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Stil

Stil-Klassiker: Modetipps vom Edelschneider

So trägt Mann das!

Er war der Inbegriff eines Dandys: Sir Hardy Amies jagte im Zweiten Weltkrieg Nazis, später kleidete er die Queen ein. Der Geschmack von Londons bestem Schneider war schlicht - er liebte nur das Beste. Hier sein ABC des Männerstils.

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In solchen Schuhen können Sie getrost dinieren - natürlich zu Hause

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Donnerstag, 02.04.2015   17:45 Uhr

In der Reihe "Stil-Klassiker" präsentiert SPIEGEL ONLINE Schätze aus dem Stil-Archiv. Dieser Artikel erschien zuerst im April 2015.

"Ein Mann sollte so aussehen, als habe er seine Kleider mit Einsicht erworben, mit Sorgfalt angezogen und sie dann vollkommen vergessen." Dieses Urteil stammt von Sir Hardy Amies, seines Zeichens langjähriger Hofschneider im Dienste ihrer Majestät, Königin Elisabeth II. Und weil Männer lange Zeit bereits einen Gürtel in Farbe der Schuhe für ein elegantes Modestatement hielten, veröffentlichte Amies 1964 ein Lexikon der Männermode; ein Klassiker, der nun endlich auf Deutsch erhältlich ist.

In seinem Mode-ABC hielt der berühmte Londoner Modeschöpfer und Mitbegründer der Konfektionskleidung alles fest, was in seinen Augen für den angemessenen Auftritt eines Herren unerlässlich ist. Auf 128 Seiten versucht Amies, "statt neue Probleme zu schaffen, diejenigen auszuräumen, die uns stutzig machen". Sein Nachschlagewerk liefert zu beinahe jedem erdenklichen Stichwort aus der Welt der Männermode hilfreiches Wissen. Von A wie Accessoires - sie sollten grundsätzlich kostbarer sein als der eigentliche Anzug, der so etwas von ihrem Glanz zurückwirft - bis Z wie Zylinder - lieber nicht ausleihen! - wird alles erklärt, was für den Dandy von Bedeutung ist (oder war).

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Mode: So wird Mann zum Dandy

Amies selbst war der Inbegriff eines Dandys: 1909 in London geboren wollte er eigentlich Journalist werden, landete aber in der Modebranche. Mit 25 Jahren war er bereits Geschäftsführer eines Modeunternehmens im Londoner Stadtteil Mayfair. Sein erster großer Hit war ein grüner Tweedanzug namens "Panic", der es in die Vogue schaffte. Ende der Dreißigerjahre entwarf Amies längst die komplette Kollektion und wurde schließlich Chefdesigner.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Amies wegen seiner Fremdsprachenkenntnisse als Agent beim britischen Nachrichtendienst in Belgien eingesetzt. Seine mit Begriffen aus der Modewelt chiffrierten Nachrichten sollen geholfen haben, etliche Doppelagenten und Kollaborateure zu liquidieren. Er selbst bestritt später jegliche Kenntnis dieser Vorgänge.

Nach Kriegsende kaufte er ein Ladengeschäft in der Londoner Savile Row, das er über die nächsten Jahre zu einem der erfolgreichsten Londoner Modehäuser ausbaute. Er entwarf bald nicht nur Kleidung für die Königin, sondern auch Uniformen für Polizisten, Stewardessen und Krankenschwestern. Auch die Kostüme in Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" stammen von ihm. Seine Hardy Amies Ltd leitete er bis ins hohe Alter. 2001 verkaufte er die Firma an die Luxury Brand Group. Er starb 2003 im Alter von 93 Jahren in London.

Hemd und Krawatte sind Pflicht

"Tragen Sie in einer Stadt nach 18 Uhr immer ein Hemd und Krawatte, auch wenn sie am Meer liegt", lautet einer von Amies Ratschlägen, die heutzutage teilweise antiquiert wirken. Auch die Zahl der Herren, die Verwendung für eine Reitjacke für die Jagd zu Pferde haben, dürfte dieser Tage in etwa so klein sein wie deren Bedarf an Hilfestellung für ein adrettes Erscheinungsbild. Und wenn unter dem Stichwort Bügeln der Rat zu lesen ist, all jene Männer, die es nicht bei der Armee gelernt haben, mögen sich doch bitte eine talentierte Frau suchen, lässt das den Ratsuchenden eher ratlos zurück.

Zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass Amies, der nie ein Geheimnis aus seiner Liebe für Männer machte, wahrscheinlich selbst zum Eisen gegriffen hat, um seine Uniform zu glätten. Die war selbstverständlich eine Maßanfertigung. Seine Ausbilder attestierten dem Soldaten Amies als einziges Manko "sein tadelloses Erscheinungsbild und Auftreten", das dazu verleite, ihn zu unterschätzen.

Andere Empfehlungen sind dagegen so hilfreich wie zeitlos: "Im Zweifel sind Sie aber besser beraten, zu korrekt aufzutreten als zu leger - Sie können Ihre Manieren schneller wechseln als Ihre Kleidung." Außerdem finden sich in den größtenteils sehr elegant und mit beißendem britischen Humor formulierten Zeilen nützliche Tipps, die beim Kleiderkauf die Nerven und, zumindest langfristig, den Geldbeutel schonen werden: "Sie werden weniger Fehler machen, wenn Sie versuchen, einen Kleiderschrank gemäß dessen zu füllen, was Sie tun, statt was Sie mögen", und "wenn Sie immer etwas mehr bezahlen, als Sie denken, sich leisten zu können, sind Sie auf längere Sicht besser dran".

Kaufen Sie sich einen blauen Anzug!

Doch Vorsicht! Hellfarbige Strümpfe sind direkt raus, ganz gleich was sie kosten! Sehr zu empfehlen dagegen: der blaue Anzug. Allerdings nur aus hellerem Marineblau (French Navy), das im Gegensatz zu echtem Marineblau, das schon beinahe schwarz ist, mit einem weißen Hemd sehr sauber und kombiniert mit blau äußerst elegant und harmonisch aussieht. Dazu wünscht sich Amies ausdrücklich Strümpfe oder ein Einstecktuch in dunklem Rot oder Grün. Just to let you know.

Sollten seine Anmerkungen also auch an einigen wenigen Stellen verstaubt erscheinen, zeigt sich oft schon auf der nächsten Seite wieder Amies' Weitsicht. Deutlich wird dies etwa, wenn er darüber räsoniert, dass modebewusste junge Männer in Zukunft die Hosen in die Stiefel stecken werden. Ein Bild, das dem aufmerksamen Beobachter spätestens seit der Wintersaison 2012 vertraut sein dürfte.

Obwohl Amies "Das kleine Buch der Herrenmode" in Wahrheit für den jungen Mann erdacht hat, werden auch ältere Herren in jenen Abschnitten, die sich mit der korrekten Kleidung beschäftigen, etwas lernen, das oft genug den Bereich der Benimmregeln betrifft. Selbst für Freizeitaktivitäten wie Eislaufen oder den Badeurlaub weiß Amies guten Rat beizusteuern. Zusätzlich liefert das Buch eine Fülle von Informationen über Stoffe, Schnitte und Muster. Herstellungsverfahren und Geschichte traditioneller Kleidungsstücke - Amies bevorzugt den Ausdruck "Kostüme" - werden ebenfalls erklärt, wofür es aber sicherlich bessere Literatur gibt. Mehr Abbildungen wären wünschenswert, doch auch in seiner vorliegenden Fassung ist dieser kleine Klassiker eine lohnende Anschaffung für Gentlemen und jene, die sich dafür halten.

Zusammengefasst: "Der Anzug ist die Uniform eines Gentlemans."

insgesamt 24 Beiträge
HaioForler 02.04.2015
1.
Bis auf Bild 1 und 7 sind die gezeigten Schuhe indiskutabel. Leger ist in Ordnung, aber wenn, dann auch Qualität und passend. Und ja, Sandalen (in der Stadt) sind die Hölle, ob mit oder ohne Socken. Mit Socken grausamer. Den [...]
Bis auf Bild 1 und 7 sind die gezeigten Schuhe indiskutabel. Leger ist in Ordnung, aber wenn, dann auch Qualität und passend. Und ja, Sandalen (in der Stadt) sind die Hölle, ob mit oder ohne Socken. Mit Socken grausamer. Den Deutschen Herren ins Gebetbuch geschrieben ;)
Das Grauen 02.04.2015
2. Echt peinlich, die Tatoos!
Da helfen auch die teuren Schuhe nix.
Da helfen auch die teuren Schuhe nix.
annibertazeh 02.04.2015
3. Sir, ...
... ich find's dringlich geboten, den Herrschaften heutzutage mal wieder beizubringen, wie Zwei- und Drei-Knopf-Sakko richtig getragen (= geknöpft) werden.
... ich find's dringlich geboten, den Herrschaften heutzutage mal wieder beizubringen, wie Zwei- und Drei-Knopf-Sakko richtig getragen (= geknöpft) werden.
niska 02.04.2015
4.
Slipper sind ja allgemein schon abartig. Aber diese sind einfach gruselig. Und konnten die kein Fußmodel finden, das wenigstens Tatoos auf Dorfbushaltestellenniveau vorweisen kann?
Slipper sind ja allgemein schon abartig. Aber diese sind einfach gruselig. Und konnten die kein Fußmodel finden, das wenigstens Tatoos auf Dorfbushaltestellenniveau vorweisen kann?
rio65trio 02.04.2015
5. Relatives Sammelsurium
1 und 8 ja das ist Mode, 3 keine Mode aber praktisches Outfit, der Rest stilistisch unsicher aber man kann sich damit bestimmt zu Fasching als Hipster verkleiden. Es scheint dringenden Bedarf für Männersocken zu geben.
1 und 8 ja das ist Mode, 3 keine Mode aber praktisches Outfit, der Rest stilistisch unsicher aber man kann sich damit bestimmt zu Fasching als Hipster verkleiden. Es scheint dringenden Bedarf für Männersocken zu geben.

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