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Stil
Datenlese

Essen als Datenträger

Genießen nach Zahlen

Uli Holz/ Moritz Stefaner
Von
Mittwoch, 15.04.2015   12:29 Uhr

Stil-Klassiker: Wenn Profis Prozentzahlen in Gerichte übersetzen, entstehen kleine kulinarische Kunstwerke, die man essen kann - und dabei etwas lernt. Egal ob Nerd oder Gourmet.

Exakte Mengenangaben verbergen sich hinter jedem ausgefeilten Gericht. An Prise, Liter und Gramm kommt also nicht vorbei, wer Kochkunst betreiben will. Warum dann nicht gleich ganz andere Daten ins Kulinarische übersetzen und abstrakte Zahlen so versinnlichen?

Die freie Kuratorin Susanne Jaschko und der Datendesigner Moritz Stefaner setzen diese Idee in Workshops um, zuletzt im Januar in Berlin, gemeinsam mit der Organisation MICT. Entstanden sind dabei Gerichte, deren Informationsgehalt deutlich über ein einfaches Rezept hinausgeht. Bis hin zur Visualisierung komplexer Statistiken.

Die Herausforderung: Die Kreationen sollen mehrere inhaltliche Ebenen zugleich darstellen. "Da ergeben sich unzählige neue Möglichkeiten - von 3D-Skulpturen über Geschmack bis hin zu Temperatur und Textur", sagt Moritz Stefaner. "Und natürlich haben alle Zutaten auch kulturelle Konnotationen - benutze ich Kartoffeln oder Kaviar?"

Uli Holz/ Moritz Stefaner

Informationsmedium Kartoffel: Wie viele Menschen arbeiten in staatlichen Medien?

Und wenn Kartoffel, dann in welcher Darreichungsform? In einem grafischen Gericht über staatliche Medien in verschiedenen Staaten kommt die Knolle zweifach vor: als Schaum für Länder mit wenigen Mitarbeitern in diesem Bereich, als Confit für solche mit größeren Staatsmedien.

In der Datenküche wird Köstliches nicht nur zubereitet, sondern auch mit Hintersinn serviert: "In Berlin konnten wir zum ersten Mal damit spielen, wie Essen verteilt wird", sagt Susanne Jaschko und erzählt von Fleischbällchen mit Chilisoße und vom Telefonieren in Mali.

Uli Holz/ Moritz Stefaner

Mangelware Chilisoße: Mobiltelefone gibt es viele in Mali - aber wenig Strom

Dort sind Mobiltelefone sehr verbreitet, jeder Einwohner des westafrikanischen Landes habe rein rechnerisch 1,3 Verträge. Allerdings fehle vielen der Zugang zu Strom. Beim Event in Berlin wurde dieses Missverhältnis spielerisch dargestellt: "Für jeden der 200 Gäste gab es 1,3 Fleischbällchen, die einzeln gereicht wurden - der Dip aber war nur an fünf Stellen im Raum zugänglich", sagt Jaschko.

Ein kulinarisches Verteilungsrätsel, das die Gäste selbst lösen mussten: Einige bekamen mehrere Fleischbällchen, andere gar keins - und über den Dip musste verhandelt werden. Allenfalls Ignoranten denken dabei dann noch nur ans Essen.

insgesamt 5 Beiträge
bjbehr 15.04.2015
1. Mir vergehts!
Was für ein Quatsch! Da vergeht einem gleich doppelt der Appetit. Man kann alles essen und trinken, wenn es nur in Maßen ist. Diese diäetetischen Glaubensbekenntnisse - und nun wohl auch mathematischen Doktorarbeiten, die man [...]
Was für ein Quatsch! Da vergeht einem gleich doppelt der Appetit. Man kann alles essen und trinken, wenn es nur in Maßen ist. Diese diäetetischen Glaubensbekenntnisse - und nun wohl auch mathematischen Doktorarbeiten, die man vor dem Regal im Supermarkt wohl leisten soll - sind alle Mist! Wann lernen die Medien das endlich?
Zitrone! 15.04.2015
2.
Wie wär's, wenn Sie den Artikel mal lesen, bevor Sie meckern? Obwohl ich mit dieser Art von Wissensvermittlung auch nichts anfangen kann. Um Dip verhandeln - frage mich, wie die Mali ihre vielen Mobiles denn aufladen, wenn [...]
Zitat von bjbehrWas für ein Quatsch! Da vergeht einem gleich doppelt der Appetit. Man kann alles essen und trinken, wenn es nur in Maßen ist. Diese diäetetischen Glaubensbekenntnisse - und nun wohl auch mathematischen Doktorarbeiten, die man vor dem Regal im Supermarkt wohl leisten soll - sind alle Mist! Wann lernen die Medien das endlich?
Wie wär's, wenn Sie den Artikel mal lesen, bevor Sie meckern? Obwohl ich mit dieser Art von Wissensvermittlung auch nichts anfangen kann. Um Dip verhandeln - frage mich, wie die Mali ihre vielen Mobiles denn aufladen, wenn sie keinen Strom haben ... Ein Blatt Papier mit den Daten ist übersichtlicher, spart Zeit, erlaubt konkrete Rückfragen, und man wird nicht dick.
Alfons Emsig 09.03.2017
3.
@bjbehr: Wie wärs mit dieser Hypothese: Um ein Mobiltelefon nutzen zu können, benötigt man zwingend einen Vertrag. Um das Stromnetz anzuzapfen, nicht.
@bjbehr: Wie wärs mit dieser Hypothese: Um ein Mobiltelefon nutzen zu können, benötigt man zwingend einen Vertrag. Um das Stromnetz anzuzapfen, nicht.
Stäffelesrutscher 10.03.2017
4.
»Exakte Mengenangaben verbergen sich hinter jedem ausgefeilten Gericht. An Prise, Liter und Gramm kommt also nicht vorbei, ...« Entschuldigung, aber gerade »Prise« ist das Gegenteil einer exakten Mengenangabe. Genau wie [...]
»Exakte Mengenangaben verbergen sich hinter jedem ausgefeilten Gericht. An Prise, Liter und Gramm kommt also nicht vorbei, ...« Entschuldigung, aber gerade »Prise« ist das Gegenteil einer exakten Mengenangabe. Genau wie »Teelöffel«, »Esslöffel« oder »Messerspitze«.
t_mcmillan 10.03.2017
5.
"Wenn Profis Prozentzahlen in Gerichte übersetzen, entstehen kleine kulinarische Kunstwerke, die man essen kann - und dabei etwas lernt." Also... MIR tut das weh. Rein syntaktisch gesehen.
"Wenn Profis Prozentzahlen in Gerichte übersetzen, entstehen kleine kulinarische Kunstwerke, die man essen kann - und dabei etwas lernt." Also... MIR tut das weh. Rein syntaktisch gesehen.

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