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Stil

"Blooming Onions" aus den USA

Megafette Frittenzwiebeln

Auch nach Ferienende grillen wir munter weiter, müssen nun aber nicht mehr auf unser Bikinigewicht achten. Eine gute Gelegenheit, nach den wahren Kalorienbomben unter den BBQ-Beilagen zu suchen.

Peter Wagner
Von Hobbykoch
Samstag, 09.09.2017   09:14 Uhr

Antizyklisch nicht nur zu denken, sondern auch zu handeln oder gar zu kochen, ist noch immer in vielen intellektuellen Kreisen überall auf der Welt ein echter Meta-Trend. Für den Rest der Menschheit gibt es zum Glück immer wieder auch angemessene Gegenbewegungen. Wem zum Beispiel der Low-Carb-Blattsalat als sommerlich leichte Beilage zum nur ganz kurz angegrillten, superfettarmen Hühnerinnenfilet längst zum Halse heraushängt, sucht in diesen Tagen nach maximal mächtigen Beilagen für die handdicken Schwenknacken und fetten Ochsenkoteletts, die nun wieder gern gesehene Gäste auf den Glutrosten der Nation sind.

Und sofort lässt uns der Extraklecks Mayo im Nudelsalat, der brutzelnde Speck in den Bratkartoffeln oder die stilgerecht in literweise Rindernierenfett ausfrittierten Pommes das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch ist die Gemüsebeilage damit wirklich passé? Natürlich nicht, denn jetzt kommen die Aussies ins Spiel. Nicht die echten Australier, sondern die vier US-Amerikaner Chris Sullivan, Robert Basham, Tim Gannon und Trudy Cooper, die 1988 ihr erstes "Australien-inspiriertes" Restaurant "Outback Steakhouse" in Tampa/Florida eröffneten und inzwischen über 1.000 Franchiselokale in 23 Ländern quer über den Erdball betreiben.

Allerdings nicht hierzulande: Die Steakhauskette hatte Anfang des Jahrhunderts mit rigiden Abmahnpraktiken auch in Deutschland für Furore gesorgt, als die Eröffnung zweier Franchisefilialen im Ruhrgebiet von einer Welle juristischer Schritte gegen die Inhaber bestehender Steakhäuser begleitet wurde, die "Outback" im Kneipennamen verwendeten. Vor Gericht scheiterten die US-Anwälte in den meisten Fällen - und bevor die Fälle letztinstanzlich entschieden werden konnten, wurden die beiden 1998 und 2000 gegründeten "Outback"-Restaurants in "Arizona's" umgeflaggt und die Manager der Schweizer Betreibergesellschaft wegen Geldwäsche und Kapitalanlagebetrug verhaftet.

Fotostrecke

Fotostrecke: Blooming Onions

20.000 Kalorien über dem Meer

Egal, denn in allen anderen "Outbacks" steht ein weltberühmter Kaloriengranatensnack auf den Speisekarten, der uns als Inspiration für die heutige gleichnamige Grillgemüsebeilage "Blooming Onion" dient. Hierfür wird eine Gemüsezwiebel in Sechzehntel-Segmente angeschnitten, wie eine Blume aufgefächert und frittiert.

Obwohl das einen gestandenen Hobbykoch eher unterfordert, gibt es in den USA für über 50 Dollar die "Great American Steakhouse Onion Machine" zu kaufen, die ähnlich wie ein Apfelspalter den Schneidejob für messerungeübte Nachkocher erledigt. Je nach Zwiebelgröße und Entfettungserfolg nach dem Fettbad entschädigt uns so eine Zwiebelblume dann für die Vorarbeiten mit wunderbaren 1000 bis 1500 Kalorien pro Portion.

Damit ist aber - wie sollte es in den USA auch anders sein - noch längst nicht das Ende der Kalorienfahnenstange erreicht. Zum Beispiel werden diese Zwiebeln dort nicht nur im "Outback Steakhouse" gern nach dem Bestäuben mit der Gewürzmehlmischung vor dem Frittieren in einen Milch-Eier-Teig getunkt, der noch viel mehr von dem sprudelnden Fett aufsaugen kann. Das Produkt ist dann allerdings keine Beilage mehr, sondern Zentrum des Essens: Die größeren Segmente der von "Outback" dafür benutzten Riesenzwiebeln (ca. 400 Gramm pro Stück) lassen sich am Tisch mit den Fingern gut herausziehen und, ähnlich wie bei einer gekochten Artischocke, in diverse Dips tunken.

Immer noch nicht satt? Kein Problem. Nachdem die "Outback"-Kette letztes Jahr die auf 1.954 berechneten Kilokalorien der Standard-Frittierzwiebel mit einem reichlich darüber geworfenen Schmelzkäsetopping als "Loaded Bloomin' Onion" auf 2360 kcal hochgepresst hatten, setzte sie als Reaktion auf den damit marketingtechnisch geschickt provozierten Aufschrei der Ernährungsberater in diesem Frühjahr noch einen drauf: "3-Point Bloomin' Onion", etwa halb so groß wie ein Esstisch und mit "Aussie Cheese Fries" (Pommes mit Monterey Jack- und Cheddar-Käse plus haufenweise krosse Baconstückchen) auf den Zwiebelfritten - getoppt von einer gewaltigen Haube Sirloin-Steakwürfelchen.

Die Speisekarte empfiehlt augenzwinkernd, sich dieses 13-Dollar-Monster mit "mindestens sechs Freunden zu teilen". Aber hey, sind doch nur 3080 Kalorien. Und was esst Ihr?

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insgesamt 14 Beiträge
Sibylle1969 09.09.2017
1.
Allem Wissen zu gesunder Ernährung zum Trotz findet extrem kalorienreiches, fettiges Essen in Amerika problemlos seine Abnehmer. In den USA nach einer 80km-Fahrradtour waren wir sehr hungrig und bestellten im Restaurant eine [...]
Allem Wissen zu gesunder Ernährung zum Trotz findet extrem kalorienreiches, fettiges Essen in Amerika problemlos seine Abnehmer. In den USA nach einer 80km-Fahrradtour waren wir sehr hungrig und bestellten im Restaurant eine sogenannte Navajo-Pizza, sehr fettig, sehr kalorienreich. Der Kellner meinte, die Portion sei sehr groß, daher teilten wir uns eine Portion. Die haben wir dann nicht annähern geschafft. Gleichzeitig sahen wir, wie andere Gäste des Restaurants eine ganze Portion alleine vertilgt haben. Und die waren mit Sicherheit nicht wie wir vorher 80 km Fahrrad gefahren.
Newspeak 09.09.2017
2. ...
Ja, ich finde es auch absurd, dass Restaurantbetreiber das Mass dafuer verloren haben, was die Groesse eines normalen Essens ist. Ist aber hierzulande auch nicht viel anders. Im Kino muss man ja immer schon klein bestellen, um [...]
Ja, ich finde es auch absurd, dass Restaurantbetreiber das Mass dafuer verloren haben, was die Groesse eines normalen Essens ist. Ist aber hierzulande auch nicht viel anders. Im Kino muss man ja immer schon klein bestellen, um eine normale Portion von vor 20 Jahren zu bekommen. Das ist das Eine. Auf der anderen Seite verurteile ich aber keinen, der fettiges Fastfood mag. Es schmeckt nun mal geil. Gut gemachtes gesundes Essen kann auch extrem lecker schmecken, bloss findet man das selten. Die meisten Tipps fuer gesundes Essen produzieren etwas, das nicht einmal annaehernd so lecker ist. Und auch die Handhabung ist schwieriger, Gemuese gammelt schneller ab, Salat wird labbrig, knackiger Eisbergsalat schmeckt ohne fettes Dressing nach nichts. Es hat schon seine Gruende warum das eine angesagt ist, und das andere nicht so sehr. Und zu Wagner... "Obwohl das einen gestandenen Hobbykoch eher unterfordert," ...falsch. Einen Meisterkoch erkennt man daran, dass er auch die anscheinend einfachsten Taetigkeiten, perfekt beherrscht. Man muss nur das Resultat des Wagnerschen Frittierens mit einem Bild der Fastfoodkette vergleichen, um zu sehen, dass Wagner durch seine zur Schau gestellte Arroganz, eben genau das nicht ist. Seine frittierten Zwiebeln liegen labbrig fettgetraenkt und viel zu dunkel frittiert auf dem Brettchen, die der Fastfoodkette haben die Form der Zwiebelbluete behalten und sind goldbraun cross ausgebacken, auf den Punkt. Es stimmt, das Wagnersche Resultat habe ich als Hobbykoch auch schon so hinbekommen, aber ich halte mich deshalb nicht fuer so gut, eine Kolumne auf SPON zu schreiben.
pleromax 09.09.2017
3. Könnte nicht ein gnädiger Korrektor
Könnte nicht ein gnädiger Korrektor bei Peter Wagners Rezepten endlich mal das konsequent falsch geschriebene "á" in "à" verwandeln?
Könnte nicht ein gnädiger Korrektor bei Peter Wagners Rezepten endlich mal das konsequent falsch geschriebene "á" in "à" verwandeln?
Celegorm 09.09.2017
4.
Der Unterschied ist effektiv schockierend. Angesichts des Bildes dachte ich eher, dass hier eine Grillversion der Zwiebelblüte versucht wurde. Was angesichts des Kontextes ("Grillbeilage") ja wenn schon auch [...]
Zitat von NewspeakJa, ich finde es auch absurd, dass Restaurantbetreiber das Mass dafuer verloren haben, was die Groesse eines normalen Essens ist. Ist aber hierzulande auch nicht viel anders. Im Kino muss man ja immer schon klein bestellen, um eine normale Portion von vor 20 Jahren zu bekommen. Das ist das Eine. Auf der anderen Seite verurteile ich aber keinen, der fettiges Fastfood mag. Es schmeckt nun mal geil. Gut gemachtes gesundes Essen kann auch extrem lecker schmecken, bloss findet man das selten. Die meisten Tipps fuer gesundes Essen produzieren etwas, das nicht einmal annaehernd so lecker ist. Und auch die Handhabung ist schwieriger, Gemuese gammelt schneller ab, Salat wird labbrig, knackiger Eisbergsalat schmeckt ohne fettes Dressing nach nichts. Es hat schon seine Gruende warum das eine angesagt ist, und das andere nicht so sehr. Und zu Wagner... "Obwohl das einen gestandenen Hobbykoch eher unterfordert," ...falsch. Einen Meisterkoch erkennt man daran, dass er auch die anscheinend einfachsten Taetigkeiten, perfekt beherrscht. Man muss nur das Resultat des Wagnerschen Frittierens mit einem Bild der Fastfoodkette vergleichen, um zu sehen, dass Wagner durch seine zur Schau gestellte Arroganz, eben genau das nicht ist. Seine frittierten Zwiebeln liegen labbrig fettgetraenkt und viel zu dunkel frittiert auf dem Brettchen, die der Fastfoodkette haben die Form der Zwiebelbluete behalten und sind goldbraun cross ausgebacken, auf den Punkt. Es stimmt, das Wagnersche Resultat habe ich als Hobbykoch auch schon so hinbekommen, aber ich halte mich deshalb nicht fuer so gut, eine Kolumne auf SPON zu schreiben.
Der Unterschied ist effektiv schockierend. Angesichts des Bildes dachte ich eher, dass hier eine Grillversion der Zwiebelblüte versucht wurde. Was angesichts des Kontextes ("Grillbeilage") ja wenn schon auch plausibler gewesen wäre, schon nur weil es als Hobbykoch ja nicht sehr praktisch ist, noch nebenbei zu frittieren, wenn man schon den Grill anwirft. So oder so, für das Ergebnis kann man sich m.E. das Frittieren bzw. den ganzen stilistischen Aufwand gleich sparen. Zumal man ja als "gestandener Hobbykoch" sowieso wissen müsste, dass Frittiertes aus der heimischen Küche kaum je mit auch nur mittelmässigen Erzeugnissen aus Profi-Küchen mithalten können, ganz einfach weil da meist die notwendige Ausrüstung fehlt. Die eigenen (technischen) Grenzen zu kennen, ist ja auch eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit.
manfred_hirschhausen 09.09.2017
5. Cool...
... also diese Variante kannte ich bisher noch gar nicht und die Idee an sich, ist auch nicht schlecht und würde es auch nachmachen aber erst nach dem ich es gegoogelt hatte. :) Wenn man sich die Bilder auf Google anschaut dann [...]
... also diese Variante kannte ich bisher noch gar nicht und die Idee an sich, ist auch nicht schlecht und würde es auch nachmachen aber erst nach dem ich es gegoogelt hatte. :) Wenn man sich die Bilder auf Google anschaut dann sind da Welten zwischen. Ich glaube ihre Variante ist eher nicht so geeignet, da kann ich die Zwiebeln auch einfach so anbraten. Ich denke, dass Wichtigste ist, dass man es mit Ei zubereitet und die Zwiebel vernünftig "paniert", ansonsten hat man so ein schlechtes Ergebnis wie in diesem Rezept. Danke auf jeden Fall für diese Idee, ich werde es mal nachmachen aber nicht nach ihrer Variante. Sie haben auf jeden Fall Mut solch ein Bild zu veröffentlichen. In Internet Foren würde man sie mit sowas hier zwar als Troll abstempeln aber ich verfolge ihre Beiträge ja schon länger :)
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