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Stil

Stadtwohnung in Barcelona

Graziös in Gràcia

Wenig Platz, ein ungünstiger Grundriss und sehr wenig Tageslicht: Es gibt wahrlich bessere Bedingungen für Architekten. Umso erstaunlicher, was drei von ihnen aus einem alten Laden in Barcelona gemacht haben.

Adria Goula
Mittwoch, 02.08.2017   15:31 Uhr

Gràcia ist Barcelonas Szeneviertel mit Postkartenpotenzial. Mit seinen kleinen Balkons und alten Häusern wirkt der Stadtteil für viele wie ein Dorf inmitten der Eineinhalb-Millionen-Metropole. Tatsächlich wurde Gràcia erst 1897 eingemeindet. Hier, im sechsten Bezirk der Hauptstadt Kataloniens, haben die Architekten Claudia Raurell, Joan Astallé und Marc Peiró zwei getrennte Einheiten, eine Ladenfläche im Erdgeschoss und das Apartment darüber, zu einer zweistöckigen Wohnung verbunden.

Das Konzept der Architekten vom Studio RÄS beruht hauptsächlich auf einem zentralen Deckendurchbruch, der eine visuelle Verbindung zwischen den Stockwerken herstellte und Raum für eine Treppe schuf. Der Treppenaufgang ist zweigeteilt. So haben die Architekten einerseits die große Deckenhöhe im Erdgeschoss optisch verkleinert und die Fläche so gemütlicher gemacht. Gleichzeitig fungiert der mittlere Treppenabsatz als Raumtrenner zwischen dem Wohnbereich und der Küche im vorderen Teil.

Damit die Privaträume nicht unmittelbar an der Straße beginnen, wurde eine Art Windfang vor die Küchenzeile gesetzt. Aus dem ehemaligen Schaufenster wurde dadurch ein abgetrennter Raum. Dieser Bereich dient nun als halboffene Terrasse zur Straße hin. Neugierige Blicke werden durch einen Sichtschutz aus Holzpaneelen versperrt.

Von der Küche, einmal unter der Treppe durch, gelangt man in das Wohnzimmer mit angrenzendem Innenhof. Hier kommen die doppelte Deckenhöhe und das freigelegte Mauerwerk voll zur Geltung. Obwohl nicht viel Platz ist, wirkt der Bereich sehr geräumig.

Im ersten Stock liegen die Schlafzimmer, zwei nach hinten raus und das große nach vorn zur Straße. Der für die Treppe geschaffene Freiraum trennt die Schlafzimmer räumlich, eine kleine Galerie überbrückt die Lücke. Außerdem wurden im Obergeschoss zwei Badezimmer installiert, unten befindet sich nur eine Gästetoilette.

Wenig Platz, aber clevere Einbauten

Die Wohnung hat zwar 136 Quadratmeter, aber einen sehr schmalen Grundriss. Daraus resultierende Platzprobleme lösten die Architekten durch clevere Einbauten. So dient zum Beispiel das Treppenfundament als Sitzbank für den Esstisch, der unter den Stufen platziert wurde. Einbauschränke schaffen benötigten Stauraum.

Da das Haus zwischen zwei Gebäuden steht, blieben nur die Vorder- und Rückseite für Fenster. Die ungünstigen Lichtverhältnisse gleichen Oberlichter in den Räumen im ersten Stock aus. Über den rückwärtigen Innenhof und den gläsernen Windfang im vorderen Wohnungsteil gelangt zusätzliches Tageslicht ins Innere.

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden oder die einfach nicht von dieser Welt sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: La Diana, Barcelona, Spanien.

Fotostrecke

Rundgang durch La Diana: Klein, aber oho

Lage: Gràcia, Barcelona

Zimmerzahl: drei Schlafzimmer, offener Wohn-Essbereich, zwei Bäder

Garten: Statt eines Gartens gibt es einen gemütlichen Innenhof.

Extras: Neben dem Innenhof gibt es noch eine kleine, sichtgeschützte Terrasse zur Straße hin.

Stilfaktor: Claudia Raurell, Joan Astallé und Marc Peiró haben das Beste aus dieser Immobilie gemacht. Besonders das obere Stockwerk gewinnt ungemein durch die Durchbrüche in den Wänden und im Boden. Das freigelegte Mauerwerk in Verbindung mit den Terrakottafließen und dem Sichtbeton ergeben ein modernes mediterranes Ambiente.

Neidfaktor: Bei Immobilien kommt es auf drei Dinge an: die Lage, die Lage, die Lage. Passt dann auch noch die Optik wie bei dieser Wohnung, gibt es absolut keinen Grund, unzufrieden zu sein.

Wer fühlt sich hier wohl? Künstler, Kulturschaffende, Szenegänger und Kreative mit zwei Kindern

Unbedingt mitbringen: (Schicke) Fahrräder, viele der Straßen sind für Autos gesperrt. Wenige, aber dafür umso hochwertigere Möbel, um den überschaubaren Platz bestmöglich in Szene zu setzen.

Nachbarn: Gràcia ist Heimat einiger der berühmtesten Gebäude Spaniens, außerdem leben hier immer noch einige Arbeiter und Handwerker (wenn auch längst nicht mehr so viele wie vor der Zeit, als Gràcia hipp wurde).

Unterhalt: Das meiste Geld werden Sie vermutlich in den zahlreichen Bars und Restaurants in der Umgebung lassen.

Altersgerechtes Wohnen: Viel Sonne und nur 15 Stufen bis ins Schlafzimmer. Das sollte machbar sein.

Weitere Infos: Gibt es bei den Architekten von Studio RÄS.

löw

insgesamt 17 Beiträge
hcmc01 02.08.2017
1. schrecklich
ich weiß, dass Geschmack sehr unterschiedlich ist aber dieser totale Minimalismus gepaart mit 1000x gesehenem Industriedesign ist wirklich schrecklich hässlich, ungemütlich total unbewohnbar und wahrscheinlich auch noch [...]
ich weiß, dass Geschmack sehr unterschiedlich ist aber dieser totale Minimalismus gepaart mit 1000x gesehenem Industriedesign ist wirklich schrecklich hässlich, ungemütlich total unbewohnbar und wahrscheinlich auch noch schweineteuer. Ich wäre nie zu Hause.......und nein, ich bin kein Liebhaber des gelsenkirchener Barocks.
Humboldt 02.08.2017
2. Schön
Also mir gefällt's ! :-)
Also mir gefällt's ! :-)
janvanwerth 02.08.2017
3. Viel Lärm um nichts
ich versteh das Gedöns nicht, das der Verfasser um diesen Entwurf macht (ich bin selbst Architekt). Der Grundriss ist absoluter Standard für eine so geschnittene Wohnung. Über Details will ich nicht streiten--das ist halt der [...]
ich versteh das Gedöns nicht, das der Verfasser um diesen Entwurf macht (ich bin selbst Architekt). Der Grundriss ist absoluter Standard für eine so geschnittene Wohnung. Über Details will ich nicht streiten--das ist halt der Geschmack der Bauherren. Es erschließt sich mir allerdings nicht, wie sichtbarer Beton ein Schalfzimmer "wohnlich" machen soll.
spon-facebook-664504504 02.08.2017
4. Dürfte nicht als Wohnung genutzt werden.
Hallo, diese "Wohnung" dürfte gem. Verordnung in Barcelona nicht als Wohnraum benutzt werden. Jede Wohnung in Barcelona benötigt eine "Licencia de Habitabilidad", welches einer [...]
Hallo, diese "Wohnung" dürfte gem. Verordnung in Barcelona nicht als Wohnraum benutzt werden. Jede Wohnung in Barcelona benötigt eine "Licencia de Habitabilidad", welches einer "Wohnnutztungslizenz" enstpricht. Um die Spekulation von Immobilien, günstiger Ankauf von Lokalen und Umwandlung in Wohnfläche, welches eine enorme Steigerung des m2 Preises mit sich bringt, zu unterbinden, vergibt die Stadt Barcelona keine "Licencia de Habilitad" an Immobilien wie die im Artikeln beschrieben. Tolles Design, denke aber das die Nuztung als Wohnung nicht gestattet ist.
Fakler 02.08.2017
5. Gebäude in Spanien
"Gràcia ist Heimat einiger der berühmtesten Gebäude Spaniens, " - da such ich noch ne Erklaerung fuer die Aussage ... des weiteren ... also die Terrasse ist nicht so toll ...
"Gràcia ist Heimat einiger der berühmtesten Gebäude Spaniens, " - da such ich noch ne Erklaerung fuer die Aussage ... des weiteren ... also die Terrasse ist nicht so toll ...

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