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Stil

Dior in London

Jede Frau eine Königin

In den mageren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zelebrierte Christian Dior den Überfluss. Seine Mode war schick, klar, verschwenderisch - aber auch revolutionär und provokativ.

Cecil Beaton/ Victoria & Albert Museum
Donnerstag, 31.01.2019   18:03 Uhr

Dior war ein Ausnahmetalent. Das war auch den Sammlungsverwaltern im Londoner Victoria & Albert Museum früh klar. Seit den Fünfzigerjahren kauften sie Zeichnungen und Entwürfe des Franzosen an. Doch selbst in der größten Designsammlung der Welt gab es nicht genügend Material für die bis dato "größte und umfangreichste Ausstellung zu Christian Dior England", wie Kuratorin Oriole Cullen schreibt.

500 Objekte, davon allein 200 aus der Haute Couture, Accessoires, Fotografien, Filme, Parfüms, Make-up, Zeichnungen, Magazine und persönliche Gegenstände des 1957 verstorbenen Modeschöpfers sollen den Besuchern zeigen, welcher Einfluss von Dior (und seinen Nachfolgern in der Avenue Montaigne) bis heute ausgeht auf die Mode.

Das geht natürlich nicht ohne das ikonische Bar Jacket. Die taillierte Jacke aus cremefarbener Seide - kombiniert mit einem wadenlangen schwarzen Faltenrock aus Taft und Batist - ist eine der wichtigsten und zugleich populärsten Dior-Kreationen. Das Outfit ist Sinnbild für das, was die Presse als "New Look" feierte. Dior sprach lieber von "La Ligne Corolle", Blütenkelchlinie: "sanft gewölbte Schultern, gerundete Brustlinien, schlanke Taillen und wie Blumenkelche sich ausbreitende weite Röcke".

Die Kleider waren eine Provokation. Unbescheidene Entwürfe als Gegenentwurf zur minimalistischen Mode während des Kriegs und in den Jahren danach. Als an allem gespart werden sollte, vernähte der Modemacher 25 Meter Taft, in einem einzigen Kleid. Dior wollte den Frauen ihre Weiblichkeit zurückgeben. Die nahmen sein Angebot dankbar an - sofern sie es sich leisten konnten.

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Auch außerhalb von Paris begeisterte die verschwenderische Mode Diors die Oberschicht. Einige seiner namhaftesten Kundinnen stammen aus dem britischen Königreich. Die Autorin Nancy Mitford etwa, oder die Ballerina Margot Fonteyn, allen voran aber Princess Margaret. Die Königstochter feierte ihren 21. Geburtstag in einem weißen Dior-Kleid, im Bild festgehalten von Cecil Beaton. Geburtstagsporträt und Kleid der Aristokratin hängen nun in dem Teil der Ausstellung, der "Dior in Britain" gewidmet ist.

"Es gibt kein anderes Land auf der Welt, neben meinem Heimatland, dessen Lebensart ich so sehr schätze", sagte er einst. Hier setzen Kuratorin Cullen und ihr Londoner Team an, um die Ausstellung interessanter zu machen für das heimische Publikum. Grundlage ist nämlich die 2017 in Paris gezeigte Schau "Christian Dior, Couturier du Rêve".

Christian Dior über Haute Couture

Es gibt noch weitere Anknüpfungspunkte: Dior beauftragte auch englische Manufakturen. Handschuhe von Dents, Strickwaren von Lyle and Scott, und Schmuck von Mitchel Maer, einer der renommiertesten Goldschmiede in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die zehn weiteren Abschnitte beschäftigen sich unter anderem mit der Biografie des Modeschöpfers, der ehe er 1947 sein Debüt gab, legendäre Kunstausstellungen kuratierte. Nach der Galeriesektion wird der Fokus auf die große Ära der Modefotografie gelegt, mit Bildern von Richard Avedon, Horst P. Horst, und eben Cecil Beaton. Außerdem werden Diors zahlreiche Inspirationsquellen neben der Kunst aufgeschlüsselt, etwa die Blumenwelten der Familienvilla in Granville.

Und dann sind da natürlich die Kleider. Das Modell "Diablesse" von 1947: teufelsrot mit türkisfarbenem Gürtel, in der berühmten Dreiviertellänge, mit Sanduhrtaille, weitschwingendem Faltenrock und Hemdkragen. Oder die schmale Korsagenrobe aus der Herbst/Winter-Kollektion 2007, wie mit Aquarellfarben in Pink und ein wenig Gelb eingefärbt, umhüllt von einer einzigen Lage Tüll, darauf schwarze Applikationen, wie großzügige Striche einer schnellen Skizze: ein gezeichneter Faltenwurf über dem eigentlichen Kleid.

Es stammt nicht von Christian Dior, sondern von John Galliano, der vierte von mittlerweile sechs Nachfolgern des großen Meisters, die ebenfalls gewürdigt werden. Die anderen sind Yves Saint Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferré, Raf Simons und seit 2016 Maria Grazia Chiuri.

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Fotostrecke: Debüt der neuen Dior-Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri

Die Italienerin ist in der 73-jährigen Firmengeschichte die erste Frau an der Spitze des Modehauses. Sie ist es auch, die in inzwischen 15 Kollektionen gezeigt hat, wie man Christian Diors Vorstellung von Weiblichkeit ("die Brust einer Nymphe, die Taille einer Sylphide") eine feministische Note verleiht, dass sein Stil vielleicht traditionell ist, aber niemals altmodisch.


"Christian Dior: Designer of Dreams", Victoria & Albert Museum, London. 2. Februar bis 14. Juli 2019.

löw

insgesamt 1 Beitrag
querollo 02.02.2019
1. löw = google Übersetzer?
Wer Näheres zur Verlagskrise wissen will, findet Antworten in diesem Artikel, der offenbar komplett von einem Übersetzungsprogramm geschrieben wurde. Die "ikonische" Barjacke treibt weitere Kuriositäten vor sich her [...]
Wer Näheres zur Verlagskrise wissen will, findet Antworten in diesem Artikel, der offenbar komplett von einem Übersetzungsprogramm geschrieben wurde. Die "ikonische" Barjacke treibt weitere Kuriositäten vor sich her (richtig wäre übrigens "berühmte", oder wenn das zu klein ist "Stil bildende" oder "Epoche machende"), die ihr Furioses Finale in einer Bildunterschrift finden, die "löw" wohl zu Recht als "ikonisch" bezeichnen würde. "Das Schau endet mit einem Rausch aus Tüll, Taft und Seide in einem glitzernden "Ballraum" endet." Ja, das Schau muss angehen.

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