Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Olympische Winterspiele in Südkorea

Weg mit der Fahne

Weg mit den Fahnen und Hymnen, der Medaillenzählerei - die Olympischen Spiele wären ein besseres Turnier ohne nationales Pathos.

Getty Images

Fahnenträger Eric Frenzel bei der Eröffnungsfeier

Ein Kommentar von , Pyeongchang
Freitag, 09.02.2018   10:36 Uhr

Vielleicht ist Thomas Bach doch ein Revolutionär.

Moment mal: Bach, jener Präsident, der nicht die Traute hat, durchschlagend und konsequent auf das russische Dopingsystem zu reagieren?

Wenn der IOC-Boss die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang eröffnet, werden russische Athleten dabei sein - ungeachtet der eindeutigen Doping-Belege durch den McLaren-Report. Sie dürfen zwar nicht als russisches Team auftreten, die russische Nationalhymne wird im Falle ihrer Erfolge nicht gespielt, ihre Fahne nicht enthüllt. Erkennbar sind die russischen Sportler als solche dennoch, wenn man ihre Trikots ganz genau anschaut. Das soll revolutionär sein?

DPA

Russischer Athlet bei Olympia

Doch genau dieser ebenso umstrittene wie schwammige Entschluss, russische Athleten an den Winterspielen teilnehmen zu lassen, ihnen aber Hymne und Fahne zu verweigern, könnte die Spiele in eine ganz neue Richtung lenken. Der IOC-Chef hat damit, ohne es zu wollen, der Olympischen Idee eine Zukunft gegeben. Man muss sie nur größer denken.

Die Fahne im Wind

Athleten nicht als Deutsche, nicht als Russen, nicht als US-Amerikaner oder Chinesen, sondern als Sportler auftreten zu lassen, würde den Charakter der Spiele grundlegend verändern. Bisher ist Olympia ein Wettbewerb der Nationen, eine Veranstaltung, die nationale Bedürfnisse befriedigt. Nichts anderes tut der Medaillenspiegel. Nichts anderes wird mit den Emotionen beabsichtigt, die mit dem Abspielen der Hymne verbunden sind. Dazu weht die Fahne im Wind.

Aber ist das wirklich ein modernes Abbild des Sports? Tritt eine Lindsey Vonn wirklich an, um ihr Land zu vertreten? Oder nicht vielmehr aus dem nachvollziehbaren Impuls, Ruhm, Geld und Sponsoren für sich zu mehren? Kämpft Claudia Pechstein auf dem Eisoval wirklich für Deutschland? Oder ist es nicht vielmehr ihr persönlicher Kampf gegen Weltverband und Kritiker?

DPA

Lindsey Vonn

Olympische Spiele sind Hochfeste des nationalen Pathos. Das wird auch in Südorea so sein, wo sie ihre Shorttrack-Stars bejubeln und keine große Lust haben, sich Biathlon oder Langlauf anzuschauen, weil die eigenen Athleten dort keine Chance haben. Olympische Spiele mögen mittlerweile global sein - die Geldströme, die damit verbunden sind, sind es in jedem Fall - aber wirklich international sind die Spiele nie gewesen.

Ein Gedankenspiel

Die Sächsin Aileen Frisch tritt bei den Winterspielen für Südkorea an, der Sachse Michael Rösch für Belgien. Beide haben mit diesen Ländern nichts am Hut, sie haben keine koreanischen oder belgischen Wurzeln, sie tun dies nur, weil sie sich in Deutschland nicht gegen die Besten durchsetzen konnten und weil die entsprechenden Länder hoffen, mit ihnen besser abzuschneiden. Deutlicher kann man den ganzen Irrwitz des nationalen Wettkampfes nicht beschreiben.

Weg mit der Fahnenschwingerei, mit der Hymne, so wunderschön manche auch klingen, mit der Medaillenzählerei - das wäre eine radikale Maßnahme. Und Regierungen aller Länder hätten kein Interesse mehr, zum Ruhme der Nation staatliche Dopingnetzwerke aufzuziehen. Plötzlich wäre der Spitzensport keine nationale Angelegenheit mehr, Bundesinnenminister müssten sich nicht mehr auf die Siegerfotos drängeln und den Daumen auf der Sportförderung halten. Plötzlich ginge es nur noch um die Sportler.

Natürlich ist das alles Illusion, ein Gedankenspiel. Natürlich werden alle in Deutschland in den kommenden zwei Wochen von Pyeongchang vor allem über Erfolge und Pleiten deutscher Athleten berichten, auch SPIEGEL ONLINE wird da keine Ausnahme machen. Und zur Schlussfeier weht dann auch wieder die russische Fahne. Das hat Thomas Bach bereits versprochen.

So aktivieren Sie den Gold-Alarm

insgesamt 180 Beiträge
alsterherr 09.02.2018
1.
Alle Nationen unter einem Dach spielen lassen weil alle gleich sind? Dann bitte auch Damen und Herren im selben Wettbewerb antreten lassen ... sind ja alle gleich.
Alle Nationen unter einem Dach spielen lassen weil alle gleich sind? Dann bitte auch Damen und Herren im selben Wettbewerb antreten lassen ... sind ja alle gleich.
darthmax 09.02.2018
2. dáccord
da die Staaten aber viel Geld in die Finanzierung der Athleten stecken , kann man Ihnen die Propaganda schlecht verwehren.
da die Staaten aber viel Geld in die Finanzierung der Athleten stecken , kann man Ihnen die Propaganda schlecht verwehren.
lars_voss 09.02.2018
3.
Wie war das nochmal die Linke macht die Rechte stark.
Wie war das nochmal die Linke macht die Rechte stark.
tomkey 09.02.2018
4. Völlig sinnfreier Artikel
Unter einer Fahne/Symbol/Logo werden Sportler immer ihre Wettkämpfe austragen. Selbst wenn es die Alkohol-Fahne ist. Spielstand im Wettbewerb sinnfreier Kommentare: Peter Ahrens vs. tomkey 1:1
Unter einer Fahne/Symbol/Logo werden Sportler immer ihre Wettkämpfe austragen. Selbst wenn es die Alkohol-Fahne ist. Spielstand im Wettbewerb sinnfreier Kommentare: Peter Ahrens vs. tomkey 1:1
ratzinger2013 09.02.2018
5. Seltsame Logik
Das ist meiner Meinung nach ein wohlfeiler Gedanke. Es ist halt grade Mode, irgendwie gegen Nationalstaaten zu sein. Wenn das Ende der Nationalteams den Sport fair und sauber machen würde, dann müsste der Radsport ja ein [...]
Das ist meiner Meinung nach ein wohlfeiler Gedanke. Es ist halt grade Mode, irgendwie gegen Nationalstaaten zu sein. Wenn das Ende der Nationalteams den Sport fair und sauber machen würde, dann müsste der Radsport ja ein Leuchtturm sein...

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP