Schrift:
Ansicht Home:
Stil

Food-Trend "Smorging"

Saulecker - oder total blöd?

Instagram ist voll von #Smorging-Bildern. Dahinter verbirgt sich die gute alte Brotzeit. Und mit unserem Rezept für Wurstsalat bekommen Sie zusätzlich zu Social-Media-tauglichen Fotos einen Gaumengenuss.

Peter Wagner/ Foodbild
Von Hobbykoch
Samstag, 03.03.2018   14:38 Uhr

Hinter dem Begriff "Smorging" verbirgt sich der schwedische "Butterbrottisch". Mit dem namensgebenden "Smörgåsbord" biegt sich die Tischplatte ("bord") vor lauter mehr oder minder leckeren Brotzeitkomponenten wie Käse, Tomaten, Dips & Sticks, Aufschnitt, Avocado, Chutneys, Senfsorten, Räucherfisch, Antipasti, Obst, Oliven, scharfen Schoten, Radieschen, Zwiebeln, Pickles, Nüssen, Brotauswahl und allerlei Streichbarem von Butter bis Lachspaste.

Auf die Frage, was genau denn nun "Brotzeit" und "Smorging" unterscheide, antworten selbst die sonst bestens informierten Genussautoren der "Süddeutschen Zeitung" mit einem etwas ratlosen "nichts". Auf die reine Listung der für Freunde oder Familie an der großen, gemeinschaftlich besetzten Tafel aufgetischten Speisen trifft das ganz gut zu. Denn der Mechanismus, der aus einer schnöden Brotzeit ein hippes Smorging macht, funktioniert natürlich mal wieder primär in der Metaebene.

Was hier sogar wörtlich zu nehmen ist, denn erst durch das instagrammable Foodstyling, immer von oben aus der (Meta-) Vogelperspektive aufgenommen, wird daraus so etwas wie eine trendy Social-Media-Bewegung. Im Prinzip aber hängt der Gaumengenuss mit der Qualität des Aufgetischten zusammen. Wobei man beim Durchscrollen der gegoogelten Smorgingbildchen den Eindruck gewinnt, dass dort Quantität als wichtiger erachtet wird.

Denn Smorging ist so eine Art Tiki-Taka im Schlaraffenland: Der ganze Tisch ist voll von unterschiedlichen, zumeist kalten Spezialitätchen in Schüsselchen, Tiegelchen, Tellerchen und Gläschen, die ähnlich wie der Ball beim legendären spanischen Fußballkurzpassballett zwischen den rings um die Tafel sitzenden Spielern hin und her gereicht werden.

Smorging als Gaumenpolarisator: saulecker oder total blöd?

Als ein der Brotzeittradition verpflichteter Süddeutscher kann man das nun pfundig finden, vielleicht auch total blöd. Oder sich einfach wieder der kulinarischen Klasse der einzelnen Bestandteile zuwenden, die am Ende ja spielentscheidend ist für gelungene Multikomponentenmahlzeiten, die man als Mezze, Horsd'oeuvre, Tapas oder Sonntagsbrunch auch aus ganz anderen Ernährungsethnien kennt.

Hierbei hilft die Frage nach dem jeweiligen Wesenskern. Beim Wurstsalat als Brotzeitklassiker zum Beispiel ist ja jenseits allen Smorgings seit jeher der entscheidende kulinarische USP, dass sich durch Kleinschneiden der Basiszutaten deren Aromen beim Kauen zu einem wunderbaren neuen Ganzen zusammenfügen. Warum also nicht diese Idee aufgreifen und mit der Schnitttechnik der Profiköche verbinden?

Fotostrecke

Fotostrecke: Rezept für Wurstsalat 2.0

Mit frisch geschärften Messern schafft es auch ein Hobbykoch, die Zutaten auf klassische Weise zunächst in Scheiben, dann in Streifchen ("Julienne") und schließlich in ebenso feine Würfelchen ("Brunoise") zu schneiden, wie man das von diversen Sterneküchengarnituren kennt. Für zusätzlichen Kitzel sorgt der Schafskäse - anstelle des bei "Schweizer Wurstsalat" meist verwendeten Emmentalers.

Das schmeckt dann durch die noch intensive Vermengung der Einzelaromen selbst bei unserem "Wurstalat 2.0" am Ende weitaus besser als das grobstreifige Original - sei es, als feine Komponente eines normalen Abendessens auf dem hier ebenfalls mitrezeptierten Röstbrot, oder als Überraschungsgast in kleinen Schüsselchen im Rahmen einer tischbreit auffahrenden Smorging-Armada.

insgesamt 21 Beiträge
er,ka 03.03.2018
1. Brotzeit vs Vesper
Also hier im Südwesten der Republik nennt man ein derartiges Essen: Vesper. Und noch was. Wurstsalat mit Fleischwurst !!! geht gar nicht. Es muss eine ordentliche Schinkenwurst rein. Und ausserdem: Der Wurstsalat mit Käse heisst [...]
Also hier im Südwesten der Republik nennt man ein derartiges Essen: Vesper. Und noch was. Wurstsalat mit Fleischwurst !!! geht gar nicht. Es muss eine ordentliche Schinkenwurst rein. Und ausserdem: Der Wurstsalat mit Käse heisst hier nicht Schweizer, sondern Straßburger.
dasfred 03.03.2018
2. Einfach und gut
Alle Zutaten sind leicht zu bekommen, mit etwas Übung schnell geschnitten und treffen meinen Geschmack. Außerdem gut geeignet, um schnell etwas für spontane Gäste zu improvisieren.
Alle Zutaten sind leicht zu bekommen, mit etwas Übung schnell geschnitten und treffen meinen Geschmack. Außerdem gut geeignet, um schnell etwas für spontane Gäste zu improvisieren.
palef 03.03.2018
3. ...das Besteck hätte man schon sauber...
...machen und dann fotografieren können...so sieht auch der Rest auf dem Teller wie von gestern übriggeblieben aus...besonders der Schnittlauch...
...machen und dann fotografieren können...so sieht auch der Rest auf dem Teller wie von gestern übriggeblieben aus...besonders der Schnittlauch...
michiansorge 03.03.2018
4. Sprachprobleme
Im Schwedischen heisst es korrekt "Smörgåsbord", mit "ö". Das "ø" gibt es nicht im Schwedischen! Sondern im Dänischen und Norgewischen.
Im Schwedischen heisst es korrekt "Smörgåsbord", mit "ö". Das "ø" gibt es nicht im Schwedischen! Sondern im Dänischen und Norgewischen.
mwroer 03.03.2018
5.
Ja, mache ich seit über 30 Jahren noch unter dem alten Namen Brotzeit. Das ganze bestätigt mich eigentlich nur in meiner Meinung dass die ganzen hippen Dinger nichts neues sind sondern einfach das was wie schon immer [...]
Zitat von dasfredAlle Zutaten sind leicht zu bekommen, mit etwas Übung schnell geschnitten und treffen meinen Geschmack. Außerdem gut geeignet, um schnell etwas für spontane Gäste zu improvisieren.
Ja, mache ich seit über 30 Jahren noch unter dem alten Namen Brotzeit. Das ganze bestätigt mich eigentlich nur in meiner Meinung dass die ganzen hippen Dinger nichts neues sind sondern einfach das was wie schon immer gemacht haben - nur mit dem blöden Namen versehen. Ich warte schon gespannt auf die ersten die aufschreien das Wurstsalat gar nicht geht sondern man wahlweise Huhn (für die Freunde moslemischen Glaubens), Tofu (für die Vegetarier) oder ganz ohne was (für den ewig maulenden Rest) bereithalten sollte.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP