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Stil

"Happy-Bowl mit Lachs-Tataki"

Eine runde Sache

Der Trend, Speisen nur noch aus einer Schüssel zu essen, muss nicht zu schusseligen Ergebnissen führen. Dieses Rezept für Lachs mit Yakitori-Sauce und japanischem Gewürzpulver macht Bowler glücklich.

Peter Wagner
Von Hobbykoch
Samstag, 16.09.2017   13:58 Uhr

Wenige Foodtrends dieses Jahres sind so hartnäckig wie der Spleen, plötzlich hippes Essen aus Schüsseln aller Art löffeln zu wollen. Wobei die Gefäße in diesem Fall nicht Schüsseln genannt werden, nein, Experten sprechen von "Buddha Bowls". Das klingt asiatisch und damit für viele nach Glück. Eigentlich kommt diese Mode aber aus den USA, wo sie sich bekanntlich auskennen in der Kunst, Dinge und Lebensstile verheißungsvoll zu benennen. "Buddha Bowls" sind also der Foodtrend 2017. Dementsprechend viele Kochbücher über das Buddhabowling finden in diesen Monaten ihren Weg in den Handel.

Nicht alle davon sind schlecht, keineswegs, doch keines ist so unbrauchbar wie ausgerechnet das "Buddha Bowls" getaufte Werk der Karlsruher Foodbloggerin Annelina Waller, die für gerade mal 50 Rezepte sage und schreibe 160 Buchseiten braucht. Nicht, weil die Speisen so raffiniert sind, sondern weil so viele atmosphärisch wirken wollende Fotos, die die Autorin auf ihrer Forschungsreise durch das kalifornische Mutterland des Bowl-Fimmels zeigen, eingeschoben sind.

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Annelina Waller:
Buddha Bowls

Eine Schüssel voller Glück

Callwey; 160 Seiten; 20 Euro

Leider werden dadurch die eigentlichen Bowl-Inhalte nicht wertiger, denn Waller macht den in diesem Genre gern begangenen Fehler, planlos alles Mögliche, was irgendwie nach - wir begrüßen den zweiten Trend - "Superfood" aussieht, in eine Schüssel zu schusseln. Typisches Beispiel: fünf farblich verschiedene Rettich- und Bete-Sorten mit Sprossen, Erdnüssen und glibbrigen Glasnudeln, alles zusammen ohne die nötigen liquiden Verbindungskomponenten - und dann auf dem Foto auch noch mit Stäbchen dekoriert. An so einem Gematsche freut sich nur noch die Hemdenreinigung nach den vergeblichen Versuchen, diesen Quatsch mit hashi essen zu wollen.

Zum Glück gibt es auch ein paar Bowl-Bücher, die nicht überall einen Sprung in der Schüssel zu haben scheinen. Der Kochbuch-Profi Martin Kintrup zum Beispiel schafft trotz des auch hier hirnerweichenden Titels "Just delicious - Super Bowls: Die Schüsseln zum Glück" auf weniger als der Hälfte der Waller-Seiten 48 Bowls zu rezeptieren, von denen selbst notorische Mehrschüsselesser locker zwei Drittel sofort in den Napf gelegt haben möchten.

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Martin Kintrup:
Super Bowls

Die Schüsseln zum Glück

ZS-Verlag; 60 Seiten; 9,99 Euro

Hype-Samen von Hanf bis Chia kommen in diesem perfekten kleinen Einstieg ins Bowl-Thema nur am Rande vor, dafür auch mal Fleisch, Fisch oder Eier als Proteinquellen. Jedes Rezept ist erwähnenswert knackig fotografiert, übersichtlich und illustrativ erläutert - und etliche Saucen, Dips und Chutneys bewahren den Mund vor buddhistischer Austrocknung.

So weit lässt es die schwedische Designerin, Fotografin und Artdirektorin Nina Olsson, die in Amsterdam die auf Food-Themen spezialisierte Agentur Nourish Atelier betreibt, erst gar nicht kommen: Ihr 192-Seiten-Buch "Vegetarische Bowls - Schüsseln zum Glück" strotzt nur so von Opulenz und Saftigkeit. Hier gibt es Bowls für jede Gelegenheit von Frühstück über Suppe, Salate, Hauptmahlzeiten (auch für kalte Tage) und Desserts. Alles modern-matt und appetitanregend (von Olsson selbst) fotografiert.

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Nina Olsson:
Vegetarische Bowls

Schüsseln zum Glück

edel; 192 Seiten; 19,95 Euro

Die größte Stärke des Buches aber ist seine undogmatische Internationalität: Eine leckere Variante des arabischen Eierfrühstücks Schakschuka steht hier völlig selbstverständlich neben einer japanischen Soba-Suppe, Cesar- und Thai-Salaten, Mezze, italienischer Farro-Schüssel (Emmer), indonesischem Gado-Gado-Kokosreis, indischem Korma, einer marokkanischen Auberginen-Tajine und einem Birnen-Dessert nach Chai-Art. Und am Ende wundert man sich, dass tatsächlich alles komplett ohne Fleisch und Fisch kulinarisch sinnvoll funktioniert.

Ähnlich unbefangen ist die Zutatenkombination unseres heutigen Rezeptes "Happy-Bowl mit Lachs-Tataki": Mango und Avocado sorgen für Süße und Cremigkeit, Zwiebeln und Chili für Schärfe, Gurken und Radieschen für knackige Texturen, der nach Tataki-Art marinierte und ultrakurz gebratene Lachs liefert Proteine, und die gerösteten Kichererbsen geben eine solide Grundlage.

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insgesamt 13 Beiträge
widower+2 16.09.2017
1. Neuer Rekord
29 Zutaten dürfte selbst Wagner bisher noch nicht geschafft haben. Davon die meisten, die man nicht mal eben so hat, sondern sich mittels einer längeren Rundreise per Auto erst beschaffen muss. Wirklich neu ist dann für mich, [...]
29 Zutaten dürfte selbst Wagner bisher noch nicht geschafft haben. Davon die meisten, die man nicht mal eben so hat, sondern sich mittels einer längeren Rundreise per Auto erst beschaffen muss. Wirklich neu ist dann für mich, dass es sogar geröstete Öle gibt. Sollte ich ungeröstetes Sesamöl haben und möchte das rösten, wie darf ich mir das vorstellen?
doceddi 16.09.2017
2. Tgarashi?
was ist das? google kennt es nicht
was ist das? google kennt es nicht
Newspeak 16.09.2017
3. ...
"Leider werden dadurch die eigentlichen Bowl-Inhalte nicht wertiger, denn Waller macht den in diesem Genre gern begangenen Fehler, planlos alles Mögliche, was irgendwie nach - wir begrüßen den zweiten Trend - [...]
"Leider werden dadurch die eigentlichen Bowl-Inhalte nicht wertiger, denn Waller macht den in diesem Genre gern begangenen Fehler, planlos alles Mögliche, was irgendwie nach - wir begrüßen den zweiten Trend - "Superfood" aussieht, in eine Schüssel zu schusseln. Typisches Beispiel: fünf farblich verschiedene Rettich- und Bete-Sorten mit Sprossen, Erdnüssen und glibbrigen Glasnudeln, alles zusammen ohne die nötigen liquiden Verbindungskomponenten - und dann auf dem Foto auch noch mit Stäbchen dekoriert. An so einem Gematsche freut sich nur noch die Hemdenreinigung nach den vergeblichen Versuchen, diesen Quatsch mit hashi essen zu wollen." Liest sich, als ob Wagner hier Selbstkritik betreibt. Den Balken im eigenen Auge nicht sehen, aber den Splitter im Anderen? Ansonsten muss man Wagner aber fairerweise auch mal loben. Ich finde das Anrichten ist im heute gut gelungen. Die Schuessel sieht echt lecker aus.
niedel 16.09.2017
4. Zu 2.
Ich glaube, er meint Togarashi, auch als Shishimi bekannt. Bis auf das habe ich alle Zutaten zuhause, und japanischebGewützmischung hört sich gut an. Werd mich mal dran versuchen.
Ich glaube, er meint Togarashi, auch als Shishimi bekannt. Bis auf das habe ich alle Zutaten zuhause, und japanischebGewützmischung hört sich gut an. Werd mich mal dran versuchen.
FrieFie 16.09.2017
5.
Sieht für mich aus, als hätte man ziemlich wahllos alle Reste aus dem Kühlschrank verwertet, frischer Ingwer und Knoblauch waren aber aus. Frische Kräuter hat Wagner sowieso nur selten, dafür kann man auf rohen Zwiebeln und [...]
Sieht für mich aus, als hätte man ziemlich wahllos alle Reste aus dem Kühlschrank verwertet, frischer Ingwer und Knoblauch waren aber aus. Frische Kräuter hat Wagner sowieso nur selten, dafür kann man auf rohen Zwiebeln und Chili kauen... wenigstens bleibt einem nichts zwischen den Zähnen stecken, außer Gurkenschale und Sesamkörner. ;) Erstaunlich, mit welcher Konsequenz Wagner sowas wie Jahres- und Erntezeiten ignoriert (bis auf die Gartengurke): kaum dass es kühl wird, gibt es Rohkost-Salat. Wenigstens ist das Gericht optisch ansprechender als das Desaster der vorigen Woche.
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