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Stilkritik

Hadid Harlekin

Der Harlekin ist der Prototyp eines Influencers: Publikumsliebling, verführerisch, aufdringlich. In New York ist der Schalk nun als Top-Model Gigi Hadid erschienen. Andere Promis hatten es da schwer. Sehen Sie selbst!

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Dienstag, 05.06.2018   15:05 Uhr

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Gigi Hadid trat zwar ohne lautstarke Ankündigung ins Scheinwerferlicht bei den CFDA Awards in New York. Doch ihr Look war ein einziger Schrei nach Aufmerksamkeit: Hier bin ich!

AFP

"Eccomi!" - Gigi Hadid bei den CFDA Awards

"Hier bin ich!" ("Eccomi!"), mit diesem Ausruf tritt in der Commedia dell'arte der Harlekin in Erscheinung. Ein bunt kostümierter, raffinierter Schalk, der viele verschiedene Rollen spielt.

Der Legende nach geht die Figur des Arlecchino auf eine Begegnung an der normannischen Küste zurück. Ende des 11. Jahrhunderts will der englische Mönch und Geschichtsschreiber Ordericus Vitalis (Spitzenname für einen Reporter) von einer Dämonenschar gejagt worden sein, angeführt von einem zerzausten Riesen mit Knüppel. Daraus wurde dann laut Wikipedia die "wilde Jagd der Herlekin-Leute" (familia herlequin).

Beliebter Instagram-Riese

Groß ist Gigi Hadid mit ihren 1,78 nicht unbedingt, zumindest für ein Model. Aber in Sachen Bekanntheit ist sie ein Riese. Allein 40,6 Millionen folgen ihr bei Instagram. Dagegen können der Keule schwingende Zausel aus der Normandie und seine Horde einpacken. Ein aufregendes Nachtleben hat die 23-Jährige sicher auch, soweit es Detoxpflicht und strenge Modeldiäten eben zulassen. Dass sie im Dunkeln Männern nachstellt, ist aber nicht bekannt. Es dürfte eher andersherum sein.

Nichtsdestotrotz ist Gigi, wie sie in der Klatschpresse oft angehimmelt wird, extrem anhänglich. Sie verfolgt Männer (und Frauen) in ihrer Funktion als Markenbotschafterin in eigener und fremder Sache. Gigi ist omnipräsent. Wo sie auftaucht, ist großer Bahnhof angesagt. Tricks, um aufzufallen, hat sie also gar nicht mehr nötig.

Für ihren Auftritt bei den CFDA Awards in New York - eine Art Mode-Oscar, der diesmal an Raf Simons und das Streetwear Label Supreme ging - wählte Hadid aber trotzdem einen aufsehenerregenden Look. Nur Maske und Kappe fehlen, ansonsten sieht ihr rotgelbblaugrünes Outfit dem Rautenkostüm des Harlekins zum Verwechseln ähnlich.

Meister der Metamorphose

Damit sind die Parallelen zwischen Hadid und Harlekin aber noch nicht erschöpft. Die Figur ist im Laufe der Jahrhunderte vom furchteinflößenden Riesen zum spaßigen Publikumsliebling geschrumpft, der durch seine Wandlungsfähigkeit verblüfft.

Als Meister der Metamorphose vereint er verschiedene Charakterzüge in seiner Person. Sein Schauspiel führt er auf zwischen Fiktion und Realität. Er ist Gauner und Heiler, Engel und Teufel. Der Prototyp eines Influencers und damit Vorbild für Hadids Berufsgattung.

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Prototyp des Influencers

Der Anzug des Harlekins ist eng geschnitten. Vielleicht nicht so hauteng wie Hadids, aber die körperbetonte Botschaft ist in beiden Fällen dieselbe: Sex. Daher schnallt der Harlekin seinen Gürtel tief unter den Bauchnabel. Hadids Taille wurde von einem Seidenband geschmückt. Das passte einfach besser als der Lederriemen, an dem der Harlekin seine Börse trägt. Darin bewahrt er seine mit List erbeuteten Goldstücke auf. Den Geldbeutel ließ Gigi Hadid in New York ebenfalls weg, viel zu klein für ihre Preisklasse. Für einen Werbepost auf ihrem Instagram-Profil streicht sie sechsstellige Summen ein. Teuflisch gut.

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