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Stil

New York Fashion Week

Oben Haut, unten Glitzerhöschen

Heidi Klum macht's mit Lidl, Tom Ford bringt die Neunziger zurück, Calvin Klein setzt auf Folklore: Das bringt die New York Fashion Week.

AFP
Von
Samstag, 09.09.2017   18:29 Uhr

Ein wenig kürzer als sonst und mit einigen Lücken in den Reihen der Designernamen geht die diesjährige Septemberausgabe der New Yorker Fashion Week an den Start. Bis zum 13. September nutzen Dutzende Modeschöpfer die angesagten Clubs, Off-Locations und Showrooms in Manhattan und Brooklyn als Plattform für ihre Frühjahrs- und Sommerkollektionen 2018.

Häuser wie Rodarte, Proenza Schouler oder Altuzarra sind in diesem Jahr nicht dabei. Sie führen in Paris vor, während sich Tommy Hilfiger für London entschied. Deshalb fällt die Fashion Week auch einen Tag kürzer aus. Allerdings gab es inmitten dieser Abgänge auch ein Wiedersehen: Tom Ford is back in town. Für seine Rückkehr auf die viertgrößte Modenschau der Welt verwandelte er das Kulturcenter Park Avenue Armory in einen glamourösen Modetempel. Dort zeigte er einen Tag vor der offiziellen Eröffnung, dass er von Mode immer noch mehr versteht als vom Filmemachen.

Im ersten Durchgang trugen seine Models eher lässige Kleidung oder zumindest das, was Tom Ford darunter versteht: Bodys mit tiefen Dekolletés und hohen Beinausschnitten, darüber weite, tiefsitzende Hosen aus Satin und Leder kombiniert mit schimmernden Blousons oder kantigen Blazern. Alles sehr viel bunter als im vergangenen Jahr, als seine Frühjahrskollektion zwar auch sehr schick, aber auch sehr schwarz war.

Auf die Tages- folgte die Abendgarderobe, angeführt von Supermodel Gigi Hadid. Elegante Kleider in hellen Farben, hauteng und teilweise gerafft. Außerdem Tops, die kaum über den Po reichen. Praktischerweise gibt es dazu passende Glitzerhöschen. Damit können Oberteile auch als Superminikleider getragen werden. Zum Power Dressing hat Tom Ford ein Smoking Jacket und einen Zweireiher mit spitzem Revers und schmaler Taille im Angebot. Äußerst cool.

Die Ford-Show war auch ein großer Promimagnet. Von Kim Kardishian West, Juliane Moore, Liev Schreiber, Chaka Khan, Ciara und so weiter und so Crawford. Deren Tochter, Kaia Gerber, gab an dem Abend ihr Runway-Debüt. Kein Wunder, dass der Eröffnungssong David Bowies "Fame" war. Der Meister selbst sagte hinterher, ihm sei es beim Entwerfen um das Lebensgefühl der Neunziger gegangen. "Die Energie, die meine Kollektionen damals bei Gucci hatten." Keine Frage, das ist ihm gelungen.

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Frühjahrsmode für 2018: Gummi-Cowboys aus den Neunzigern

Mit Spannung erwartet wurde auch die neue Mode von Calvin Klein. Chefdesigner Raf Simons und seine rechte Hand Pieter Mulier hatten schon im Februar gezeigt, dass sie verstanden haben, was diese uramerikanische Marke braucht. Die Frage war, ob ihnen das ein zweites Mal gelingen würde. Ist es. Simons und Mulier zitieren diesmal das amerikanische Kino, Andy Warhol und, in Form von Poms Poms, den Nationalsport Football und die High School. Das ganze überschrieben sie mit "American horror, American dreams".

Blut und Gummi bei Raf Simons

Wie das aussieht? Bunte Rodeo-Outfits, Jeans-Kombis bedruckt mit Warhol-Prints, alles zu tragen mit Cowboystiefeln. Simons und Mulier bleiben also dem bereits zu ihrem Einstand gezeigten Cowboylook treu. Interessanter, aber auch verstörender sind die gummierten Teile. Die gab es auch schon zu Simons Premiere im Februar, allerdings nehmen sie nun mehr Raum ein. Kleider, Mäntel, Capes, Röcke, Shirts - allem hat Simons einen Fetischüberzug verpasst. So viel Latex muss man tragen wollen und mögen, gerade in der warmen Jahreszeit.

Die Deko kam wieder von Sterling Ruby, seit mehreren Jahren eine künstlerische Inspiration für Simons. Für ihre zweite Schau in New York wählte der Künstler Eimer und Äxte, die er an die Decke hängte. Ja, richtig gelesen. Beides sind Anspielungen auf Stephen-King-Verfilmungen. Die Eimer stehen für die Blutdusche in "Carrie", die Werkzeuge für den Axt schwingenden Jack Nicholson in "The Shining" ("Hier ist Jacky!"). Passenderweise wurden einige Oberteile mit an Blutspritzer erinnernden roten Farbtupfern versehen. Raf Simons hat eine Vision, sie ist düster.

Und sonst?

Fazit: Einige bekannte Namen mögen fehlen, aber der Auftakt der New Yorker Fashion Week hat gezeigt, der Blick über den Atlantik lohnt in Sachen Mode noch immer.

mit Material von dpa / AP

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