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Stil

"We should all be feminists"

Das Geheimnis der Coco Chanel

"Femmes Fatales" ist die erste Modeausstellung weltweit, die ausschließlich Designerinnen würdigt. Sie zeigt Entwürfe großer Modemacherinnen wie Coco Chanel oder Miuccia Prada und fragt: Entwerfen Frauen anders?

Man Ray Trust/ ADAGP/ Telimage
Donnerstag, 29.11.2018   07:10 Uhr

Entwerfen Frauen anders? Dieser Frage geht eine Modeausstellung in den Niederlanden nach. Es sei die weltweit erste Ausstellung, die sich ausschließlich mit Designerinnen beschäftigt, sagt Madelief Hohé, Leiterin der Modesammlung des Gemeentemuseums in Den Haag und Kuratorin von "Femmes Fatales - Strong Women in Fashion". Das überrascht. Elsa Schiaparelli, Coco Chanel, Jeanne Lanvin, Sonia Rykiel, Vivien Westwood, Jil Sander, Miuccia Prada, Stella McCartney und viele mehr: Die Modewelt ist voller beeindruckender Frauen.

Es hat sich also viel geändert seit dem 18. Jahrhundert, als in Frankreich das Schneiderhandwerk noch den Männern vorbehalten war - möchte man meinen. Denn selbst die Branche, die von weiblichem Talent und Geld lebt, wird noch immer regiert von Männern. Zu diesem Ergebnis kam zuletzt eine vom Berufsverband der US-amerikanischen Modedesigner in Auftrag gegebene Studie mit dem bezeichnenden Titel "The Glass Runway". "Nur 14 Prozent der großen Luxusmarken werden von Frauen geführt", ist dort zu lesen. Die Zahl stammt zwar aus dem Jahr 2015, es ist heute aber nicht sehr viel anders. Zumindest was die kaufmännische Seite angeht.

Die kreative Leitung vieler Marken liegt in Frauenhänden, auch bei Häusern, die von Männern gegründet wurden. "Denken Sie nur an Maria Grazia Chiuri bei Dior, Sarah Burton bei Alexander McQueen und, bis vor Kurzem, Phoebe Philo, bei Céline", schreibt Kuratorin Hohé.

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Fotostrecke: Von Frauen für Frauen

Phoebe Philo und ihre Arbeit für Céline sind auch ein gutes Beispiel, um die Frage zu beantworten, ob Frauen anders entwerfen als Männer. Natürlich tun sie das. Doch selten wurde das so deutlich wie bei dem französischen Label, dessen Ästhetik seit dem Weggang der Designerin wieder von einem Mann geprägt wird. Nach zehn Jahren so frauenfreundlicher wie eleganter Entwürfe, verordnete der Neue, Hedi Slimane, dem Label eine Radikalkur "Sexyness", oder vielmehr das, was ein Mann dafür zu halten scheint: ultraknappe Röcke und winzige schwarze Nichtse. Wo sich früher auch Frauen jenseits des Teenageralters willkommen fühlten, herrscht nun Jugendwahn. Rolle rückwärts um zehn Jahre.

Nach 70 Jahren erstmals eine Frau an der Spitze

Was ein X-Chromosom mehr beim Design ausmachen kann, lässt sich auch bei Dior ablesen. Seit 2016 bestimmt mit Maria Grazia Chiuri erstmals in der Geschichte des Unternehmens eine Frau, wie der "New Look" aussieht. Christian Diors lange, plissierte, sehr stoffreiche Kleider mit den wehenden Röcken waren nach den entbehrungsreichen Jahren des Zweiten Weltkriegs so revolutionär wie reaktionär gewesen: War zuvor praktische Kleidung nötig, sollten Frauen jetzt vor allem wieder schön sein (dürfen): enge Taille, schmale Schultern, Betonung der Brüste. Das reicht heute nicht mehr.

Was also hat Chiuri 70 Jahre später daraus gemacht? Anders als Hedi Slimane bei Céline konnte und wollte sie das Firmenerbe nicht einfach über den Haufen werfen. Zu sehr steht der Markenname für eine gewisse Weiblichkeit, die sich ausdrückt in Tüll und Seide. Feministische Slogans hingegen waren im Hause Dior bis dato unbekannt. "We should all be feminists" stand auf einem T-Shirt aus der Frühjahrskollektion 2017. Getragen wurde es zu einem Ensemble, das auf den "New Look" zurückgeht. 2016 trifft 1946.

Ganz neu ist die Idee mit den Sprücheshirts nicht, werden Besucher der Ausstellung lernen. Katherine Hamnett, noch so eine Mode-Powerfrau, hatte die Idee schon in den Achtzigern. "58 % don't want Pershing" musste Margaret Thatcher auf deren Oberteil lesen, als sie der britischen Modemacherin 1984 bei einem Empfang begegnete. Getragen hat Hamnett das T-Shirt übrigens als Kleid - so viel Stil muss sein, wenn man einer Einladung der Premierministerin folgt. Nicht zuletzt aufgrund des großen Medienechos, das darauf folgte, wurde Hamnett im selben Jahr vom British Fashion Council zur Designerin des Jahres bestimmt.

Die Geschichte bedeutender Designerinnen besteht also nicht nur aus bahnbrechenden Ideen wie Chanels Kostümen oder Diane von Fürstenbergs Wickelkleidern, sondern auch aus spannenden Begegnungen und interessanten Biografien. Wer sie erfahren möchte, hat noch bis zum 24. März Zeit, die Ausstellung "Femmes Fatales - Strong women in fashion" im Den Haager Gemeentemuseum zu sehen.

Im Video: Außergewöhnliche Frauen - Coco Chanel

Foto: BBC

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass Treffen zwischen Margaret Thatcher und Katharine Hamnett habe 1983 stattgefunden. Es war aber 1984. Wir haben den Fehler korrigiert.

löw

insgesamt 1 Beitrag
dasfred 29.11.2018
1. Natürlich entwerfen Frauen anders
Sie entwerfen zuerst für sich. Sie selbst sind der Inhalt einer Verpackung die eine Aussage zu ihrer Trägerin machen soll. Der Schwule Designer versucht, ein optisches Gesamtkunstwerk aus Frau und Kleidung zu gestalten und der [...]
Sie entwerfen zuerst für sich. Sie selbst sind der Inhalt einer Verpackung die eine Aussage zu ihrer Trägerin machen soll. Der Schwule Designer versucht, ein optisches Gesamtkunstwerk aus Frau und Kleidung zu gestalten und der hetero Modeschöpfer betont besonders die erotische Komponente. Jeder hat seinen spezifischen Blick auf die Frau und betont, was ihm/ihr wichtig ist. Ich bin auch der Überzeugung, nur Frauen können eine Mode gestalten, in der Frauen in Würde altern dürfen.

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