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Wohntrend

Schön baden gehen

Das Badezimmer wird zum privaten Wellnessbereich, in dem gestresste Menschen Ruhe suchen. Ein neuer Bildband liefert nun Inspiration für das Spa in den eigenen vier Wänden. Tauchen Sie ein!

Anne-Marie Campagnolo/ Jesse Bennett Studio/ Foto: Sean Fennessy/ Gestalten

Schäumen vor Bäumen

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Montag, 02.10.2017   03:41 Uhr

"Jedes Bad ist eine leibliche Wiedergeburt", soll der Grieche Demokrit philosophiert haben. Auch die Römer wussten das Bad noch zu schätzen. Doch danach geriet das Ritual mehr und mehr zur lästigen Nebensache. Zwischenzeitlich galten Wasser und Seife gar als des Teufels, selbst Ärzte rieten davon ab. Der Hofstaat in Versailles verfügte zwar über 1300 Zimmer, aber kein einziges Bad.

Das war im 20. Jahrhundert schon anders. Viele Menschen hatten ein privates Badezimmer, der Raum war aber eher ein funktionaler. Rein, waschen, raus. Zeit ist Geld und so. Heute haben wir gefühlt noch weniger Stunden für uns, wollen aber umso mehr davon im Bad verbringen. Inzwischen ist es zum heimischen Wellnesstempel geworden: der Duschkopf hat mehr Knöpfe als die Fernbedienung, an der Wanne stehen Duftkerzen neben allerlei Ölen und Tinkturen.

Diesem intimsten aller Rückzugs- und Erholungsräume hat der Gestalten-Verlag nun ein ganzes Buch gewidmet: "Baden Baden - Im Badezimmer zu Hause" möchte auf zahlreichen Fotos die komplette Bandbreite modernen Badezimmerdesigns abbilden. Die 256 Seiten sind unterteilt in vier Kapitel, die je einem Baustoff gewidmet sind: Fliesen, Stein, Holz und Metall.

Fotostrecke

Fotostrecke: Moderne Badezimmerdesigns

In Kapitel eins erfährt der Leser etwa, dass es längst nicht mehr nur weiße Keramikfliesen gibt. Gut, dass dürfte sich spätestens seit den orange und dunkelgrünen Badezimmeralbträumen der Sechziger herumgesprochen haben. Weniger bekannt sind aber vielleicht Hightech-Fliesen, die sich mit jedem beliebigen Motiv bedrucken lassen, oder Puzzlefliesen, mit denen begabte Badezimmerwandbesitzer selbst eigene Muster legen können.

Handglasierte Fliesen aus Lavastein

Ein ganz besonderer Luxus sind die handglasierten Fliesen aus gehärteter Lava des Ätna, die die Unternehmerin NanaKi Bonfils in Sizilien bis zu zehn Tage in einem Ofen brennen lässt, damit sie das richtige Aussehen haben. Bonfils ist eine von mehreren Designerinnen und Designern, die an den passenden Stellen im Buch in kurzen Porträts vorgestellt werden.

Ähnlich schlauer geht hervor, wer in die Kapitel zu Stein oder Holz eintaucht. Denn ob glatt oder rau, ohne Steine geht nichts am Bau. Bei den Gesteinen steht viel über die Vorzüge von Kunststein gegenüber seinem natürlichen Vorbild. Oder wer weiß schon, dass das Hinokiholz japanischer Ofuro-Badewannen ätherische Öle enthält, die beruhigend wirken - oder dass es Ofuro-Badewannen gibt?

Einzig der Teil zum Thema Metall enttäuscht ein wenig. Hinterher weiß der Leser ein wenig über den Wandel der Wannen im Laufe der Zeit: erst aus Kupfer und Zinn, später aus Gusseisen mit Emaille-Überzug, dann Porzellan. Heute ist das Gefäß für unseren erholungsbedürftigen Körper meist aus Stahl-Emaille. Das war es dann aber im Großen und Ganzen. Immerhin enthält der Schlussteil aber immer noch genügend schöne Bilder, die bis zum Ende des Buches tragen.

Alles in allem eine nette Inspirationsquelle, die sich gut studieren lässt. Zum Beispiel in der Badewanne.

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Gestalten:
Baden, Baden!

Im Badezimmer zu Hause

Die Gestalten Verlag; 256 Seiten; 39,90 Euro

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