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Stil

Berlin Fashion Week

Sieht jut aus

Fashion Week in Berlin. Der erste Tag startete mit Shows in U-Bahnhöfen und einer beeindruckenden Nachwuchsschau - und der Farbe Grün.

Alexander Koerner/ Getty Images
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Mittwoch, 17.01.2018   18:53 Uhr

Frühmorgens stehen Hunderte Menschen in Berlin-Kreuzberg Schlange vor dem "Overkill"-Laden, manche seit Tagen. Flankiert von Journalisten und Polizei warten sie hier nicht auf Einlass zu einer der zahlreichen Fashion Week-Modenschauen. Nein, hier geht es um einen Turnschuh, den die Berliner Verkehrsbetriebe zusammen mit Adidas auf den Markt bringen - klugerweise zum Start der Modewoche.

Wer den EQT Support 93/Berlin anhat, fährt kostenlos U-Bahn und Bus, auf der Zunge des Schuhs ist ein Jahresticket eingenäht. Es ist aber vor allem die limitierte Auflage, wegen der die Menschen trotz Minusgraden im Regen ausharren, bis die 500 Exemplare verkauft werden. Die Berliner Modewoche hat ihren ersten kleinen Medienhype, bevor sie überhaupt richtig gestartet ist.

Den offiziellen Beginn zum Schauen-Marathon macht dann wenige Stunden später Ivan Mandzukic im E-Werk, dem neuen Veranstaltungsort des Hauptsponsors Mercedes-Benz. Die Models schreiten langsam zu Industrialklängen über den weißen Laufsteg. Der Berliner Designer zeigt mit seinem Label IVANMAN eine bunte Herrenkollektion. Grasgrün ist die zentrale Farbe. Hosen, Pullover, Anoraks und Mäntel hat Mandzukic in der Farbe gestaltet, teilweise mit bunten Blümchenapplikationen am Bund oder Kragen. Für Kontraste sorgen Taschen aus Lackleder in Rot und Gelb.

Wer es pünktlich zur nächsten Show des Tages schaffen möchte, darf sich nicht so langsam bewegen wie die Models bei Ivanman. Für elf Uhr hat Strenesse zur Vorführung seiner neuen Herbstware ins Brandenburger Tor Museum geladen. Das Motto lautet "The future is female". Das Unternehmen aus dem schwäbischen Nördlingen übersetzt das in klassische Mäntel und sportliche Jacken, Samt und Flanell sorgen für einen luxuriösen Look. Die Hosenanzüge aus Cord oder mit Karomuster werden modern kombiniert zum Rollkragenpullover unterm Hemd.

Wer nicht pünktlich am Brandenburger Tor war, hat aber auch kein Problem. Die Strenesse-Show wird die nächsten zwei Stunden alle 20 Minuten wiederholt. Zeit zum Ausruhen ist aber trotzdem nicht, der Tagesplan ist eng getaktet. Die angereisten Journalisten, Einkäufer, Influencer, und solche, die es werden wollen, müssen sich nun entscheiden zwischen der Eröffnung des Berliner Salons im Kronprinzenpalais und Ewa Herzog auf dem Mercedes-Laufsteg.

Nachwuchsschau im Kronprinzenpalais.

Die Berlinerin ist bekannt für einen sexy Stil, auch ihre neuen Kleider sind an vielen Stellen transparent, die Röcke kurz. Das ist für den Herbst eigentlich zu kalt, aber schön anzusehen. Spannender ist jedoch die Gruppenausstellung im Kronprinzenpalais, etablierte Marken (unter anderem lala Berlin, Talbot Runhof, Rianna+Nina, ODEEH) und junge Talente aus dem deutschsprachigen Raum zeigen hier ihre neuesten Kreationen. Das Konzept der Ausstellung wurde in diesem Jahr neben Modedesign erstmals um Fotografien und Designobjekte erweitert.

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Berlin Fashion Week: Mode-Marathon in der Hauptstadt

Besonders interessant ist der "Vogue"-Salon im dritten Stock. Auf Stäbchenparkett dürfen hier ausgewählte Nachwuchsdesigner Auszüge ihrer Arbeit zeigen und wichtige Kontakte knüpfen. Zum Beispiel mit der Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), die sich von Gastgeberin Christiane Arp durch die Räume führen lässt und naturgemäß ein Interesse daran haben müsste, dass die deutsche Modeindustrie auch in Zukunft gute Umsatzbringer hat.

Mögliche Kandidaten dafür sind in diesem Jahr: Working Title (moderne Klassiker und eine japanisch inspirierte Edition, alles komplett kunststofffrei und nachhaltig), Patrick Mohr (mit handgefertigten Veloursledersneakern in Orange oder Violett), Nhu Duong (die gekonnt verschiedene Modestile mixt und unter anderem ein geflochtenes Tüllkleid neben einem handgebleichten Hoodie präsentiert), Odély Teboul (die sich bereits als Teil des Labels Augustin Teboul einen Namen gemacht hat) und das Berliner Duo Valeska Duetsch und Fiona Bansal (exzellent gearbeitete feminine Entwürfe, deren Farben an französische Mode aus den Siebzigern erinnert, besonders schön ein Samteinteiler in leuchtendem Orange).

Der Abend gehört dann wieder den alten Hasen. Dorothee Schumacher, seit 1989 im Geschäft, zeigt und feiert mit ihren Gästen im "Secret Garden", und für Marc Cain wurde kurzerhand die U-Bahnstation Potsdamer Platz in einen Runway verwandelt und in eineinhalb Tagen von Graffitikünstlern verschönert. Die Entwürfe sind nicht ganz so wild und laut wie die Kulisse, doch das ist vermutlich der Grund, warum das Label mittlerweile in fast 200 Ländern verkauft wird.

Ein gutes Geschäft dürften auch die ausdauernden Sneakers-Käufer aus Kreuzberg machen. Nachts waren die ersten Exemplare des ursprünglich 180 Euro teuren BVG-Turnschuhs schon längst bei Ebay inseriert - zu Preisen zwischen 500 und mehr als 3000 Euro.

mit Material von DPA

insgesamt 1 Beitrag
fletcherfahrer 20.01.2018
1. Warum um alles in der Welt...
...ziehen die meisten Models (männlich wie weiblich) eine Fresse als ob sie auf den Laufsteg geprügelt werden?
...ziehen die meisten Models (männlich wie weiblich) eine Fresse als ob sie auf den Laufsteg geprügelt werden?

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