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Stil

Banksy-Hotel in Bethlehem

"Der schlechteste Ausblick der Welt"

Der Streetart-Künstler Banksy hat ein Hotel in den Palästinensergebieten gestaltet. An den Wänden hängen Videokameras und Steinschleudern, als Portier dient ein Schimpanse.

AP
Freitag, 03.03.2017   20:13 Uhr

Wenn ein Hotel mit dem "schlechtesten Ausblick der Welt" wirbt, ist das entweder auf charmante Art ehrlich, ziemlich dumm oder die Fanfare für das neueste Werk des Künstlers Banksy: Ein Hotel in Bethlehem, direkt an der Mauer zu Israel.

Das abgeriegelte Hotel kann ab dem 11. März besichtigt werden. Von da an empfängt The Walled Off Hotel Gäste. Acht Zimmer und eine Präsidentensuite stehen dafür bereit. Preislich geht es ab 30 US-Dollar los. Highlight ist Zimmer Nummer drei, Banksy's Room. Hier hat der Künstler über dem Kingsizebett eines seiner Graffitis an die Zimmerwand gesprüht. Ein Palästinenser und ein Israeli bei einer Kissenschlacht.

Banksy habe außerdem die gesamte Inneneinrichtung gestaltet, sagte Wisam Salsaa bei der Vorstellung des Projekts. Der 42-Jährige ist das öffentliche Gesicht des Hotels, weil der Künstler bis heute unerkannt arbeitet. Am Eingang wartet auf die Besucher ein Schimpanse, zwar nur eine Portier-Attrappe, aber ein häufig wiederkehrendes Motiv in Banksys Werken.

Foto: AFP

Als Wandschmuck für das Restaurant wählte das Streetart-Phantom eine Reihe Videokameras, Steinschleudern und Vorschlaghammer. Kitschige Blumengemälde sperrt er hinter Gitterzäune, auf Ikonenbildern nimmt die Laserzielvorrichtung eines Scharfschützen Jesus ins Visier.

Museum im Hotel

In der 14-monatigen Umbauphase ist außerdem noch ein Museum mit Banksy-Werken entstanden. Das Wappen über dem Eingang erinnert an den Gentlemans Club aus der englischen Kolonialzeit, innen steht eine Figur Arthur James Balfurs. Mit seiner 1917 verfassten Balfour-Deklaration schaffte der damalige britische Außenminister die Basis für eine "nationale Heimstätte für das jüdische Volk" in Palästina.

Das Walled Off Hotel ist nicht die erste Arbeit Banksys in den Palästinensergebieten. Auf die Mauer zwischen Westbank und Israel malte er schon früher ein Mädchen, das von Ballons in die Höhe gezogen wird. 2016 schmuggelte er sich nach Gaza ein und hinterließ dort vier Wandgemälde.

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Besuch in Banksys "Dismaland":

Es ist auch nicht Banksys erste Arbeit, die explizit mit dem Motiv "Tourismus" spielt. 2015 hatte "Dismaland" für wenige Wochen geöffnet, Banksys düstere Version eines Vergnügungsparks. Werbeslogan für den Freizeitpark der fiesen Mäuse war damals: "Der glücklichste Ort auf Erden."

löw / AP

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