Schrift:
Ansicht Home:
Stil

Fotografie von Testino, Newton und Pigozzi

Enthüllungsgeschichten

Kaum jemand hat Menschen so schön entkleidet wie Mario Testino und Helmut Newton. Eine Ausstellung in Berlin verbindet das Werk der beiden Starfotografen. Private Bilder von Promi-Poolpartys gibt es obendrauf.

Mario Testino
Donnerstag, 08.06.2017   12:51 Uhr

"Wir haben all unsere erotischen Fantasien über Fotoshootings umgesetzt", sagt Carine Roitfeld in dem Buch "Undressed" zum Fotografen Mario Testino. Die ehemalige Chefredakteurin der französischen "Vogue" kennt den gebürtigen Peruaner vor allem als Modefotografen, der allein für ihr Magazin mehr als tausend Fotos für Modestrecken und 66 Titelbilder geliefert hat, zuletzt mit Gigi Hadid für das Novemberheft.

Testino ist aber auch ein ausgezeichneter Porträtfotograf. Eine Auswahl seiner teilweise unveröffentlichten Studioporträts hat der 62-Jährige nun mit Mode- und Aktaufnahmen kombiniert, die alle eins gemeinsam haben: Sie zeigen schöne Menschen mit wenig bis gar nichts am Körper. Sexuelle Fantasien eben.

Das Motiv des Entkleidens ist der rote Faden in Testinos neuem Bildband "Undressed". Die 50 Aufnahmen zeigen Erotik, Mode und Anatomie. Die Bilder werden begleitet von einer Einleitung des Kurators Matthias Harder, dem eingangs erwähnten Gespräch mit Carine Roitfeld sowie einem Essay des Psychiaters und Psychologen Manfred Spitzer, der unsere visuelle Wahrnehmung von Körpern und Schönheit aus Sicht des Neurowissenschaftlers erläutert.

Für Spitzer verkümmerten unsere Sehgewohnheiten im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte "dahingehend, dass der menschliche Körper zu einem Objekt der Begierde verkümmerte, zu einer Ware, die ist und verbraucht werden wird". Daran hat auch der "porn chic" in Testinos Bildern seinen Anteil: Manche der abgebildeten Frauen und Männer hat er zu reinen Körperlandschaften abstrahiert, sie erscheinen als Torso oder in statuesker Anmutung.

Spiel mit Geschlechteridentitäten

Andere seiner Models dienten Testino für sein Spiel mit Geschlechteridentitäten. Lange bevor es in Mode war, ließ er Männer männlich und gleichzeitig weiblich aussehen. Testino glaubt nicht an den rein maskulinen Mann: "Ich denke, dass jeder, der sich in seiner Haut wohlfühlt, ob Mann oder Frau, ganz ungezwungen sowohl mit seiner weiblichen als auch seiner männlichen Seite umgehen kann."

Die Bilder aus dem Buch sind aktuell auch in einer Gemeinschaftsausstellung der Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie in Berlin zu sehen. Testinos Arbeiten werden ergänzt durch Originalabzüge aus Newtons Archiv und kleinformatige Schnappschüsse von Jean Pigozzi, die er am Pool seiner Villa in der Nähe von Cannes gemacht hat.

Testinos Besetzung reicht von Supermodels wie Kate Moss und Amber Valletta bis hin zu namenlosen androgynen Männern, Newtons Bilder liefern den bekannten voyeuristischen Blick, und der Kunstsammler und Hobby-Paparazzo Jean Pigozzi steuert private Aufnahmen von seinen Promipartys bei: Jack Nicholson, Mick Jagger und Bono, Liz Taylor und Naomi Campbell beim gemeinsamen Grillen und Chillen.

Anzeige
Mario Testino:
Undressed

Taschen; 144 Seiten; Englisch; 24,99 Euro.

löw

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP