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Sport

Shorttrack in Südkorea

Schnelle Liebe

Die Abfahrt? Das Eishockeyfinale? Skispringen? Nein, aus Sicht der Gastgeber sind die Shorttrack-Rennen die Höhepunkte der Olympischen Spiele. Verständlich.

Getty Images
Aus Pyeongchang berichtet
Dienstag, 13.02.2018   17:39 Uhr

Geschwindigkeit, Chaos, Eleganz: Shorttrack bietet all das. Kein Wunder, dass die Südkoreaner so verliebt sind in diesen Sport.

Am Dienstag war das wieder zu beobachten in der Gangneung Ice Arena. Dem späten Abend fehlte nur der krönende Abschluss - Gold für Südkorea. Choi Min Jeong, der Liebling der Massen war im Shorttrack-Finale über 500 Meter disqualifiziert worden. Die Enttäuschung war spürbar, Pfiffe gab es nur vereinzelt zu hören. Stattdessen leerte sich die Halle passend zum Abend recht flott.

Begeisterungsfähigkeit gepaart mit Fairness - wahrlich keine Selbstverständlichkeit bei Olympischen Spielen, aber augenscheinlich eine Selbstverständlichkeit für Südkoreas Shorttrack-Fans.

Shorttrack ist eine Disziplin des Eisschnelllaufens, nur viel rasanter und mit Körperkontakt. Gelaufen wird auf einer 111 Meter kurzen Bahn, die in den Kurven durch Gummimarker begrenzt ist. Auf den kurzen Geraden kann theoretisch abgekürzt und überholt werden. Gestartet wird in der Gruppe, je nach Disziplin mit vier oder acht Startern. Auf den kurzen Strecken treten vier Läufer oder Läuferinnen an, zwei kommen weiter. Und es geht von der ersten Sekunde an zur Sache.

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29

Wegen der hohen Geschwindigkeit und des dauernden Körperkontakts ist enorme Körperbeherrschung gefragt. Chaotische Szenen wechseln sich ab mit anmutigen Gleitphasen in der Kurve, wenn der linke Arm unterstützend das Eis berührt. Wichtig ist taktisches Verständnis, denn wer eine Lücke entdeckt, muss sie innerhalb von Sekundenbruchteilen nutzen. So kommt es ständig zu Stürzen, dicke Matten vor den Banden fangen die schliddernden Fahrer auf.

Am Dienstag wurde die Olympiasiegerin über 500 Meter gesucht, außerdem wurden die Vorläufe über 1000 Meter der Männer und das Halbfinale in der 5000-Meter-Staffel der Männer ausgetragen. Und jedes Mal, wenn ein Athlet oder eine Athletin aus dem Gastgeberland die Eisfläche betrat, wurde es laut. Südkorea ist die dominierende Nation im Shorttrack. Seit der Aufnahme ins olympische Programm 1992 gingen 22 Goldmedaillen dorthin.

Die Gangneung Ice Arena ist regelmäßig gut gefüllt, die Veranstalter meldeten für die Wettbewerbe dort eine Auslastung von 85 Prozent, es bleiben tatsächlich nur wenige Plätze frei. Die Stimmung ist ausgelassen. Sofort wird klar, dass die Heimzuschauer etwas mitgebracht haben, was an der Biathlon-Strecke oder an der Sprungschanze fehlt: Fachkenntnis und Enthusiasmus. Geht ein Koreaner in Führung, wird es besonders laut, aber das Publikum geht auch in jeder anderen spektakulären Situation mit. Nur direkt beim Start soll es ruhig sein, das fordert der Hallensprecher mit einem auch auf der Videoleinwand gezeigten "Shhhh" jedes Mal ein.

Zeit zum Feiern, Singen, Tanzen oder Schreien gibt es auch genug. Denn wenn zwischen den Läufen die Eismaschine für frischen Untergrund sorgt, können die Zuschauer ihre Vorliebe für Techno, Pop oder den Gangnam-Style ausleben. Wer ohne die Stadionregie oder einen Auftritt von DJ Ku:l Sport schauen möchte, ist hier fehl am Platz.

Olympiastadt Pyeongchang

Eine Besonderheit des Shorttracks ist die häufige Verwendung des Videobeweises. Neben drei Schiedsrichtern gibt es bei jedem Rennen einen Videoassistenten, der bei Stürzen, Abkürzungen in der Kurve oder unfairen Attacken ("Impeding") eingreifen soll. An diesem Abend gibt es insgesamt fünf Video-Entscheidungen, die zur Disqualifikation und damit zum Nachrücken eines anderen Athleten führen.

Im Finale über die 500 Meter führt ein solches Eingreifen schließlich zum Ausschluss von Choi Min Jeong. Südkoreas Goldhoffnung hat im Zielsprint die spätere Siegerin Arianna Fontana aus Italien behindert - eine nachvollziehbare Entscheidung. Die Wiederholung des Rennens zeigt jedoch, dass auch Choi zuvor von Kim Boutin aus Kanada angerempelt wurde, da greift der Assistent jedoch nicht ein.

Deutschland beste Shorttrackerin Anna Seidel ist zu diesem Zeitpunkt schon ausgeschieden. Im Viertelfinale hatte sie keine Chance gegen Boutin, die Ungarin Andrea Keszler und Großbritanniens Medaillenhoffnung Elise Christie, die später im Finale stürzt und wie schon 2014 in Sotschi nach doppelter Disqualifikation über 1000 und 500 Meter leer ausgeht. Seidel und Christie bekommen über 1000 Meter am 22. Februar eine weitere Chance. Es dürfte wieder ein begeisternder Abend werden.

insgesamt 5 Beiträge
carinanavis 13.02.2018
1. warum
untersucht der Herr Seppelt nicht das niederländische Staatsdoping, sondern nur das Russische?
untersucht der Herr Seppelt nicht das niederländische Staatsdoping, sondern nur das Russische?
zaunreiter35 13.02.2018
2. Eigentlich
ist doch alles wie immer: Im Eisschnelllauf gewinnen die Niederländer, im Biathlon gewinnen die Deutschen und Franzosen, im Rodeln ist Deutschland oder der deutschsprachige Raum vorherrschend, im Eishockey gewinnen die [...]
ist doch alles wie immer: Im Eisschnelllauf gewinnen die Niederländer, im Biathlon gewinnen die Deutschen und Franzosen, im Rodeln ist Deutschland oder der deutschsprachige Raum vorherrschend, im Eishockey gewinnen die Kanadier, die modernen jungen Skisportarten beherrschen die Länder angelsächsischer Prägung, und im Shorttrack sind die Asiaten bestimmend. So einfach ist das.
ptb29 13.02.2018
3. Winterspiele in einer Gegend,
die sicher schneefrei ist, das Publikum sich nur für den Dopingsport interessiert, gute Voraussetzungen. Alles nur, weil das IOC neue Märkte für den Wintersport erschließen will.
die sicher schneefrei ist, das Publikum sich nur für den Dopingsport interessiert, gute Voraussetzungen. Alles nur, weil das IOC neue Märkte für den Wintersport erschließen will.
WSL 13.02.2018
4. Korea soll eine schnefreie Gegend sein?
Sicher schneefrei? Dass ich nicht lache. In den letzten Tagen schon mal den Fernseher eingeschaltet und Olympia verfolgt? Sicher nicht, oder? Man hat nämlich reichlich Schneeflocken fliegen sehen. Ja, nordische Sportarten [...]
Zitat von ptb29die sicher schneefrei ist, das Publikum sich nur für den Dopingsport interessiert, gute Voraussetzungen. Alles nur, weil das IOC neue Märkte für den Wintersport erschließen will.
Sicher schneefrei? Dass ich nicht lache. In den letzten Tagen schon mal den Fernseher eingeschaltet und Olympia verfolgt? Sicher nicht, oder? Man hat nämlich reichlich Schneeflocken fliegen sehen. Ja, nordische Sportarten sind dort unbekannt, aber das heißt nicht, dass es dort gleich "schneefrei" ist. Und Shorttrack ist eher eine saubere Disziplin. Es geht viel mehr um Fahrtechnik und Taktik, nicht um körperliche Masse oder Ausdauer. Es ist halt einfach über alles zu motzen, aber man würde es viel weniger tun, wenn man tatsächlich eine Ahnung hätte...
saubereLuft 14.02.2018
5. Nee, is es eigentlich nich
Blättern Sie doch mal bei Wikepedia die Medaillenspiegel der von Ihnen genannten Sportarten durch und Sie werden feststellen, dass es keineswegs so ist wie IMMER. Eisschnelllauf: Ja, in Sotschi haben die Niederländer 8 [...]
Zitat von zaunreiter35ist doch alles wie immer: Im Eisschnelllauf gewinnen die Niederländer, im Biathlon gewinnen die Deutschen und Franzosen, im Rodeln ist Deutschland oder der deutschsprachige Raum vorherrschend, im Eishockey gewinnen die Kanadier, die modernen jungen Skisportarten beherrschen die Länder angelsächsischer Prägung, und im Shorttrack sind die Asiaten bestimmend. So einfach ist das.
Blättern Sie doch mal bei Wikepedia die Medaillenspiegel der von Ihnen genannten Sportarten durch und Sie werden feststellen, dass es keineswegs so ist wie IMMER. Eisschnelllauf: Ja, in Sotschi haben die Niederländer 8 von 12 Titeln und 23 von 36 Medaillen geholt. Das war allerdings bisher das einzige Mal. Davor wurden die Titel und Medaillen mal gleichmäßig, mal einseitig unter den NL, USA, Deutschland, Kanada, Südkorea, Italien, Russland, Norwegen, DDR, Sowjetunion, Schweden verteilt. Biathon: In Sotschi hat Deutschland keinmal gewonnen, Weißrussland dafür dreimal und die NorwegerInnen haben im Biathlon natürlich noch nie was gerissen. Rodeln: Armin Zöggeler ist zweifacher Olympiasieger und kommt, ui, aus Italien. Ja, gut in den Urlaubsorten wird viel Deutsch gesprochen. Eishockey: Es gewinnen die Kanadierinnen (seit 2002), ansonsten: Olympiasieger 2006 - Schweden von 1956 bis 1992 hat die Sowjetunion 8 von 10 Titeln gewonnen. Und wer ist 1936 Olympiasieger geworden: Richtig, Großbritannien Junge Skisportarten: a) Freestyle Skiing: Janne Lahtela, Ales Valenta, Kari Traa, Han Xiaopeng, Aljaksej Hryschyn, Ala Zuper, Anton Kuschnir, Jean-Frédéric Chapuis - um hier mal so ne ganze Bande von Angelsachsen aufzuzählen. b) Hier finde ich Vic Wild passend, vom Namen her. Nationalität: russisch und Iouri Podladtchikov, der is Schweizer. Die haben übrigens 2006 genauso viele Olympiasieger gestellt wie die USA. Shorttrack: Joh, is nicht falsch. Allerdings gab es 2002 keinen asiatischen Olympiasieger und Kanada erscheint zu oft ganz oben in den Siegerlisten, als dass man nur von bestimmenden Asiaten sprechen könnte.

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