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Sport

Rodel-Gold für Geisenberger

Die Alleinherrscherin

Goldmedaille für Natalie Geisenberger, Silber für Dajana Eitberger - die deutschen Rodlerinnen haben ihre Dominanz erneut bestätigt. Ein schwerer Unfall hat die Feierstimmung allerdings getrübt.

Getty Images

Natalie Geisenberger

Aus Pyeongchang berichtet
Dienstag, 13.02.2018   16:44 Uhr

Wie ungeheuer deutsch der Rodelsport ist, zeigte allein die Pressekonferenz nach dem deutschen Doppelerfolg bei den Olympischen Winterspielen im Frauen-Einsitzer. Es waren fast nur deutsche und ein, vielleicht zwei kanadische Journalisten anwesend. Ein paar südkoreanische Kollegen gesellten sich pflichtgemäß dazu. Draußen vor der Tür machten die Fanklubs aus Bayern und Thüringen ein bisschen Radau.

Das Rennrodeln wird von Deutschland beherrscht, und das Frauenrodeln von Natalie Geisenberger.

Es ist die dritte olympische Goldmedaille für die 30-Jährige, sie dominiert den Weltcup. "Ich hatte vorher schon alles erreicht, was man im Sport erreichen kann", sagt sie, und das ist keine Angeberei oder übersteigertes Selbstbewusstsein. Mehr als Geisenberger kann man im Rodeln wohl wirklich nicht gewinnen.

Auch in Pyeongchang war sie souverän, vom ersten bis zum letzten Lauf. Anders als ihr Teamkollege Felix Loch unterlief ihr auch im vierten Durchgang kein einziger Fehler. "Was dem Felix passiert ist, war ein echter Wachrüttler, war die Botschaft: Der Wettbewerb ist erst zu Ende, wenn ich im letzten Durchgang über die Ziellinie gekommen bin."

DPA

Die Erstplatzierten Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger

Die Konstanz ist es, die sie von all ihren Konkurrentinnen unterscheidet, auch im eigenen Lager. Dajana Eitberger kam ihr am nächsten. Aber sie musste sich nach einem schwächeren dritten Durchgang erst selbst wieder beschwören, "entspannt zu bleiben, den Schlitten einfach fliegen zu lassen". Schließlich "entscheidet allein mein Kopf, wie gut ich bin". Der Kopf hatte offenbar richtig entschieden, Eitberger gelang noch der Sprung von Platz vier auf den Silberrang und schrie anschließend ihre Freude in die Welt hinaus. Ab jetzt werde sie die olympische Zeit nur noch "vollends genießen".

Leidtragende des Eitberger-Satzes nach vorne war die Erfahrenste im deutschen Team, Tatjana Hüfner. Die 34-Jährige rutschte aus den Medaillenrängen, weil sich auch Kanadas Alex Gough im Klassement noch vor sie schob. Die Enttäuschung war Hüfner anzusehen. Dass das Verhältnis zwischen Geisenberger und ihr nicht störungsfrei ist, ist bekannt. Beide sind zu unterschiedliche Typen, die sich gegenseitig über die vergangenen Jahre nichts geschenkt haben. Auf der Pressekonferenz der drei Medaillengewinnerinnen erwähnten Geisenberger und Eitberger das Pech ihrer Teamkollegin mit keinem Wort.

Sweeneys Sturz sorgte für Schock

Pech hat man, wenn man die Medaillen vor Augen hat und doch noch das Podest verpasst. Was allerdings Emily Sweeney im vierten Durchgang passierte, dafür war Pech ein viel zu kleines Wort. Der Schlitten der US-Amerikanerin kam in der berüchtigten Kurve neun ins Trudeln, sie konnte ihn nicht mehr kontrollieren, prallte in vollem Tempo und mit ganzer Wucht mit den Füßen voran gegen die Bande und blieb zunächst reglos im Eiskanal liegen. Schockierende Bilder, die vor Augen führten, wie ungemein gefährlich dieser Sport sein kann.

Die US-Betreuer wirkten paralysiert, Tränen flossen, das Publikum war auf einen Schlag still, auch Olympiasiegerin Geisenberger reagierte bewegt. "Ich hatte den Unfall zum Glück nicht gesehen und Dajana nur oben gefragt, was passiert ist - sie sagte nur, Kurve neun, du willst das nicht sehen." Es dauerte fast zehn Minuten, dann konnte Sweeney aufstehen und von der Bahn geführt werden. Sie hatte am Ende einfach großes Glück gehabt.

REUTERS

Emily Sweeney nach ihrem Unfall

"Eine ganz schwierige Situation" sei es für Geisenberger gewesen, schon der Fahrfehler von Loch habe sie lange beschäftigt. "Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte." Felix Loch ist ihr langjähriger Trainingspartner am Königsee, gemeinsam sind sie groß geworden, gemeinsam haben sie in Sotschi Gold gewonnen, beide werden von Lochs Vater Norbert, dem Bundestrainer, betreut.

Aber Geisenberger wäre nicht sie selbst gewesen, wenn sie all das nicht hätte wegpacken können. Nach außen keine Spur von Nervosität, keine Wackler - Geisenberger pur. Und das wird auch in den nächsten Jahren so weitergehen. "Ganz oben zu stehen, das hat Suchtpotenzial", sagt sie.

Im nächsten Jahr wartet die Heim-WM in Winterberg, vorher will sie hier in Pyeongchang noch Teamgold holen (am Donnerstag, hier finden Sie den Olympia-Zeitplan). "Ich habe noch so viel Spaß am Rodeln, ich bin fit, kann mir einer einen Grund sagen, warum ich jetzt aufhören soll?"

Der Konkurrenz würde sicher einer einfallen.

insgesamt 16 Beiträge
retterdernation 13.02.2018
1. Der Adler auf dem Helm ...
man wundert sich schon - dass das in diesem Land noch keine Diskussion ausgelöst hat. Das ist doch so was von deutlich - ähm - schwer das richtige Wort zu finden „landesnah“ - wo man doch im Vorfeld diskutierte: Fahnen und [...]
man wundert sich schon - dass das in diesem Land noch keine Diskussion ausgelöst hat. Das ist doch so was von deutlich - ähm - schwer das richtige Wort zu finden „landesnah“ - wo man doch im Vorfeld diskutierte: Fahnen und Landeswertungen deutlich in Frage zu stellen. Rodeln ist ein heißer Wettkampf und diese Goldmedaille verdient großen Respekt. Und ich persönlich finde den Adler - irgendwie „piratenmässig.“ ...
flesh 13.02.2018
2. Der Adler hat schon seinen Grund:
Natalie Geisenberger, Felix Loch und Johannes Ludwig gehören zur Sportgruppe der Bundespolizei, Dajana Eitberber und Tatjana Hüfner sind Sportsoldaten.
Zitat von retterdernationman wundert sich schon - dass das in diesem Land noch keine Diskussion ausgelöst hat. Das ist doch so was von deutlich - ähm - schwer das richtige Wort zu finden „landesnah“ - wo man doch im Vorfeld diskutierte: Fahnen und Landeswertungen deutlich in Frage zu stellen. Rodeln ist ein heißer Wettkampf und diese Goldmedaille verdient großen Respekt. Und ich persönlich finde den Adler - irgendwie „piratenmässig.“ ...
Natalie Geisenberger, Felix Loch und Johannes Ludwig gehören zur Sportgruppe der Bundespolizei, Dajana Eitberber und Tatjana Hüfner sind Sportsoldaten.
retterdernation 13.02.2018
3. Der Adler ...
stört mich bestimmt nicht :-)). Trotzdem scheint die Geschmacko irgendwie geschlafen zu haben. Zumindest im Selbstverständnis der Neutralitätsbewahrer. Schnickschnack. Super Leistung der deutschen Rodlerinnen - auch wenn es [...]
stört mich bestimmt nicht :-)). Trotzdem scheint die Geschmacko irgendwie geschlafen zu haben. Zumindest im Selbstverständnis der Neutralitätsbewahrer. Schnickschnack. Super Leistung der deutschen Rodlerinnen - auch wenn es diesmal „nur“ zu Gold und Silber reichte. Doch eine Frage bleibt: ist der Adler deshalb legitim - weil seine Träger beim Bund beschäftigt sind oder ist der Adler nicht sowieso rechtens - weil er das Wappentier Deutschlands ist ?? ... Auch wenn diese Version - piratenmässig - also - offensiv erscheint.
spon-facebook-572119267 13.02.2018
4. kein schwerer Unfall
das war eine Sammlung von Fahrfehlern. Sie ist auf eigenen Füßen aus der Bahn gegangen und hat später sogar dem deutschen Reporter ein Interview gegeben. Ein Experte sagte dazu, dass Rennrodeln eben ein gefährlicher, ähh.. [...]
das war eine Sammlung von Fahrfehlern. Sie ist auf eigenen Füßen aus der Bahn gegangen und hat später sogar dem deutschen Reporter ein Interview gegeben. Ein Experte sagte dazu, dass Rennrodeln eben ein gefährlicher, ähh.. Rennsport sei und immer mit Gefahren verbunden.
GyrosPita 13.02.2018
5.
@Retterdernation: Sie sind innerhalb von zwei Tagen jetzt schon der zweite der sich über so einen Kleinkram den Kopf zerbricht? Doppel-Account, oder tobt sich hier eine Selbsthilfegruppe aus?
@Retterdernation: Sie sind innerhalb von zwei Tagen jetzt schon der zweite der sich über so einen Kleinkram den Kopf zerbricht? Doppel-Account, oder tobt sich hier eine Selbsthilfegruppe aus?

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