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Sonderzölle

Whiskys, die den Bourbon vergessen lassen

Die EU belegt amerikanische Whiskey-Erzeugnisse mit erhöhtem Zoll, die Preise dürften steigen. Bitter für Bourbon-Fans - aber auch eine Gelegenheit, Alternativen zu probieren.

DPA

Whisk(e)y on the Rocks: Wenn Eis drin schwimmt, ist es meistens Bourbon

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Freitag, 08.06.2018   18:11 Uhr

Amerika sagt A wie Aluminium, die EU antwortet B wie Bourbon: Unter den US-Gütern, welche die EU ab 1. Juli mit Strafzöllen belegen will, findet sich auch Amerikas populärste Whiskey-Variante. Im letzten Jahr exportierten die Amerikaner Bourbon für rund 790 Millionen Euro in die EU. Der im Schnitt zu den eher jungen, preiswerten Whiskeys zählende Bourbon dürfte teurer werden.

Das ist schlecht für seine Fans (und die Bourbon-Branche in Kentucky), denn tatsächlich ist das amerikanische Destillat ein ganz eigenes Getränk - viele Bourbon-Liebhaber trinken keinen Whisky, und umgekehrt ist das nicht anders.

Zwar ähneln sich die Herstellungsverfahren, die Unterschiede beginnen aber schon beim Ausgangsmaterial. Europäische Malt-Whiskys werden ausschließlich aus Gerste gewonnen, nur bei sogenannten Grain, Rye sowie Blended Whiskys kommen auch andere Getreidesorten zum Einsatz. Bourbon hingegen wird immer zu mindestens 51 Prozent aus Mais gewonnen - das macht ihn süß, Roggen und Gerste sind Zutaten, die das nuancieren sollen.

Das gibt Whisky und Bourbon einen deutlichen Charakterunterschied - sie sind so verwandt wie Wodka und Weizenkorn. Grundsätzlich typisch für den Bourbon ist ein süßes, oft an Honig, Karamell oder Vanille erinnerndes Aroma. Vom Charakter ist das oft näher am fruchtigen Rum als am rauchigen Malt.

Trotzdem: Unter dem Strich ist natürlich auch der Bourbon ein Whiskey (den schreibt man in Irland und Amerika mit dem "e" vor dem "y"). Da wäre es doch gelacht, wenn sich im unüberschaubar großen Whisky-Angebot nicht auch Alternativen für Bourbon-Fans fänden.

Die auch geografisch nächstliegende Alternative fällt leider meist aus, denn kanadische Bourbons sind hierzulande nur sehr selten zu haben. Dafür gibt es Whiskys, die dem Bourbon recht nah kommen.

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Erste Alternative: Whisky mit Bourbon-Charakteristik

Zu einem Bourbon-haften Whisky kommt man auf zwei Wegen: Über die Zutaten - hier vor allem Mais - oder in Form "geliehenen" Geschmacks. Whiskys werden normalerweise in gebrauchten Fässern gelagert, die eine große Rolle dabei spielen, wie das Produkt am Ende schmeckt. Nimmt man dafür Bourbon-Fässer, "färbt" deren Geschmack oft deutlich genug ab.

Tropfen mit ausgeprägter Bourbon-Charakteristik:

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Zweite Alternative: Die geschmackliche Nachbarschaft

Wenn es Süße, Sanftheit, Honig-, Karamell- oder Vanillenoten sind, die Bourbon-Trinker in ihrem Whiskey schätzen, dann bieten sich zahlreiche Alternativen mit erheblicher Preis- und Geschmacksspanne an.

Die folgende Liste steigt sanft ein - und endet mit Exoten, die die Honig-Karamell-Süße des Bourbons durch die Frucht-Karamell-Süße des Rums ersetzen.

Als pur genossenes Getränk lässt sich Bourbon leichter ersetzen als in seiner Rolle als Bestandteil von Longdrinks. Da sind Single Malts in der Regel weniger geeignet: Was da ganz gut funktioniert, sind preiswerte Blended Irish Whiskeys, die niemandem wehtun (z.B. Tullamore Dew).

Gut möglich, dass wir so Amerikas Bourbon weit weniger vermissen werden, als die unser Aluminium.

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