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Stil

Architekten der Moderne

Radikal anders

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Aufbruch in eine neue Zeit - auch in der Architektur. Die Bauten der klassischen Moderne sind bis heute stilprägend. Ein neuer Bildband stellt die schönsten vor.

Gestalten
Freitag, 02.06.2017   10:52 Uhr

Im 20. Jahrhundert änderte sich die Vorstellung darüber, wie wir leben wollen, radikal. Architekten waren mit die Ersten, die diesen Zeitgeist aufnahmen und versuchten, ihn Realität werden zu lassen. Häuser und Möbel waren ihre Bausteine für eine bessere Gesellschaft. Den in ihren Augen altbackenen Vorlieben der Mittelschicht setzten sie ihre Idee der Zukunft entgegen.

Auf den Jugendstil folgte ein vollkommen neues Architekturverständnis. Aus streng funktional angelegten Räumen sollten Orte werden, die den Menschen ein angenehmes Leben ermöglichen. Expressionismus, Bauhaus gipfelten in dem Mantra: Die Funktion bestimmt die Form. Ein weiterer wichtiger Baustein der Nachkriegsmoderne war die Technik. Gebäude wurden nicht nur von Grund auf anders entworfen, sondern auch mit allerlei Spielereien ausgestattet: Fahrbare Wände, bewegliche Dächer - alles schien möglich.

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Radikal anders: Bauen für eine bessere Welt

Die Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg fand sich in den offenen Grundrissen des Mid-Century Modern mit seinen flachen Dächern und freigelegten Stahl- und Holzkonstruktionen. Durch bodentiefe Fenster blickten die Menschen optimistisch in die Zukunft. Den Weg dorthin wiesen Architekten wie Charles Eames und Pierre Koenig mit ihren 22 Case Study Houses in Kalifornien. Die einflussreiche Musterhausreihe lieferte die Blaupause für Architekten in den USA und Europa.

Der Gestalten-Bildband "Inside Utopia" führt den Betrachter im Schnelldurchlauf durch die stilprägenden Baustile der frühen Fünfziger- bis in die Achtzigerjahre. Neben der Architektur wurde auch die Inneneinrichtung zum Ausdruck einer Sehnsucht nach einer besseren Welt. Deshalb werden auf den 304 Seiten zu jedem Bauwerk auch die zugehörigen Möbel präsentiert.

Im Kontrast zu den strengen, geometrischen Formen der Häuser standen die weichen, teils organisch anmutenden Entwürfe europäischer Innenarchitekten, die ganz offensichtlich vom Jugendstil und Barock inspiriert waren. In Frankreich sorgte das Designer-Paar François-Xavier und Claude Lalanne mit seiner Mischung aus Möbeln und Kunstobjekten für Aufsehen, in Italien schuf Carlo Mollino aus verschiedenen Stilrichtungen seine Antwort auf den Modernismus.

"Inside Utopia" wirft einen Blick auf phänomenale Bauten des 20. Jahrhunderts, stellt aber auch weniger bekannte Meisterwerke von Oscar Niemeyer, Le Corbusier und Eero Saarinen vor, die noch heute die Architektur beeinflussen.

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Gestalten:
Inside Utopia

Visionary Interiors and Futuristic Homes

Gestalten Verlag, 288 Seiten; 49,90 Euro

löw

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