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Stil

Neue Bahn-Uniformen

Schichtwechsel

Die Bahn hat ihre neuen Uniformen vorgestellt. Die Schnitte sind etwas flotter geworden, insgesamt aber wirken die Entwürfe des Designers Guido Maria Kretschmer eher behäbig als dynamisch.

Deutsche Bahn/ Dan Zoubek
Von
Donnerstag, 22.03.2018   17:49 Uhr

Moderner und vielfältiger sollte die neue Arbeitskleidung der Bahn-Angestellten werden. Zumindest bei den Kombinationsmöglichkeiten hat Designer Guido Maria Kretschmer mit den am Donnerstag in Berlin vorgestellten Entwürfen geliefert: Poloshirts und Hemden, Jeans, Chinos und Bundfaltenhosen, dazu zwei verschiedene Krawatten; für die Frauen außerdem wadenlange Röcke und Kleider sowie ein Halstuch. Daraus lässt sich was machen.

Doch sehr viel moderner als die bisherige Unternehmensbekleidung - zu einer richtigen Uniform fehlen die Rangabzeichen - sind die Teile nicht. Die Hemden gibt es wieder mit Button-down- und mit Kentkragen, neu ist der Stehkragen für Frauen. Das Sakko der Herren ist etwas kürzer geschnitten, die Westen haben keine Nadelstreifen mehr. Das war es auch schon fast.

Farblich hat sich mehr getan. Das DB-Rot fehlt komplett, das Hellblau auch. Dafür ist das biedere Uniformblau geblieben. Frisch dazugekommen ist Aubergine für Kleider, Röcke und Blazer. Bei den Herren findet sich der lila Farbton nur auf der Krawatte, der Weste und als Zierstreifen am Saum des mausgrauen Pullunders.

Für zugige Bahnsteige gibt es nun einen Trenchcoat

In Grau gibt es außerdem noch eine Strickjacke, die eher nach Seniorenheim statt nach Schnelligkeit aussieht. Dynamik sollen vermutlich auch die Zierstreifen an den Hemdkragen symbolisieren. Stattdessen sind sie einfach nur hässlich. Hoffentlich überlegt es sich die Bahn noch einmal, bevor sie bis 2021 ihre Mitarbeiter damit ausstaffiert.

Für zugige Bahnsteige gibt es nun einen Trenchcoat. Aus modischer Sicht der größte Schritt nach vorne sind aber der dunkelblaue Blouson im Bomberstil und die Turnschuhe. Zu Bundfaltenhose und Hemd getragen, kann daraus ein einigermaßen lässiger Look werden. Dass der Konzern davon durchaus eine Vorstellung hat, zeigen die so genannten WLAN-Buddys, die ICE-Fahrgästen bei Problemen mit der Internetverbindung helfen:

Wobei es der Bahn bei der neuen Ausrüstung natürlich weniger um Coolness als vielmehr um Robustheit und Bequemlichkeit ging.

"Shopping Queen"-Moderator Kretschmer hat Erfahrung mit Unternehmensbekleidung

Das dunkelblaue A-Linienkleid dürfte diese Anforderungen erfüllen, so richtig elegant sieht es aber nicht aus. Wahrscheinlich ist es genau die richtige Mischung aus bieder und unauffällig, wie es sich aus Sicht der Verantwortlichen für einen ehemaligen Staatsbetrieb gehört. Schicker ist da schon das Etuikleid mit schmalem Ledergürtel.

"Shopping Queen"-Moderator Kretschmer hat einige Erfahrung mit Unternehmensbekleidung. Zu seinen Kunden gehören neben der Telekom auch Hotelketten und Fluglinien. Für die Bahn war er das erste Mal tätig, zuvor hatte eine Schneiderin die Kleidung für die mehr als 40.000 Eisenbahner mit Kundenkontakt in Deutschland entworfen.

Schaffner, Lokführer, Busfahrer und Service-Mitarbeiter hätten Wünsche zum Stil und zur Funktionalität der Kleidung äußern dürfen, teilte die Bahn mit. Und hier hat sich doch einiges getan, vor allem im Vergleich zu früher: Lokomotivführer William Wilson rangierte die "Adler"-Lokomotive 1835 noch in Frack und Zylinder. Ganz stilvoll.

insgesamt 30 Beiträge
Newspeak 22.03.2018
1. ...
Die Frage, welchen Zweck eine Uniform erfuellt, mit "Hoheitsabzeichen", hat sich wohl keiner gestellt? Die Bahnmitarbeiter sehen demnaechst so cool aus, vor allem mit Pullover und Jeans und Turnschuhen, dass man sie mit [...]
Die Frage, welchen Zweck eine Uniform erfuellt, mit "Hoheitsabzeichen", hat sich wohl keiner gestellt? Die Bahnmitarbeiter sehen demnaechst so cool aus, vor allem mit Pullover und Jeans und Turnschuhen, dass man sie mit hippen Reisenden verwechseln kann. Das erleichtert nicht unbedingt die Suche nach Jemandem, wenn man ihn denn braucht. Abgesehen davon, dass der durchschnittliche Bahnbedienstete, so wie der durchschnittliche Buerger, kein Model ist. Warum praesentiert man diese Dinge immer so, als ob die ganze Welt 18 ist?
djxm 22.03.2018
2.
1. Den W-LAN-Buddy will ich auch mal treffen - das ging heute mal wieder fast gar nicht! 2. Was soll das Gemecker über die Klamotten? Mir taten die Bahnkollegen echt leid, da die Klamotten mit dem Bahnrot echt bescheiden [...]
1. Den W-LAN-Buddy will ich auch mal treffen - das ging heute mal wieder fast gar nicht! 2. Was soll das Gemecker über die Klamotten? Mir taten die Bahnkollegen echt leid, da die Klamotten mit dem Bahnrot echt bescheiden aussehen. Die neuen Klamotten sind doch ein echter Schritt nach vorne!
jens20505 22.03.2018
3. Nachdem ich am letzen Wochenende ...
... mal wieder mit 1 1/2 Stunden Verspätung eingetroffen bin frag ich mich, ob da die Klamotten die richtig gewählte Priorität ist :-)
... mal wieder mit 1 1/2 Stunden Verspätung eingetroffen bin frag ich mich, ob da die Klamotten die richtig gewählte Priorität ist :-)
sonichmeinfreund 22.03.2018
4. Gefällt mir
Es wird auch bestimmt Schnitte für untersetzte Figuren oder Männer mit dickem Bauch geben. Für die Präsentation sucht der Designer aber keine Normalos aus. Ich denke die Ärmelstreifen kommen noch dran. Nur schick aussehen ist [...]
Es wird auch bestimmt Schnitte für untersetzte Figuren oder Männer mit dickem Bauch geben. Für die Präsentation sucht der Designer aber keine Normalos aus. Ich denke die Ärmelstreifen kommen noch dran. Nur schick aussehen ist für eine Uniform bei der Bahn aber nicht entscheidend. Die Mitarbeiter schleppen eine Menge Kram mit sich herum. Ausgebeulte Taschen sehen dabei nicht so gut aus. Ich hoffe, die Schulterpolster bei den Herrenjacken sind weg. Das sieht immer schlimm aus wenn der Mitarbeiter das Druckergerätdings über der Schulter hängen hat.
OlLö 22.03.2018
5. Gefällt mir
Im Gegensatz zum Autor finde ich nicht, dass die Kollektion behäbig daherkommt - eher dem Anlass entsprechend seriös und schick. Hat er gut hinbekommen, der Guido
Im Gegensatz zum Autor finde ich nicht, dass die Kollektion behäbig daherkommt - eher dem Anlass entsprechend seriös und schick. Hat er gut hinbekommen, der Guido

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