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Hausgemachte Fischstäbchen

La La Lachs

Es gibt haufenweise "falsche" Pfeffer auf dieser Welt, dabei würzen manche kulinarisch interessanter als die "echten". April April? Nein, unsere selbstgemachten Fischstäbchen beweisen es.

Peter Wagner
Von Hobbykoch
Samstag, 01.04.2017   08:30 Uhr

Keine Frage, es gibt jenseits dessen, was in vielen bundesdeutschen Haushalten aus dem Streuer mit dem einen Loch an traurigem grauen Pulver kommt, eine riesige Welt der pikanten Verführungen durch Gewürze aus den Regionen, in die man so manchen Zeitgenossen gerne hinschicken würde - wo der Pfeffer wächst: der schwarze Lampong aus Sumatra, der braune Malabar und der orangefarbene Tellicherry aus Südindien oder der rote Kampot aus Kambodscha, allesamt getrocknete Früchte von Pflanzen der großen Piperaceae-Familie.

Und doch finden sich auch in der botanischen Gruppe der so genannten "Falschen Pfeffer" extrem leckere und teilweise in der Schärfe sogar ebenbürtige Sorten wie der an Süßholz erinnernde Langpfeffer, der nach Nelken und Piment schmeckende Kubebenpfeffer aus Java oder der an der Zungenspitze britzelnde chinesische Szechuan.

Zum pikanten Aromatisieren unseres heutigen Rezeptes - wir kochen selbst gemachte Fischstäbchen mit Röstkartoffelsalat - benutzen wir mit dem Mönchspfeffer einen Vertreter dieser Gruppe. Ein Gewürz also, das nicht nicht mit Piperin schärft, sondern mit eigenen, meist Fett- und Alkohol-löslichen Stoffen wie Cubebin, Gingerol oder in unserem Fall Cineol. Kulinarisch bietet diese Gewürzgruppe eine mindestens so breite Aromenvielfalt wie der "echte" Pfeffer und sorgt damit für eine entdeckenswerte Auswahl raffinierter Würzungsoptionen.

Der Mönchspfeffer ist ein eher zart pikantisierender Vertreter aus großen Familie der Eisenkrautgewächse. Im Mittelalter, als Salz und vor allem echte Pfeffersorten aus den fernen Kontinenten für das einfache Volk schier unbezahlbar waren, machte dieses Gewürz eine erhebliche Karriere in Kirchenkreisen, die damals weitaus konsequenter als heute die Ausgeburten der Fleischeslust bei ihren Schäfchen unterbinden wollten. Unter den Bezeichnungen "Keuschlammsamen" oder "agnus castus" ("keusches Lamm") waren diese leicht im Mund prickelnden Trockenbeeren als angebliches Lustminderungsmittel in strengen Klöstern beliebt - aus dieser Zeit stammt auch der bis jetzt gebräuchliche Name.

Fotostrecke

Fischstäbchen mit Röstkartoffelsalat: So gelingt die Zubereitung

Pfeffer als Libidokiller

Interessanterweise ist die Wirkung einige der Inhaltsstoffe auf das Liebesleben mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen. Die spezielle Mischung aus Iridoid-Glukosiden, bizyklischen Diterpenen, Flavonoiden, Triglyceriden, Ölsäuren und Linolsäure sorgt demnach zwar in niedriger Dosierung für eine Drosselung der Testosteronproduktion beim Mann. Bei Frauen steigert es die Eisprung-unterbindende Wirkung des Hormons Prolaktin.

Bei höheren Dosierungen dreht sich das Bild allerdings völlig, was den Keuschheitsfanatikern offenbar entgangen war: Bei Männern steigt dann mit dem Testosteron plötzlich wieder die Spermaproduktion und der Geschlechtstrieb, bei Frauen erhöht der Prolaktin-Rückgang die Bildung von Östrogenen und dem Eisprung-fördernden FSH.

Kulinarisch machen solch hohe Dosen allerdings weniger Sinn. Hier ist der Mönchspfeffer überall gut dabei, wo auf edle, nicht zu spitze Weise geschärft und nicht zu heiß gegart wird, wie zum Beispiel unter der Panierungskruste von Fischfilets oder hellem Geflügelfleisch. Das Kaukasus-Gewächs ist oft auch Teil der arabischen Gewürzmischung Raz El Hanout.

Der Mönchspfeffer, von dem gleich drei Esslöffel unsere Fischstäbchen scharf machen, führt allerdings dazu, dass sich dieses Gericht für Kinder nicht so gut eignet. Und auch der Einsatz als Appetitanreger für romantische Kerzenlicht-Dinner will wohl überlegt sein.

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insgesamt 12 Beiträge
syldron 01.04.2017
1. Seltsame Überschrift
"La La Lachs" in Anlehnung an "La La Land" als Titel für einen Rezeptbeitrag, in dem nichtmal Lachs verarbeitet wird.
"La La Lachs" in Anlehnung an "La La Land" als Titel für einen Rezeptbeitrag, in dem nichtmal Lachs verarbeitet wird.
Beinlausi 01.04.2017
2. Ja, super.
Die botanische Gruppe der falschen Pfeffer. Ist die vergleichbar mit der zoologischen Gruppe der falschen Hasen? Kubebenpfeffer, Szechuanpfeffer und Mönchspfeffer haben genetisch jetzt mal nicht so die richtige Nähe. Wobei der [...]
Die botanische Gruppe der falschen Pfeffer. Ist die vergleichbar mit der zoologischen Gruppe der falschen Hasen? Kubebenpfeffer, Szechuanpfeffer und Mönchspfeffer haben genetisch jetzt mal nicht so die richtige Nähe. Wobei der Kubebenpfeffer wirklich zu den Piperaceae gehört und der Peruanische (Rosa Pfeffer) und der Szechuan immerhin zur gleichen Ordnung gezählt werden. Als Vergleich: Unsere Ordnung ist "Raubtiere". Also erst mal: Sachlich nicht so gut. Ich habe Bio übrigens in der Schule als einzige Naturwissenschaft abgewählt und das in ein paar Minuten online recherchiert. Wer (außer meiner Oma, 97 Jahre alt, kocht nicht mehr und hat wenig Kraft zur Bedienung einer Mühle) benutzt eigentlich dieses graue Pulver? Schon vor ca. 20 Jahren war selbst bei McD und Burger King schon geschroteter Pfeffer in den Portionsbeuteln. Und eine Familie ohne Pfeffermühle kenne ich mWn auch nicht. Selbst damals in der Hartz-IV-WG wurde der Discountschrott mit frischem Pfeffer gewürzt. Allerdings halten die Menschen in meinem Umfeld den Thermomix auch für ein Rollstuhlpedant: Wenn man kochen/laufen kann, braucht man das nicht. Aber Fähigkeiten werden eben gerne durch Markenartikel ersetzt. Allerdings habe ich arge Zweifel, dass hinter den vielen "Pfeffer"sorten viel mehr steht als die Kombination aus Profit- und Profilierungssucht. Allein schon, um 5 Peugeot(+x)-Mahlwerke in stylischer Aufmachung zu legitimieren. Aber ich kenne auch Leute, die nur Bitburger trinken (ohne aus der Gegend zu sein). Und das trotz https://presse.wdr.de/plounge/tv/wdr_fernsehen/2017/03/20170320_quarks_und_co_biertest.html Welcher Anteil der Kundschaft beim gepfefferten Blindtest den Unterschied erkennt, weiß ich nicht. Andererseits glauben die Meisten wahrscheinlich, den Unterschied zu erkennen. Placeboeffekte sind ja angenehm. Und dann ist da noch der Dunning-Kruger-Effekt. Ich denke, da liegt der falsche Hase im falschen Pfeffer.
schlaueralsschlau 01.04.2017
3. Sehr schön!
Letzte Woche war das Rezept für Pfeffersäcke, jetzt ein Rezept mit Pfeffer für den kleinen Geldsack. Ich werde mir morgen den Fisch und die Zutaten für die Panade besorgen! Die Fischstäbchen sehen echt gut aus! Ich hoffe der [...]
Letzte Woche war das Rezept für Pfeffersäcke, jetzt ein Rezept mit Pfeffer für den kleinen Geldsack. Ich werde mir morgen den Fisch und die Zutaten für die Panade besorgen! Die Fischstäbchen sehen echt gut aus! Ich hoffe der Autor ist jetzt nicht wegen der Kommentare über die Bilder auf Photoshop umgestiegen. Ich weiss noch nicht, ob ich mich von einem Salat mit Gurken und Kartoffeln überzeugen lassen kann, aber werde es definitiv ausprobieren. Herr Wagner, sollten Sie die Kommentare lesen, was ich annehme, eine Frage zu Ihren Weinempfehlungen: Bekommen Sie als Dank dafür einen Karton geschenkt? Wenn ja, dann habe ich kein! Problem damit, würde es aber aus Gründen der Transparenz für wünschenswert halten, darüber aufgeklärt zu werden.
karl-felix 01.04.2017
4. Würde
ich mir noch mal überlegen . In meinen Augen lohnt sich der Aufwand nicht. Wer Fischstäbchen will, soll fertige nehmen . Da spricht nichts gegen dann heißt das eben nicht mehr Fischstäbchen an Röstkartoffelsalat sondern [...]
Zitat von schlaueralsschlauLetzte Woche war das Rezept für Pfeffersäcke, jetzt ein Rezept mit Pfeffer für den kleinen Geldsack. Ich werde mir morgen den Fisch und die Zutaten für die Panade besorgen! Die Fischstäbchen sehen echt gut aus! Ich hoffe der Autor ist jetzt nicht wegen der Kommentare über die Bilder auf Photoshop umgestiegen. Ich weiss noch nicht, ob ich mich von einem Salat mit Gurken und Kartoffeln überzeugen lassen kann, aber werde es definitiv ausprobieren. Herr Wagner, sollten Sie die Kommentare lesen, was ich annehme, eine Frage zu Ihren Weinempfehlungen: Bekommen Sie als Dank dafür einen Karton geschenkt? Wenn ja, dann habe ich kein! Problem damit, würde es aber aus Gründen der Transparenz für wünschenswert halten, darüber aufgeklärt zu werden.
ich mir noch mal überlegen . In meinen Augen lohnt sich der Aufwand nicht. Wer Fischstäbchen will, soll fertige nehmen . Da spricht nichts gegen dann heißt das eben nicht mehr Fischstäbchen an Röstkartoffelsalat sondern einfach mit Bratkartoffelsalat . Ansonsten das Seelachsfilet panieren und gut ist es. Bratkartoffelsalat mit Gurke ist lecker, ich schneide gerne noch zwei Handvoll Rauke darunter( alternativ 1 Handvoll Löwenzahnblätter vor der Blüte) und ein paar Gewürzgürkchen/Cornichons . Trinken Sie als Wein dazu was schmeckt. Ein gutes Export ist auch was feines zu so einem rustikalen Gericht.
Miere 02.04.2017
5. Und wo kriegt man Mönchspfeffer her?
ch habe schon viele Pfeffersorten ausprobiert - langen, Kubeben-, Sechuan-, grünen (getrocknet, eingelegt), roten, Senegal-, Malaguetta-, und Rosa Beeren. Dass Langer Pfeffer auch nur im Geringsten an Süßholz erinnern würde [...]
ch habe schon viele Pfeffersorten ausprobiert - langen, Kubeben-, Sechuan-, grünen (getrocknet, eingelegt), roten, Senegal-, Malaguetta-, und Rosa Beeren. Dass Langer Pfeffer auch nur im Geringsten an Süßholz erinnern würde oder Kubebenpfeffer auch nur ganz entfernt an Nelken,das kann ich nicht nachvollziehen. Egal. Mönchspfeffer jedenfalls kenne ich noch nicht, und auch keinen Laden, der den anbietet. Für diejenigen, die das Zeug bekommen können, hätten Sie vielleicht erwähnen können, dass die Wikipedia Schwangeren rät, keinen Mönchspfeffer zu essen. Wenn man den Mönchspfeffer durch handelsüblichen ersetzt sieht das von der Geschmackskombination her brauchbar aus, nur kann ich dann genausogut fertige Fischstäbchen nehmen. Wobei: Man kann vermutlich auch über fertige Tiefkühl-Fischstäbchen Mönchspfeffer drüber bröseln, wenn es darum geht.

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