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Stil

"Joshua Tree Residence"

Das Sternen-Haus in der Wüste

Preiswert und doch einmalig: In der kalifornischen Wüste plant ein Londoner Architekt ein Ferienhaus aus Schiffscontainern. Der Clou: Aus jedem Zimmer sollen die Bewohner die Sterne sehen können.

James Whitaker
Mittwoch, 24.01.2018   03:58 Uhr

Frachtcontainer sind wind- und wasserdicht, äußerst robust, naturgemäß leicht zu transportieren, und es gibt sie schon für ein paar Tausend Euro. Aus diesem Grund tauchen die Stahlbehälter immer häufiger in der Architektur auf. Wie gut das aussehen kann, zeigt ein Projekt in der kalifornischen Wüste.

Unweit des Joshua Tree Nationalparks, wenige Autostunden von Los Angeles entfernt, baut der Londoner Architekt und Digitalkünstler James Whitaker aus zwölf weiß lackierten Schiffscontainern die "Joshua Tree Residence": knapp 200 Quadratmeter mit drei Schlafzimmern, die um einen zentralen Raum angeordnet sind.

Die Idee zu dem Bauvorhaben hatte Whitakers Auftraggeber, ein Filmproduzent, der namentlich nicht genannt werden möchte, als er mit Freunden in der Wüste unterwegs war und ihm einer seiner Begleiter ein Foto von Hechingen Studio zeigte. Das Konzept hatte Whitaker 2010 für eine Werbeagentur aus dem Schwarzwald entwickelt, die auf der Suche nach einem stylishen, aber preisgünstigen Firmensitz war.

Die Werbeagentur wurde nie gebaut, weil den Gründern das Geld ausging, aber für die "Joshua Tree Residence" sieht es besser aus. Der Bau soll 2018 auf einem 30 Hektar großen Grundstück beginnen. Für die Stromversorgung ist eine Solaranlage geplant, die gleichzeitig die Überdachung für den Parkplatz bilden soll.

Whitakers Design ist inspiriert von kristallinen Strukturen. Anhand eines imaginären Gitters ordnete der Londoner die Container um den in der Mitte liegenden Wohnraum an, anstatt sie einfach nur übereinander zu stapeln. Dass die einzelnen Module zusammenhalten, ist Aufgabe der Metallarbeiter, die für den Künstler Doug Aitken im Coachella Valley die Installation "Mirage" zusammengebaut haben: Im Prinzip ein innen und außen verspiegeltes Farmhaus.

Sobald die Container stehen und verschweißt sind, kümmert sich Whitaker um die Isolation und den Innenausbau. Viel ist dann nicht mehr zu tun, denn ein Großteil von Whitakers Arbeit wurde dafür verwendet, die verschiedenen Gebäudeteile so anzuordnen, dass der Raum in der Mitte des Hauses eine gute Aussicht in jede Richtung bietet. "Damit die Bewohner am Wochenende die Türen zu den Schlafzimmern öffnen, sich in die Mitte des Hauses stellen und den Sternenhimmel genießen können", so Whitaker.

Fotostrecke

Rundgang durch das Sternenhaus: Himmel, so weit das Auge reicht

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: Joshua Tree Residence.

Lage: In der Nähe des Joshua Tree Nationalpark, Kalifornien, USA.

Zimmerzahl: Drei Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnzimmer.

Garten: Garten vielleicht nicht direkt, aber das Haus steht in der Wüste. Natur ist also ausreichend vorhanden.

Extras: Rundumblick auf den Himmel, Terrasse mit Whirlpool.

Stilfaktor: Von außen betrachtet erinnert das Haus an einen Strauch, der in der Wüste wächst. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber im Prinzip geht es ja darum, was das Haus in seinem Innern zu bieten hat.

Neidfaktor: In der Wüste zu nächtigen, hat sicher seinen Reiz, kann aber auch ziemlich langweilig werden.

Wer fühlt sich hier wohl? Einsiedler, Cowboys mit "Architectural Digest"-Abo, Eidechsensammler.

Unbedingt mitbringen! Lesestoff, einen guten Staubsauger, Fernglas und Teleskop. Viel Wasser.

Nachbarn: Keine, ein paar Kojoten und Eidechsen vielleicht.

Unterhalt: Hin und wieder ein bisschen Fassadenfarbe, das dürfte es im Großen und Ganzen gewesen sein.

Weitere Infos: Mehr erfahren Sie in unserer Bildergalerie oder bei Whitaker Studio.

löw

insgesamt 24 Beiträge
Papazaca 24.01.2018
1. Container in der Hitze der Wüste?
In Afrika werden in heißen Gegenden oft Container verwendet. Dann wird aber über dem Containern eine Art schräges Flachdach instaliert. Diese Lösung läßt die heiße Luft zirkulieren, damit sich das Metall des Containers [...]
In Afrika werden in heißen Gegenden oft Container verwendet. Dann wird aber über dem Containern eine Art schräges Flachdach instaliert. Diese Lösung läßt die heiße Luft zirkulieren, damit sich das Metall des Containers nicht durch die direkte Sonneneinstrahlung auflädt. Das geht hier schlecht, das angestrebte Design wäre nicht zu verwirklichen. Bleibt nur eine Isolation bzw, Dämmung der Container von innen. Plus Airkondition. Mit anderen Worten: Vom Design sieht das Projekt interessant aus, wie das Problem der enormen Wüstenhitze gelöst wird ist mir ein Rätsel.
2cv 24.01.2018
2. schräge Container...
...sind "netto" nicht wirklich nutzbar, und damit nur als "Guckröhre" geeignet. Wenn man irgendeine Treppenkonstruktion, oder dann unterschiedliche Ebenen einbauen wollte, bleibt ausser für schreibtischgrosse [...]
...sind "netto" nicht wirklich nutzbar, und damit nur als "Guckröhre" geeignet. Wenn man irgendeine Treppenkonstruktion, oder dann unterschiedliche Ebenen einbauen wollte, bleibt ausser für schreibtischgrosse Areale (Kopfhöhe!) nicht wirklich viel Gewinn. Nun kann man argumentieren, in der Wüste bzw. als Logis für eine oder mehrere Nächte macht das nichts. OK. Für einen 24/7/365 Einsatz sind solcherlei Konzepte aber nicht sinnvoll nutzbar. Dennoch finde ich die Container-Bauweise prinzipiell charmant, und es wäre sicherlich schön, wenn Kommunen gegenüber einer "geeigneten Bauweise" (also nicht im Sinne von Trailer Parks a la USA, mit der entsprechenden Ghettobildung, aber im Sinne von modularem Gemeinschaftswohnen) auch in Deutschland offener gegenüber stehen würden, und nicht aus Gestaltungsgründen solche preisgünstigen Bauvorhaben in der Regel kategorisch ablehnen...!
nadennmallos 24.01.2018
3. Interessant, ohne Frage ...
.. hätte nicht gedacht, dass sowas in die Wüste passt, sieht aber gut aus. Hätte schon Lust ein paar Tage da drinnen zu verbringen.
.. hätte nicht gedacht, dass sowas in die Wüste passt, sieht aber gut aus. Hätte schon Lust ein paar Tage da drinnen zu verbringen.
sametime 24.01.2018
4. Sinnfrei
Das kommt heraus, wenn außer Design gar nichts eine Rolle spielt. Das Ding ist extrem unpraktisch, allein der Zugang zum Bett. Extrem ungemütlich eingerichtet ist das auch noch alles. Das ist kein Haus für Menschen sondern ein [...]
Das kommt heraus, wenn außer Design gar nichts eine Rolle spielt. Das Ding ist extrem unpraktisch, allein der Zugang zum Bett. Extrem ungemütlich eingerichtet ist das auch noch alles. Das ist kein Haus für Menschen sondern ein Objekt zum ansehen. Mehr nicht.
bismarck_utopia 24.01.2018
5. Noch zu scharfe Ecken
Nicht schlecht, aber abgesehen von der fraglichen verkehrsmäßigen Zugänglichkeit, weiß ich nicht, ob das etwas für eine Familie mit Kindern sein könnte, die gegen doch recht scharfe Ecken stoßen könnten.
Nicht schlecht, aber abgesehen von der fraglichen verkehrsmäßigen Zugänglichkeit, weiß ich nicht, ob das etwas für eine Familie mit Kindern sein könnte, die gegen doch recht scharfe Ecken stoßen könnten.

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