Schrift:
Ansicht Home:
Stil

Atemschutzmasken vom Designer

Feinstoff

Wenn man schon eine Atemschutzmaske tragen muss, dann doch bitte eine coole. In Asien geht der Trend zum individuell gestalteten Partikelfilter vom Designer - für den bis zu 5000 US-Dollar geboten werden.

Airinum/ Alexander Bello
Von Olivia Samnick
Mittwoch, 01.03.2017   17:10 Uhr

In vielen asiatischen Metropolen sind sie nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken: Atemschutzmasken, die Mund und Nase abdecken und so Lunge und Blutkreislauf ihrer Träger schadstofffrei halten. In Megastädten wie Peking geht kein vernünftiger Mensch, der es sich leisten kann, ohne diesen Schutz auf die Straße. Es geht nicht anders, die Stickoxidbelastung ist extrem.

Wer sich mehr leisten kann, greift längst nicht mehr zum Standardmodell, einem unauffälligen, weißen Partikelfilter. Gefragt sind farbige Masken, die zum jeweiligen Outfit passen, besonders auffällig sind oder die Persönlichkeit ihrer Träger unterstreichen. Seit geraumer Zeit sieht man immer häufiger derartige Modelle auf Instagram und bei Modenschauen.

Hong Kong street style #onzie #mickeymouse #toerunningsocks #purse #filtermask

Ein Beitrag geteilt von Patricia cuccia (@patriciacuccia) am

Der chinesische Designer Zhijun Wang etwa macht seine Masken aus Turnschuhen. Wang stammt aus Peking. In der 21-Millionen-Stadt gilt die Luft offiziell bereits als "gut", wenn die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Werte nur um das Dreifache überschritten werden. Auf die Idee, Sneaker zu verarbeiten, kam Wang, weil er die Schuhe sammelt. Besonders ein Paar hatte es ihm angetan: "Der Flyknit Racer ist sehr leicht, atmungsaktiv und außerdem strapazierfähig." Perfekte Eigenschaften für eine Atemschutzmaske.

In Handarbeit verarbeitet Wang vor allem gehypte Modelle wie Kanye Wests Yeezy-Kollektion von Adidas. Für eine dieser Yeezy-Masken bot ihm ein Interessent bei eBay 5000 US-Dollar. Zum Vergleich: In unversehrtem Zustand verkauft sich die erste Version der Sneaker ab 350 US-Dollar.

Funktionell und modisch

Pro Maske versucht der chinesische Designer, nur ein Paar Schuhe zu verwenden. Sein jüngstes Modell fertigte er für seine Freundin aus den rosafarbenen Stampd Clyde von Puma. Die ursprüngliche Aufmachung der Treter versuche er zu bewahren, sagt Wang. Gleichzeitig gehe es ihm aber auch darum, ein einzigartiges Design zu entwickeln. Zum Schluss setzt er noch ein Luftventil und einen Feinstaubfilter ein.

Wang Zhijun/ Hypebeast

Atemmaske von Wang Zhijun

Wang möchte mit seiner Arbeit nicht nur ein modisches Statement liefern: "Ich wünsche mir, dass die Leute sich über die Umwelt Gedanken machen." Dabei dürfte ihm helfen, dass inzwischen CNN und The Guardian auf ihn aufmerksam geworden sind. Auf Instagram folgen ihm mittlerweile mehr als 18.000 Menschen.

Internationales Design für Asien

Der Trend zu individuell gestalteten Masken ist auch an internationalen Modemarken nicht vorbeigegangen. Das schwedische Label Airinum verkauft seine "Air Pollution Masks" einfarbig oder gemustert. Es gibt Modelle für Erwachsene und für Kinder - Mode für die ganze Familie also. Die günstigste Maske kostet um die 70 Euro, die neueste Version mit Tarnfleckmuster 20 Euro mehr.

Vogmask aus den USA setzt auf organische Stoffe und wilde Muster: Paisley, Zebrastreifen, Regenbogen und Sterne, geografische und psychedelische Motive - genug Vielfalt, um im grauen Smog farbige Akzente zu setzen. Zur Hong Kong Fashion Week gab es eine Designkooperation mit einer Body-Painting-Künstlerin.

Der Großteil der Vogmask-Produktion ist für den asiatischen Markt bestimmt, seit 2013 hat das Unternehmen aus Kalifornien eine Tochterfirma in China. Verkauft werden die Masken mittlerweile jedoch auch in London, wo die Luft Ende Januar kurzzeitig sogar schmutziger war als in Beijing.

Den Weltmarkt in den Blick zu nehmen, macht in jedem Fall Sinn: Feinstaub zählt laut WHO global zu den größten Gesundheitsrisiken. Mehr als 90 Prozent aller Menschen auf der Erde leiden laut einer neuen Studie unter Luftverschmutzung. An den Folgen sterben jährlich mehr als sechs Millionen Menschen.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP