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Stil

Modespektakel im Grand Palais

Ahoi, Chanel

Karl Lagerfeld hat in Paris vor der Replik eines Luxusliners die neue Kollektion von Chanel vorgestellt. Sommermode für die Ferien an der Côte d'Azur oder eben an Bord eines Kreuzfahrtschiffs. Très chic.

Getty Images
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Freitag, 04.05.2018   15:42 Uhr

Um sich von der Arbeit in ihrem Atelier zu erholen, ging Coco Chanel gerne segeln, oft auf der "Flying Cloud" und der "Cutty Shark", den Jachten Hugh Grosvenors, des 2. Herzog von Westminster und von 1925 bis 1930 Chanels Liebhaber. Das Schiff, auf dem das französische Modehaus am Donnerstagabend seine neueste Kollektion zeigte, wurde allerdings "La Pausa" getauft - nach der Ferienvilla der Designerin an der französischen Rivera.

Für die Modenschau ließ Karl Lagerfeld im Pariser Grand Palais eine originalgetreue Nachbildung eines Luxusdampfers bauen. Das Schiffsmodell diente als Kulisse für die Präsentation der Cruise-Kollektion, Sommermode für die Ferien an der Côte d'Azur, in der Karibik oder eben an Deck eines Kreuzfahrtschiffs.

Madame Chanel trug bei ihren Ausflügen ans Meer gerne burschikose Outfits: zur weiten Hose ein Marinière - das legendäre bretonische Ringelshirt - und einen Blazer. Einen Teil dieses Looks zitierte Karl Lagerfeld bei seiner jüngsten Vorstellung in Paris.

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Die Hosen kombinierte der Modedesigner mit einem blauen Bouclé-Blazer oder, etwas lässiger, zu weißen Strickpullovern mit großem Logo und La-Pausa-Schriftzug. Näher an der klassischen Chanel-Silhouette sind die weißen und rosafarbenen Minikleider mit kastiger Schulterpartie, die ihr Vorbild in der Mode der Sechziger haben.

Lagerfeld ließ sich jedoch nicht nur von den Swinging Sixties inspirieren, sondern auch von der Zeit des Ersten Weltkriegs. Damals hatte die britische Kriegsmarine Tausende Schiffe zum Schutz vor U-Booten mit wilden geometrischen Mustern bemalen lassen. Diese so genannte Dazzle-Schiffstarnung war das Vorbild für die Zickzackmuster einer Reihe Sommer- und Abendkleider mit teils gezackten Säumen.

Das Leitmotiv der Kollektion ist aber ein Schwarzweißbild des Chanel-Kreuzers. Es ziert Handtaschen, Oberteile, Kleider und einen sportlichen Zweiteiler im Athleisure-Stil.

Unpassend für den Kapitänstisch

Dem Streetwear-Trend geschuldet sind wohl auch die Jeanskombis: durchgehend geschlitzte Jeans, entweder normal lang oder als Caprihose, und dazu eine Lederjacke mit Denimkragen oder eine Jeansjacke. Glücklicherweise beließ es Lagerfeld bei diesen beiden Entwürfen, die nicht zum Rest der ansonsten gelungenen Kollektion passen. Damit kann man sich weder am Kapitänstisch noch in der Schiffsdisko blicken lassen. Cooler sind da die Leder-Outfits mit Metallicfinish in Blau oder Rot.

Zum Sich-die-Sonne-auf-den-Bauch-scheinen-lassen gemacht sind die von Karl Lagerfeld so genannten "flexiblen Kleider": Sets bestehend aus Top und Rock, zwischen denen ein Streifen Haut hervorblitzt.

Als Accessoires für die große Fahrt sieht Kapitän Karl runde und eckige Handtaschen vor, außerdem Messengerbags, Seidenschals, Barette, Halbfingerhandschuhe aus Leder und weiße Strumpfhosen. Für die Füße gibt es Mary Janes, Spangenschuhe mit flacher Sohle.

Afterparty im Schiffsbauch

Den Schlussapplaus nahm Karl Lagerfeld diesmal nicht wie so oft in Begleitung seines Patensohnes in Empfang, sondern an der Seite von Virginie Viard. Die Leiterin des Chanel-Studios überwacht die Produktion der mittlerweile zehn Chanel-Kollektionen pro Jahr und gilt als rechte Hand des Designers. Viards Auftritte sorgte auch gleich für Spekulationen, ob sie demnächst die Nachfolge des 84-Jährigen an der Spitze des Modehauses antreten könnte. Das Unternehmen dementierte die Gerüchte.

Nach der Modenschau verschwand Lagerfeld mit seinen Gästen und Models im Inneren des Schiffs, wo gefeiert wurde. Zu den Promigästen gehörten neben den offiziellen Werbegesichtern Lily Rose-Depp, Margot Robbie und Kristen Stewart - deren Partnerin Stella Maxwell auf dem Laufsteg zu sehen war - auch die Schauspieler Ralph Fiennes und Lars Eidinger sowie die Tänzerin Mette Towley.

Die in Paris gezeigten Entwürfe sind bereits die zweite Kollektion mit einem maritimen Thema nach der "Metiers d'Art"-Schau im Dezember 2017 in Hamburg. Die Idee einer eigenen Ferienkollektion geht allerdings auf die Firmengründerin zurück. Bereits 1919 hatte Coco Chanel eine Urlaubslinie entworfen. Das Konzept wurde dann von Lagerfeld wieder aufgegriffen, als er 1983 bei Chanel anfing. Seit 2000 werden die Kreuzfahrtkollektionen in einer eigenen Modenschau gezeigt.

Wie wichtig sie für Chanel und andere Marken inzwischen geworden sind, lässt sich an dem unglaublichen Aufwand erkennen, der für diese Show betrieben wird. Zu den Präsentationen werden in der Regel Hunderte Journalisten, Blogger und zahlreiche Ehrengäste aus allen Ländern eingeflogen.

insgesamt 1 Beitrag
dasfred 05.05.2018
1. Selbst in Hamburg strassentauglich
Bin Recht angetan von den Fotos. In leichter Abwandlung könnte die Kollektion sogar massentauglich sein. Amüsiert habe ich mich über das Bild der jungen Dame im rosa Bouclé Kleid. Ein Gesichtsausdruck, der mich an ein RichKid [...]
Bin Recht angetan von den Fotos. In leichter Abwandlung könnte die Kollektion sogar massentauglich sein. Amüsiert habe ich mich über das Bild der jungen Dame im rosa Bouclé Kleid. Ein Gesichtsausdruck, der mich an ein RichKid erinnert, das zum Geburtstag das Cabrio in der falschen Farbe bekommen hat. Sehr gefallen hat mir auch das kleine Schwarze, das die Figur streckt und die Eleganz der Trägerin unterstreicht.

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