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Stil

Wilde Partys und Fotos

Sehr erotisch, aber teilweise auch gruselig

Mert Alas und Marcus Piggott machen Musikerinnen und Models noch schöner. Mit seinen Bilderwelten gehört das Liebespaar zu den besten Modefotografen des 21. Jahrhunderts - nur bei Männerakten zeigen sie sich geizig.

Mert Alas & Marcus Piggott
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Dienstag, 07.08.2018   06:58 Uhr

Mert Alas und Marcus Piggott sind vor allem für zwei Dinge bekannt: wilde Partys und Fotos. Weil sie beides gerne und gut machen, gehören sie längst zu den bekanntesten Modefotografen des 21. Jahrhunderts. "Wir haben in den frühen Neunzigerjahren in Clubs getanzt und unsere Clique in lustigen Posen fotografiert. Und plötzlich wollte das Magazin 'Dazed & Confused' unsere Bilder", sagte Mert Alas einmal dem österreichischen Kurier über ihre Anfänge in London, wo er und sein Partner sich kennen und lieben lernten.

Das ist inzwischen mehr als zwanzig Jahre her. Seitdem vergrößert das Fotografenduo den Bilderschatz der Modewelt. Denn obwohl sie anfangs hauptsächlich Porträts und Nacktaufnahmen machten, verdienen sie ihr Geld seit zwanzig Jahren mit Material für die Hochglanzseiten von "Vogue" und dergleichen: fantastische Bilder starker Frauen, oft in einer düsteren Ästhetik, sehr erotisch, aber teilweise auch ein wenig gruselig.

Fotostrecke

Fotostrecke: "Frauen mit Signalwirkung"

Knapp 300 ihrer liebsten Bilder veröffentlichten die Virtuosen der Bildnachbearbeitung vergangenes Jahr bei Taschen. Weil die limitierte XXL-Ausgabe für 2000 Euro allerdings ein äußerst exklusives Vergnügen war, legt der Verlag nun mit einem Nachdruck in kleinerem Format nach. Es ist das erste Buch nur mit Bildern der Marke "Mert & Marcus", als die der Türke Alas und der Waliser Piggott berühmt sind. Neben Musikerinnen (Madonna, Lady Gaga, Rihanna, Beth Ditto) und Schauspielerinnen (Scarlett Johansson, Angelina Jolie, Chloë Grace Moretz) sind vor allem Models zu sehen, allen voran Kate Moss.

39 Aufnahmen und das Cover zeigen ihre Muse "Mossy" - verschleiert, gefesselt, hautnah, splitterfasernackt, als Marlene Dietrich oder als "Playboy"-Bunny. "Sie ist absolut furchtlos vor der Kamera und probiert alles aus. Zusammen mit ihrer unvergleichlichen Schönheit macht sie das zu einer unserer besten Musen", verriet das Fotografenduo 2017 der "Vogue".

Erotische Fantasien aus dem Rechner

Mert Alas und Marcus Piggott inszenieren am liebsten erotische Fantasien. Reicht die Wirklichkeit dazu nicht aus, helfen die beiden gerne nach. Mal färben sie den Himmel nachträglich am Bildschirm rot, mal vergrößern sie die Augen eines Models. Doch zumindest, wenn es an die Körper geht, machen sie dies so behutsam, dass es dem Betrachter kaum auffällt. Vertreter der "#NoPhotoshop"-Fraktion dürften sich an den Bildern aber trotzdem stören.

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Charlotte Cotton:
Mert Alas and Marcus Piggott

Taschen; 408 Seiten, 60 Euro

Interessanterweise bevölkern die beiden Männerliebhaber ihre sexuellen Traumwelten in der Mehrzahl der Fälle mit Frauen. "Kraftvolle Frauen, Frauen mit Signalwirkung - eine Frau, die weder groß reden noch sich bewegen muss, um klarzumachen, wer sie ist."

Männliche Genitalien sieht der Betrachter vergleichsweise wenige. Nur 33 Männerakte finden sich unter den 387 Fotos. Das schmälert den Reiz des Buches natürlich kein bisschen. Vor allem Fans von Helmut Newton oder Guy Bourdin werden an dem Titel Gefallen finden. Kunstinteressierte könnten sich an Gemälde von Gustave Moreau oder Hans Bellmer erinnert fühlen.

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