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Stil

Mode in Paris

Hochgeschlossen, aber sexy

Gegen ihren Stoffzauber sehen selbst Entwürfe von Lagerfeld und Armani alt aus: Die Givenchy-Designerin Clare Waight Keller ist der neue Star der Pariser Haute Couture. Stets verführerisch, ohne viel Haut zu zeigen.

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Donnerstag, 24.01.2019   11:54 Uhr

Die Pariser Haute-Couture-Woche ist zwar noch nicht vorüber, aber es gut könnte sein, dass die beste Kollektion bereits zu sehen war. Clare Waight Keller, die vor 2017 noch nie Couture gemacht hat, zeigte am Dienstag eine Meisterschaft, die einem die Kinnlade runterklappen lässt. Ihre Kleider sind so erfrischend, dass sie keiner beeindruckenden Kulisse bedurften. Die kahlen weißen Wände des Pariser Museums für Moderne Kunst genügten. Der perfekte Ort, um Kunstwerke zu zeigen.

Schwarz ist der Grundton. Los geht es mit einer pechschwarzen Latexstrumpfhose unter einem schwarzen Zweireiher mit weißem Revers, das sich wie ein Blitz über die Brust zieht. Das klingt erstmal kitschig, sieht aber tatsächlich sehr cool aus. Die Materialien bilden einen ebenso schönen Kontrast wie der weiße Streifen auf der Brust. An Bildern dieses Outfits kamen Modeinteressierte nicht vorbei auf Instagram.

AFP

Adut Akech in Givenchy

Fast genauso oft zu sehen war die große schwarze Rückenschleife, die zu einer Korsage und einem halbtransparenten Trompetenrock getragen wurde. Schönes, aber nutzloses Chichi - könnte man meinen, doch die Schleife ist ein Rucksack. Ist das die neue It-Bag? Auf jeden Fall ein so elegantes wie urbanes Accessoire.

Außer mit Schwarz zaubert die Waight Keller auch mit Weiß, Gelb, Fuchsia, Flieder und Blau, mit bunten Fransen und Pailletten. Die stärksten Teile sind jedoch schlicht schwarz. Klar, das sieht immer edel aus, hier liegt die Raffinesse in den Schnitten: hochgeschlossen, aber sexy. Die Britin verführt, ohne viel Haut zu zeigen. Schultern und Arme sind frei, der Rest meist bedeckt. Hier und da schimmert etwas Haut durch.

Für Herren zeigte Waight Keller fünf Outfits: einen gemusterten Frack, zwei Smokings -einmal mit Ornamenten und einmal in Elfenbein - außerdem eine Variation des Zweireihers mit dem Blitz-Revers und ein Smokinghemd zu einer weich fließenden Hose aus Seide. Alles solide, aber kein Vergleich zu den Damen.

War Clare Waight Keller vielen allenfalls als Designerin von Meghan Markles Hochzeitskleid bekannt, dürfte sie spätestens ab jetzt Modefans weltweit ein Begriff sein.

Karl Lagerfeld ist schon angekommen auf dem Mode-Olymp, sein Talent und seine Arbeitsmoral sind legendär. Umso größer war das Erstaunen, als der Meister am Dienstag seine beide Chanel-Schauen verpasste. Zum allerersten Mal in seiner Zeit bei dem französischen Label ist er am Ende des Defilees nicht aufgetreten. Der 85-Jährige sei zu erschöpft, hieß es aus dem Unternehmen. Deshalb habe er seine rechte Hand Virginie Viard gebeten, ihn im Grand Palais zu vertreten.

Viard arbeitet seit mehr als 30 Jahren für Lagerfeld und leitet inzwischen alle kreativen Abteilungen von Chanel. Ein würdiger Ersatz also. Und eine mögliche Nachfolgerin? Denn natürlich befeuerte die Abstinenz des Designers erneut Gerüchte um einen bevorstehenden Wechsel. Lagerfeld selbst weist solche Spekulationen bisher immer mit Hinweis auf seinen lebenslangen Vertrag zurück. Aber irgendwann ist der Moment gekommen, ab dem es nicht mehr geht. Doch noch scheint es nicht so weit zu sein.

Die neueste Chanel-Kollektion stellte Lagerfeld unter das Motto "Luxe, calme et sérénité" ("Luxus, Ruhe und Freude"). Anders als bei Givenchy geht es aber hier nicht ohne aufwendige Deko. Diesmal wurde ein italienischer Landsitz samt Pool nachgebaut. Davor zeigte Lagerfeld allerdings keine südländisch inspirierte Kollektion, das Frühjahr sieht er im Zeichen der französischen Mode des 18. Jahrhunderts.

Eröffnet wurde die Show mit einem Kostüm, Chanels Klassiker. Bouclé-Jacke und Rock sind aus silbernem Stoff. Der Rockschlitz lenkt den Blick auf die Schuhe, das Interessanteste am ganzen Outfit. Die Fersen sind frei und hochgestellt, der Spann mit Seide überzogen wie im Rokoko. Während alles oberhalb des Knöchels altbekannt ist, zeigt sich an den Schuhen, dass Lagerfeld immer noch zu den Besten gehört.

Bei Giorgio Armani war es andersrum: die Mode italienisch, die Kulisse französisch (das noble Hôtel d'Evreux im Stil Napoleons III.). Parallelen zeigten sich auch bei der Dramaturgie der Farben, der erste Look ein silbrig-grauer Hosenanzug. Danach wurde es aber schnell mehrfarbig: weiße Ornamente auf schwarzen Blazern, rote Linien auf dunkelblauer Seide, graue Streifen auf blassrosa Grund, schwarze Pailletten und dann ganz viel Blau-Rot-Kombinationen. Zum Schluss noch ein geblümtes Blazerkleid, gefolgt von acht Königinnen der Nacht in sexy Abendkleidern, und als Höhepunkt: die Braut, von Kopf bis Fuß verschleiert hinter Tüll und doch unübersehbar.

mit Material von AP

insgesamt 6 Beiträge
klima66 24.01.2019
1. Mode und Magersuht
Hallo SPON, im November ein Artikel wie schlimm es für die Hungerhaken - genannt Model - ist. Und nun wieder feste Bilder von der ach so schönen Mode-Welt - inkl. Größe 32 Damen. Schizophrenie !! [...]
Hallo SPON, im November ein Artikel wie schlimm es für die Hungerhaken - genannt Model - ist. Und nun wieder feste Bilder von der ach so schönen Mode-Welt - inkl. Größe 32 Damen. Schizophrenie !! http://www.spiegel.de/plus/mode-hartnaeckig-haelt-sich-das-ideal-der-jungen-duennen-frau-warum-a-00000000-0002-0001-0000-000161087525
Avagin Ste des infertiles 24.01.2019
2. Willkommen
Man muss den Eindruck gewinnen, dass auch die HC keine Träume mehr verkaufen kann, sondern nur noch Reste oder Awarenessersuchen aus kostbaren Geweben. Wo die Frauen in ihren Träumen nur noch den abgetragensten Klischee [...]
Man muss den Eindruck gewinnen, dass auch die HC keine Träume mehr verkaufen kann, sondern nur noch Reste oder Awarenessersuchen aus kostbaren Geweben. Wo die Frauen in ihren Träumen nur noch den abgetragensten Klischee nachhängen, tut es Rosé Chanel, Blacky de Givenchy oder auch Armani aus dem Sack. Man muss an die Mitford Schwestern denken einerseits und an diese neue Ikone der Stillosigkeit - diese emporgekommene Dutchess. Andererseits. Traumlos banal. Willkommen.
cobaea 24.01.2019
3.
Ich versteh ja nicht, worüber Sie hier so schnöden - nur, dass Ihnen offenbar eine "emporgekommene" Herzogin nicht passt. Nu ist das ja Ihr Geschmack, nur, was hat diese Herzogin mit Holland zu tun - von wegen [...]
Zitat von Avagin Ste des infertilesMan muss den Eindruck gewinnen, dass auch die HC keine Träume mehr verkaufen kann, sondern nur noch Reste oder Awarenessersuchen aus kostbaren Geweben. Wo die Frauen in ihren Träumen nur noch den abgetragensten Klischee nachhängen, tut es Rosé Chanel, Blacky de Givenchy oder auch Armani aus dem Sack. Man muss an die Mitford Schwestern denken einerseits und an diese neue Ikone der Stillosigkeit - diese emporgekommene Dutchess. Andererseits. Traumlos banal. Willkommen.
Ich versteh ja nicht, worüber Sie hier so schnöden - nur, dass Ihnen offenbar eine "emporgekommene" Herzogin nicht passt. Nu ist das ja Ihr Geschmack, nur, was hat diese Herzogin mit Holland zu tun - von wegen "Dutch"? Ohne Holland wäre sie eine "Duchess", auf für Euer Hochwohlgeboren.
dr_gb 25.01.2019
4. wg. "schnöden"
herrlich : "schnöden" -- mir nicht geläufig, bis jetzt *bedankt*; soviel denn auch zu zugleich sofort zu 'dutch', diewiel die coolen, netten, äusserst liebenswürdigen und innvoativen Niederländer so Danke sagen; [...]
Zitat von cobaeaIch versteh ja nicht, worüber Sie hier so schnöden - nur, dass Ihnen offenbar eine "emporgekommene" Herzogin nicht passt. Nu ist das ja Ihr Geschmack, nur, was hat diese Herzogin mit Holland zu tun - von wegen "Dutch"? Ohne Holland wäre sie eine "Duchess", auf für Euer Hochwohlgeboren.
herrlich : "schnöden" -- mir nicht geläufig, bis jetzt *bedankt*; soviel denn auch zu zugleich sofort zu 'dutch', diewiel die coolen, netten, äusserst liebenswürdigen und innvoativen Niederländer so Danke sagen; haben ja auch den Vorteil eines deutlich attraktiveren Staatsoberhaupts, als denn die nord-süd-östlichen teutonischen Nachbarn, die in der Vergangenheit auch nur sog. "empor-gekommene" auf die Insel ausandten, damit u.a. HRM Queen Vicky ihre Family-Gang auffrischen und erweitern konnte. Interessanterweise waren diese, und so einige andere, "Emporgekommene" äusserst erfolgreich, beliebt und weithin geachtet. Bis heute. Soweit, anmerkend, zum 'empor-kommen'. Anonsten spezifiziert in Kommentar 2 deutlich allein schon 'traumlos banal' und vor allem 'diese neue Ikone der Stillosigkeit' gerade das, was angestrengt kommentiert unentdeckt bleiben soll [?!] : traumlos profane Abneigung bar jeglich konstruktiver Critique. Forget it, Adieu !
foomen 25.01.2019
5. Warum
Gucken die Models eigentlich so bedöppert?
Gucken die Models eigentlich so bedöppert?

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