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Stil

Ricardo Tiscis Debüt bei Burberry

Auf Nummer sicher

Schick, punkig, lässig. In seiner ersten Schau für das britische Traditionslabel zeigt der neue Burberry-Designer eine ganze Bandbreite an Stilen. Das ist keine klare Vision, aber kommerziell vielversprechend.

DPA
Von
Dienstag, 18.09.2018   12:55 Uhr

Vieles an der Debütshow von Ricardo Tisci, Burberrys neuer Chefdesigner, war anders als man es von dem britischen Traditionslabel bisher gewohnt war. Zum Beispiel das Setting: Kein Glitzer, kein Prunk, kein Champagner für die Gäste. Stattdessen wurde die Schau in einem alten Sortierzentrum der Royal Mail gezeigt, unweit der neuen US-Botschaft, die laut US-Präsident Donald Trump in einem "schlechten Teil von London" steht.

In seinen Entwürfen dagegen versucht Tisci, wieder die klassische Burberry-Linie herauszustreichen. Die 134 gezeigten Looks machten deutlich, der Neue will auf dem Ruf der Marke aufbauen, nicht sie komplett neu denken.

Die ersten Models trugen also Trenchcoats, eine Burberry-Erfindung. Gabardinestoff, mittellang, beige, Schulterklappen. Allerdings hat Tisci dem Klassiker einige neue Details verpasst. Die schmalen Stoffgürtel tauschte er gegen breite Hüftgürtel, die Brustklappen sind jetzt aus Krokodilleder, die Revers mit Goldringen verziert. An die Säume nähte er Seidenschals.

Zu den weiterentwickelten Klassikern gehören außerdem eng taillierte Kurzmäntel, Faltenröcke, Pencil-Skirts und Schluppenblusen. Das beige-schwarz-weiße Karomuster blitzt nur selten hervor, Tisci verwendet die traditionelle Farbkombination lieber für Streifen. Hier und da taucht auch das neu entworfene Firmenlogo mit den Initialen des Firmengründers Thomas Burberry auf.

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Für die Herren gibt es Nadelstreifenanzüge mit passenden Nadelstreifenschuhen, Zweireiher und Hemden mit Krawattenhalter. Manche der Sakkos hat Tisci mit einer interessanten Knöpfung versehen: drei auf einer Linie. Diese Optik findet sich teilweise auch an den Hosenbünden. Seinen Schirm trägt der moderne Banker bei Burberry auf dem Rücken, um die Hüfte hängen schwere Fahrradschlösser.

Der zweite Teil der Schau stand im Zeichen des Punks - wie der Trench ein Londoner Exportschlager. Diese Styles seien gedacht, um den rebellischen Geist der britischen Mode einzufangen, sagte Tisci nach der Show. Also viel Schwarz, Leder, Nieten, weiße Socken in klobigen Schuhen, -Sex-Pistols-Prints und Shakespeare-Zitate. Außerdem Leopardenmuster, Rehkitz-Punkte und Kuhfelloptik.

Großbritanniens schöne Vielfalt

Streetstyles fährt Tisci natürlich auch auf, ohne geht es heute nicht mehr. Die lässigen Outfits nehmen aber nicht mehr so viel Raum ein wie zuletzt bei seinem Vorgänger Christopher Bailey. Der rote Lackledermantel oder das Kurzarmhemd mit dem Schriftzug "Why did they kill bambi?" dürften aber trotzdem mit zu den ersten Produkten gehören, die bei ausverkauft sein werden. Ihr Instagram-Wiederkennungswert ist einfach zu groß.

Zum Schluss gab es noch sieben Abendkleider: lang, schwarz, schlicht.

Ricardo Tisci hat sein Debüt genutzt, um sich in alle möglichen Stilrichtungen vorzuwagen. "Die Schau feiert die Kulturen, Traditionen und Codes dieser traditionellen Modemarke sowie die Mischung, die die Großbritannien schöne Vielfalt ausmacht", sagte er. Es ginge ihm darum zu zeigen, dass Burberry mehrere Identitäten habe, Alte wie Junge einkleiden könne.

Dieser breite Ansatz ist kommerziell sicherlich vielversprechend und lässt dem Designer in Zukunft viel Spielraum. Eine eindeutige Vision war bei der Schau in London allerdings nicht zu erkennen.

mit Material von AP

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