprint, als sie nur eine Scheibe nicht trafen, aber beide die Top Ten verpassten. Und in der Staffel waren bei acht Einlagen mit dem Gewehr sieben perfekte Schießen ohne Fehler nötig, um überhaupt Bronze zu holen.

Lesser hatte in der Staffel beim letzten Schießen wegen fünf Fehlern die Silbermedaille vergeben. Nach dem Massenstart sagte der 24-Jährige: "Gestern hat mir das Schießen zugesetzt. Ich wollte heute gar nicht an den Start gehen, weil ich mich schlecht gefühlt habe. Daher bin ich überglücklich, dass es heute so gut geklappt hat."

Die Leistung von Lesser war tatsächlich beachtlich, aber es war eben nur Platz fünf, es war keine Medaille. Wie so häufig bei dieser WM. In elf Wettkämpfen erreichte das deutsche Team acht Top-Ten-Platzierungen, aber nur zwei Medaillen. Gössner gewann keine einzige, dabei galt sie vor der WM als die größte deutsche Hoffnung.

"Es kommen neue Chancen", sagte Gössner und verabschiedete sich in Richtung Val di Fiemme, Italien, wo sie bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften für Deutschland im Langlauf an den Start geht. Böse Zungen in Nove Mesto prophezeiten, dass Gössner dort erfolgreicher sein werde. Sie muss dort ja auch nicht schießen.

Forum

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insgesamt 27 Beiträge
1. Miriam Gössner
steirerbua 17.02.2013
Miri ist sportlich, attraktiv, ein Konditionswunder, immer guter Laune, einfach ein tolles Mädchen. Nur schießen kann sie nicht. Sie vergibt die besten Chancen durch miserable Schießleistungen. Man sollte sich beim Verband [...]
Miri ist sportlich, attraktiv, ein Konditionswunder, immer guter Laune, einfach ein tolles Mädchen. Nur schießen kann sie nicht. Sie vergibt die besten Chancen durch miserable Schießleistungen. Man sollte sich beim Verband vielleicht Gedanken über das Schießtraining machen. Die Trainer sind doch keine unkündbaren Beamte, oder?
2.
Schlunze 17.02.2013
was? die haben bis heute keinen mentaltrainer? wofür geben die denn unser geld sonst mit vollen händen aus?
was? die haben bis heute keinen mentaltrainer? wofür geben die denn unser geld sonst mit vollen händen aus?
3. Ich verstehe die Gesamtberichterstattung...
greentiger 17.02.2013
...über die Weltmeisterschaften nicht. *Vor* Beginn der Wettbewerbe waren sich alle - bis auf diejenigen, die völlig unrealistische Vorgaben machten - darüber einig, dass es bei den Damen praktisch keine Medaillienchancen [...]
Zitat von sysopREUTERSWieder keine Medaillen: Auch in den beiden abschließenden WM-Wettbewerben verpassten die DSV-Athleten das Podest. Miriam Gössner vergab Silber beim letzten Schießen, Erik Lesser war zu langsam für Bronze. Ein Spiegelbild der deutschen Wettkämpfe in Tschechien. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/deutsche-biathleten-vergeben-medaillen-chancen-am-schiessstand-a-883928.html
...über die Weltmeisterschaften nicht. *Vor* Beginn der Wettbewerbe waren sich alle - bis auf diejenigen, die völlig unrealistische Vorgaben machten - darüber einig, dass es bei den Damen praktisch keine Medaillienchancen gäbe, ebenso beiden Männern, falls nicht Andreas Birnbacher wieder in Form kommt. Nachdem in den letzten Jahren so ziemlich alle Stars des Teams zurückgetreten sind wird es lange dauern, bis wieder Leute kommen, die sogenannte Dauersiegläufer sind. Ich finde, dass diese WM keine Überraschungen gebracht hat, was man auch hier gut erkennen kann: Weltcupstände (http://datacenter.biathlonresults.com/?view=cups_cupresults)
4.
schnuffschnuff 17.02.2013
Wie jetzt??? Die öffentlich-rechtliche-siebenTagedieWoche-24StundenamTag-Biathlon-WM ist jetzt zu Ende?
Zitat von sysopREUTERSWieder keine Medaillen: Auch in den beiden abschließenden WM-Wettbewerben verpassten die DSV-Athleten das Podest. Miriam Gössner vergab Silber beim letzten Schießen, Erik Lesser war zu langsam für Bronze. Ein Spiegelbild der deutschen Wettkämpfe in Tschechien. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/deutsche-biathleten-vergeben-medaillen-chancen-am-schiessstand-a-883928.html
Wie jetzt??? Die öffentlich-rechtliche-siebenTagedieWoche-24StundenamTag-Biathlon-WM ist jetzt zu Ende?
5.
schnuffschnuff 17.02.2013
Für sog. Sportmoderatoren.
Zitat von Schlunzewas? die haben bis heute keinen mentaltrainer? wofür geben die denn unser geld sonst mit vollen händen aus?
Für sog. Sportmoderatoren.

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Zeitplan Biathlon-WM

  • DPA
    Donnerstag, 7. Februar
    17.30 Uhr: Mixed-Staffel

    Samstag, 9. Februar
    13.00 Uhr: Sprint Männer
    16.15 Uhr: Sprint Frauen

    Sonntag, 10. Februar
    13.00 Uhr: Verfolgung Männer
    16.15 Uhr: Verfolgung Frauen

    Mittwoch, 13. Februar
    17.15 Uhr: Einzel Frauen

    Donnerstag, 14. Februar
    17.15 Uhr: Einzel Männer

    Freitag, 15. Februar
    17.15 Uhr: Staffel Frauen

    Samstag, 16. Februar
    15.15 Uhr: Staffel Männer

    Sonntag, 17. Februar
    12.00 Uhr: Massenstart Frauen
    15.15 Uhr: Massenstart Männer

Biathlon-Disziplinen

Einzel
Der älteste Biathlon-Wettkampf ist mit 15 Kilometern bei den Frauen sowie 20 Kilometern bei den Männern der längste. Viermal wird geschossen, zweimal liegend, zweimal stehend - im Wechsel. Pro Fehlschuss gibt es eine Strafminute, der Zeitschnellste gewinnt.
Sprint
Mit 7,5 Kilometern bei den Frauen und 10 Kilometern bei den Männern der kürzeste Wettkampf. Erst wird liegend geschossen, dann stehend. Pro Fehler muss eine Strafrunde von 150 Metern absolviert werden. Der Zeitschnellste gewinnt.
Verfolgung
Auch Jagdrennen genannt. Der Sieger des Sprints geht als Erster in die Loipe. 10 (Frauen) beziehungsweise 12,5 (Männer) Kilometer sind zu absolvieren. In den Zeitabständen aus dem Sprintrennen jagt das restliche Feld den Führenden. Viermal wird geschossen, erst zweimal liegend, dann zweimal stehend. Pro Fehler gibt es eine Strafrunde. Wer als Erster das Ziel erreicht, gewinnt.
Massenstart
Die 30 Starter ergeben sich anhand der Weltcupwertung. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen sind zudem alle Medaillengewinner der vorherigen Wettbewerbe automatisch qualifiziert. Vier Schießeinlagen (liegend, liegend, stehend, stehend) stehen auf dem Programm, die Laufstrecke beträgt 12,5 (Frauen) beziehungsweise 15 (Männer) Kilometer. Geht ein Schuss daneben, wartet die Strafrunde (150 Meter). Sieger ist, wer zuerst die Ziellinie überquert.
Staffel
Gestartet wird im Quartett - die Frauen müssen 4x6 Kilometer laufen, die Männer 4x7,5 Kilometer. Jeder Läufer hat bei seinen zwei Schießeinlagen (liegend und stehend) jeweils drei Nachlader (Zusatzschüsse). Reichen diese nicht aus, muss pro nicht getroffener Scheibe eine Strafrunde absolviert werden. Beim Wechsel muss es zwischen den Teamgefährten in der 30 Meter langen Wechselzone einen eindeutigen Körperkontakt geben, sonst droht die Disqualifikation. Die schnellste Staffel gewinnt.
Mixed-Staffel
Das Quartett besteht aus zwei Frauen und zwei Männern. Erst laufen die Frauen jeweils 6, dann die Herren jeweils 7,5 Kilometer. Jeder Starter muss zweimal schießen (liegend und stehend). Es gibt drei Nachlader pro Starter, sonst droht die Strafrunde. Sieger ist das Quartett, welches als erstes im Ziel ist. Das Mixed-Rennen ist 2014 erstmals olympisch.

Quellen: dpa und sid

Erfolgreichste Biathleten bei Weltmeisterschaften

Name (Land) Gold Silber Bronze
O. Bjørndalen (Norwegen) 18 11 9
F. Luck (Deutschland) 11 5 4
A. Tichonow (UdSSR) 11 4 2
E. Svendsen (Norwegen) 11 4 1
R. Groß (Deutschland) 9 5 6
F. Ullrich (Deutschland) 9 4 1
R. Poirée (Frankreich) 8 3 7
S. Fischer (Deutschland) 7 6 7
M. Kirchner (Deutschland) 7 1 2
W. Melanin (UdSSR) 6 1 -

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