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Stil

Mailänder Modewoche

Küren Sie den schönsten Look!

Prada zieht in den Krieg und Versace ins Fantasialand: In Mailand werden derzeit Ideen für die nächste Wintermode präsentiert. Von düster bis kunterbunt ist alles dabei. Welcher Look ist Ihr Favorit? Stimmen Sie ab!

Montag, 14.01.2019   12:52 Uhr

Miuccia Prada ist eine aufmerksame Beobachterin des Zeitgeschehens. Ihre Mode bildet meist gut ab, was die Welt (oder zumindest Teile davon) bewegt: Im vergangenen Jahr hatte die promovierte Politologin eine Kollektion zusammengestellt, die klassische Kleidungsstile aufmischen und die Garderobe für freiheitsliebende Lebensstile sein sollte. Diesmal ging es in ihrer Fondazione Prada strenger zu.

Die aktuelle politische Situation empfinde sie als "schwierig, gefährlich und kochend", sagte Prada nach der Modenschau am vergangenen Sonntag. Alles, was ihr angesichts dieser Misere eingefallen sei, seien militärische Looks gewesen. Gürtel, Fellkrägen, Epauletten, Achselschnüre: Es sind vor allem Paradeuniformen, die der Mailänderin als Inspiration dienten.

Wirklich martialisch sahen die Outfits dann aber nicht aus. Dafür hatten sie zu viele farbige Details wie aufgestickte Blüten oder Herzen. Die Grundfarben sind Schwarz und Dunkelblau. Zunächst zu sehen in Form eleganter Herrenanzüge, die Jacketts offen und auf nackter Haut getragen. Nackte Haut auch weiter unten, die Hosen enden über den Knöcheln. Für die Damen hatte Miuccia Prada ebenfalls Anzüge im Gepäck. Außerdem Bustiers, schulterfreie Cocktailkleider mit eleganten Ausschnitten und dicke Strickpullis.

John Richmond entdeckt die Nachhaltigkeit

Militärisch zackig war es auch auf dem Laufsteg des britischen Designers John Richmond, der fast schon mit zwei Kollektionen nach Mailand zurückgekehrt ist: dunkle Militärlooks für Männer und knappe Kleider für Frauen. Krieger und Starlets - diese Kombination wirkte angesichts aktueller Debatten allerdings ein wenig befremdlich.

Dabei waren die Details durchaus interessant. Zum Beispiel die mit japanischen Motiven bestickten, recycelten Uniformstoffe oder die mit Pailletten verzierten, aufgearbeiteten Levi's. "Wir müssen nicht noch mehr Jeans produzieren, davon gibt es bereits genug", sagte Richmond, der die Nachhaltigkeit für seine Marke entdeckt hat. Das sei definitiv keine einmalige Sache, versprach er, sondern ein Thema für die Ewigkeit.

Das mit vier Jahren noch relativ junge Label Sunnei zeigte in Mailand diesmal seine erste komplett gemischte Kollektion: oversized Silhouetten, mehrlagige Looks, bodenlange Schals, schwerer Strick, diese Kreationen können kaltes Wetter ab. Eines der Highlights war eine taillierte Bluse, die oben mit einem Kragen aus Schafsfell geschlossen wird. Dazu kombinierten die beiden Designer eine knielange Mischung aus Rock und Hose.

Versace bleibt sich treu

Mit Spannung erwartet wurde die erste Versace-Präsentation, seitdem das Modehaus vergangenes Jahr von der Holding des US-Designers Michael Kors gekauft worden war. Fans der Marke dürften beruhigt sein, der neue Besitzer ist klug genug, nichts am typischen Versace-Look zu ändern. Soll heißen: Es bleibt quietschbunt und wild, was vor allem daran liegt, dass Donatella Versace an Bord geblieben ist und auch weiterhin das Design verantwortet.

Neben dem obligatorischen Versace-Logo experimentierte die 63-Jährige diesmal mit Bondage-Motiven als Muster. Ein rotes T-Shirt war mit einem Ledergeschirr bedruckt, wie es in der SM-Szene getragen wird. Dazu passen knappe Slipdresses und Lederkleidchen. Auffallendstes Teil bei den Männern war ein Zweiteiler im Tigerenten-Look. Vielleicht nicht unbedingt für jeden geeignet, aber definitiv das richtige für die kalte Jahreszeit. Oder was meinen Sie? Stimmen Sie ab!

Und so geht's: Sie sehen immer zwei Fotos im Vergleich. Klicken Sie auf das Outfit, das Ihnen besser gefällt. Das andere verschwindet, ein neues erscheint - am Ende bleibt Ihr Lieblingslook übrig.

löw / mit Material von AFP

insgesamt 3 Beiträge
dasfred 14.01.2019
1. Ich bin ein wenig enttäuscht
Kein richtiges Whow Outfit. Der rot schwarze Pullover von Versace gefiel mit noch am ehesten. Sowas habe ich länger nicht gesehen. Ansonsten einiges gut Tragbares, zwei gelbe Schrankleichen, für die man nie einen Anlass findet [...]
Kein richtiges Whow Outfit. Der rot schwarze Pullover von Versace gefiel mit noch am ehesten. Sowas habe ich länger nicht gesehen. Ansonsten einiges gut Tragbares, zwei gelbe Schrankleichen, für die man nie einen Anlass findet und so ein paar "kann man tragen, muss man aber nicht" Teile.
Uwe, Agentin der Liebe 15.01.2019
2. Ich nicht
Der pinkfarbene Mantel von Versace ist phantastisch. Ich neige auch eher zu der Ansicht, dass Mode erst dann Mode ist, wenn es keinen Anlass für sie gibt. Ich betrachte sie als autonom. Mit Anlass ist Mode Kleidung. Von mir aus [...]
Der pinkfarbene Mantel von Versace ist phantastisch. Ich neige auch eher zu der Ansicht, dass Mode erst dann Mode ist, wenn es keinen Anlass für sie gibt. Ich betrachte sie als autonom. Mit Anlass ist Mode Kleidung. Von mir aus adäquate Kleidung. Also Normierung. Öd.
Papazaca 17.01.2019
3. Klapperdürre und verschnürte Männer
Humor kann man überall finden, auch auf einer Modenschau in Mailand. Diesmal fallen die Männer besonders ins Auge. John Richmonds Dressman ist so klapperdürr, das man ihm am liebsten gleich zum Essen einladen möchte. Prada [...]
Humor kann man überall finden, auch auf einer Modenschau in Mailand. Diesmal fallen die Männer besonders ins Auge. John Richmonds Dressman ist so klapperdürr, das man ihm am liebsten gleich zum Essen einladen möchte. Prada schickt einen mit Ledergürteln mehrfach verschnürten Mann ins Rennen. Hat das eine tiefere Bedeutung? Sunnei's japanischer Ponchodress ist halboriginell und harmlos, selbst ich würde den tragen. Der absolute Hingucker ist Versace mit einem rosa Mantel und einem gestreiften Pyjama darunter, der aber natürlich ein Anzug ist. Plus eines der kitschigen Versace Hemden. Wer so irgendwo auftaucht, wird das Highlight des Abends (lach) inklusive Risiken und Nebenwirkungen. Da wirkt John Richmonds Frau mit Schleife wie ein Geschenk. An sich selbst? Den besten Dress hat für mich das afrikanische Prada-Model an, wobei am meisten das Käppi mit den synthetischen Fellstücken auffällt. Ja, so eine Modenschau macht nachdenklich. Es wird mir klar, wie langweilig mein Outfit ist. Vielleicht setze ich einfach mal eine Zorro-Maske auf und fahre ein Tag Straßenbahn in einer deutschen Großstadt. Dann komme ich auch um den Kauf des rosa Versace-Mantels rum und falle trotzdem auf. Jetzt werde ich aber erstmal in die normale Welt zurückkehren, einen Morgenkaffee trinken und darüber nachdenken, wie langweilig wir angezogen sind. Außer Karl Lagerfeld.

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