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Matthias Schweighöfer über L.A.

"So'n bisschen Wannsee"

Matthias Schweighöfer zieht nach L.A. Mit Christine Kruttschnitt und Brigitte Steinmetz sprach der Schauspieler über seine Lieblingsplätze, die besten Poolpartys und Joggingstrecken.

imago/ POP-EYE
Sonntag, 24.06.2018   18:39 Uhr

Auf der Dachterrasse des London-Hotels in Los Angeles fällt der blonde Star aus Deutschland nicht besonders auf, weil hier alle so aussehen wie er: nämlich gut. Fit. Charmant. Der blonde Schopf lässig gestylt, noch Puder im Gesicht vom Fotoshoot am Strand von Santa Monica. Matthias Schweighöfer, 37, ist mit zwanzigköpfiger Entourage aus Germany angereist, um die Premiere der zweiten Staffel seiner Cyber-Crime-Serie "You Are Wanted" in Hollywood zu feiern.

Für die Amazon-Streaming-Abteilung ist der auf Deutsch in Berlin gedrehte Thriller die erfolgreichste Serie, die sie bislang in Deutschland und Österreich gezeigt hat. Da Amazon genau wie Netflix keine Zuschauerzahlen veröffentlicht, muss das aber nicht viel heißen. Jedenfalls waren es genug für eine zweite Staffel. Und während Kritiker im Inland nicht ganz so begeistert von Schweighöfers Hacker-Abenteuer waren ("liebenswert misslungen, aber Spaß macht es trotzdem"), nannten angelsächsische Kollegen die Reihe "die teutonische Version von 'Mr Robot'", lobten die "faszinierende Produktionsqualität" und schwärmten gar, der Hauptdarsteller gleiche dem britischen Sexsymbol Tom Hiddlestone.

Die Autorinnen

SPIEGEL ONLINE: Herr Schweighöfer, hätte es Berlin als Premieren-Tatort nicht auch getan?

Schweighöfer: Ja, klar, das war echt eine Ehre für uns. Es war cool und irgendwie auch absurd - ich war so kaputt vom Jetlag: Gerade spiele ich noch ein Konzert vor 5000 Leuten in Leipzig, und 48 Stunden später stehe ich auf dem Sunset Boulevard in Hollywood und gebe Interviews.

SPIEGEL ONLINE: Träumen Sie von Hollywood?

Schweighöfer: Das Business fasziniert mich - aber ich bin nicht abhängig davon. Soll heißen: Ich würde gern, aber ich muss hier nicht arbeiten. Zu Hause habe ich meine Firma mit 70 Angestellten und meine Eigenständigkeit - wenn Hollywood mich nicht will, bricht keine Welt zusammen. Ich mag aber L.A., die Stadt, einfach sehr gern.

SPIEGEL ONLINE: Was denn?

Schweighöfer: Man wird immer freundlich begrüßt, auch wenn das oberflächlich ist. Wildfremde Leute sagen zu einem: I like your shoes, oder I like your car, looks expensive, looks cool, I like it! Diese Leichtigkeit macht das Leben einfacher.

SPIEGEL ONLINE: Sie verbringen diesen Sommer in Los Angeles. Wo werden Sie wohnen?

Schweighöfer: Ich miete ein Haus in den Hills.

SPIEGEL ONLINE: Deutsche zieht es normalerweise ans Meer.

"Ich bin nicht beach-ig, kein Klub-Typ"

Schweighöfer: Ich bin nicht beach-ig. Ich liebe es, am Hang zu sitzen und über alles drüber zu gucken. Einmal habe ich bei Roland Emmerich im Pool-Haus gewohnt. Er hat eine fantastische Villa hier mit Blick über die ganze Stadt. Wenn ich frühmorgens in den Hills joggen war, zischten überall in den Gärten die Wassersprenger: Wie das riecht! Nach Gras und Platanen, großartig.

SPIEGEL ONLINE: Die Villa liegt an einem der populärsten Stadtparks, dem Runyon Canyon - sind Sie da auch hingejoggt?

Schweighöfer: So steil…, aber gut für den Po! Ich renne am liebsten den Sunset Boulevard entlang. Und wenn ich an einem "Open House" vorbeikomme, schaue ich es gleich an.

SPIEGEL ONLINE: Ach, Sie interessieren sich für Immobilien in Beverly Hills?

Schweighöfer: Nein, die sind krass, viel zu groß. Ich würde lieber in West Hollywood wohnen.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht wegen der Musik-Klubs und Bars? Hier am Sunset Strip liegt der berühmte Viper Room, das Roxy.…

Getty Images

Tür vom Viper Room

Schweighöfer: Ne, ich bin kein Klub-Typ, ich mag's lieber grün.

SPIEGEL ONLINE: Fühlen Sie sich von einer bestimmten Architektur angezogen?

Schweighöfer: Ich mag Backsteine, Holz, und hier gibt's superschöne Giebeldächer,… aber auch ein ganz schlichtes Betonblöckchen könnte mir gefallen. Ich überlege tatsächlich, ob ich mir ein Haus kaufe. Dann wäre ich gezwungen, mal ein, zwei Jahre hier zu leben - könnte ich das überhaupt? Das würde ich gern herausfinden. Mein Leben, meine Familie ist in Deutschland: Aber mal rauszugehen, wäre vielleicht ganz gut.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten pendeln.

Schweighöfer: Ja, sieben, acht Monate in Deutschland arbeiten, dann wieder Los Angeles…. Es ist schon schön hier.

SPIEGEL ONLINE: Wohin würden Sie Freunde oder Ihre Familie führen?

Schweighöfer: Zum Wassertank auf dem Warner-Studiogelände: Der ist sehr beeindruckend. Das muss man gesehen haben, wenn man hier ist! Und mit meinen Kindern würde ich auf jeden Fall die Universal-Studio-Tour machen.

SPIEGEL ONLINE: Und mit erwachsenen Gästen?

Schweighöfer: Wenn ich Single und mit meinen Jungs unterwegs wäre, würde ich definitiv die Poolparty im Mondrian-Hotel empfehlen an einem Freitag- oder Samstagabend: Das ist Las Vegas in L.A.!

SPIEGEL ONLINE: Sie fahren gern Auto. Haben Sie eine Lieblingsstrecke in der Stadt?

Schweighöfer: Ich nehme gern den Mullholland Drive. Da gibt es eine Aussichtsplattform überm San-Fernando-Valley: Dort bin ich mal mit meiner Mutter gelandet, sie war begeistert. Seitdem fahre ich jedes Mal, wenn ich in der Stadt bin, zu dieser Stelle und mache Fotos, muss sein.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben ein Selbstporträt im feuerroten Pullover auf Instagram gestellt.

Schweighöfer: Von den Chicago Bulls! Würde ich nie kaufen in Deutschland. So was passt nur nach L.A.

Ich habe mir nen roten Pulli gekauft.����‍♂️ #losangeles #youarewanted

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SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von Hipster-Stadtvierteln wie Silverlake?

Schweighöfer: Finde ich ganz gut, aber nicht meine Welt.

SPIEGEL ONLINE: Erinnert Sie zu sehr an den Prenzlauer Berg?

Schweighöfer: Genau - was ich an L.A. mag, ist diese Kombination aus Berlin-Mitte und so'n bisschen Wannsee.

SPIEGEL ONLINE: Amerikaner stehen auf Berlin: Wie toppt L.A. Ihre Heimatstadt?

Schweighöfer: Ganz klar mit dem Wetter. Und das Essen hier ist unfassbar. Ich war heute mittagessen im Delphine auf dem Hollywood Boulevard. Der Tuna Tartar! Wahnsinn.

SPIEGEL ONLINE: Welches Restaurant steuern Sie zuverlässig an, wenn Sie herkommen?

Schweighöfer: Mel's Drive-in am Sunset Boulevard, gleich hier um die Ecke. Ich empfehle den Banana-Oreo-Milkshake.

insgesamt 5 Beiträge
j2011 30.06.2018
1. Ich hasse LA
Viel zu oberflächlich und widernatürlich. Wenn Herr Schweighöfer von Wassersprengern und schönem, grünen Rasen schreibt, frage ich mich, ob er mal an die Umwelt gedacht hat und wo das Wasser herkommt. Hollywood von heute ist [...]
Viel zu oberflächlich und widernatürlich. Wenn Herr Schweighöfer von Wassersprengern und schönem, grünen Rasen schreibt, frage ich mich, ob er mal an die Umwelt gedacht hat und wo das Wasser herkommt. Hollywood von heute ist auch nur noch eine Ansammlung von Möchtegern-Sternchen und Eintagsstars. Früher war das eine Lebens- und Arbeitswelt, ähnlich wie in der Industriegesellschaft die Menschen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnten, nur ein bisschen mondäner. Da konnte man noch gut dort leben. Jetzt frisst ein Haifisch den anderen. Nach einiger Zeit in LA zieht es einen nach Seattle, wo man mehr deutsches Wetter erleben kann. Es ist auch schön, wenn es mal regnet.
Augustusrex 30.06.2018
2. Wer
ist denn dieser Schweighöfer?
ist denn dieser Schweighöfer?
rico76 30.06.2018
3. Ein Grund mehr...
... seine Serie doch nicht anzuschauen - hatte schon überlegt, nun endgültig doch nicht. Wer L.A. sooo schön findet, ist selbst oberflächlich und egoman. "Toll", wie die Wassersprenger täglich stundenlang sprühen, [...]
... seine Serie doch nicht anzuschauen - hatte schon überlegt, nun endgültig doch nicht. Wer L.A. sooo schön findet, ist selbst oberflächlich und egoman. "Toll", wie die Wassersprenger täglich stundenlang sprühen, während die natürlichen und künstlichen Wasservorräte, wie der Lake Powell historische Niedrigwasserstände verzeichnen. Geht's noch!? Der V8 schnurrt fröhlich über den Sunset Blvd., Innenräume werden gnadenlos auf 20 Grad heruntergekühlt und Toiletten spülen wie tsunamiartig. Wenn Herr Schweighöfer mal Zeit hat, von Las Vegas kommend über die I15 auf L.A. zuzufahren und glaubt, die erschreckend braun-gelbe Glocke am Horizont wäre ein verheerender Waldbrand, irrt er - es ist eine unglaubliche Smogglocke, die L.A. permanent einhüllt - und er atmet ES mit jedem Zug ein. L.A. ist sooo schön... Als Kurzzeittourist sicher alles interessant, für den Moment beeindruckend und eines der Sinnbilder der USA - aber auf den zweiten Blick und mit europäischem Verstand betrachtet, blanker Wahnsinn. Eine schillernd bunte Seifenblase voller Träume, Illussionen, Täuschung und Enttäuschung gleichermaßen, unvorstellbarer Reichtum und Armut nebeneinander. L.A. ist sooo schön...
Innoa 01.07.2018
4. Ach, Christine, Brigitte...
... wird man so wie ihr, wenn man bequem wird, mit der Zeit, wa? // "There are people whose watch stops at a certain hour and who remain permanently at that age." -- Charles A. Sainte-Beuve
... wird man so wie ihr, wenn man bequem wird, mit der Zeit, wa? // "There are people whose watch stops at a certain hour and who remain permanently at that age." -- Charles A. Sainte-Beuve
FrieFie 01.07.2018
5.
Nun steht der Artikel schon tagelang online, und kaum eine Reaktion? Liegt das daran, dass sich niemand für Schweighöfer interessiert, oder an dem total oberflächlichen, belanglosen Interview? Das steht nichts, was man nicht [...]
Nun steht der Artikel schon tagelang online, und kaum eine Reaktion? Liegt das daran, dass sich niemand für Schweighöfer interessiert, oder an dem total oberflächlichen, belanglosen Interview? Das steht nichts, was man nicht einer Kurzfassung eines Reiseführers entnehmen könnte. Joggenauf dem Sunset-Boulevard, Auto fahren auf dem Mulholland drive, Party jedes Wochenende auf der Hotelterasse... und natürlich die Aussicht über die Stadt. So wie in jeder Stadt die Aussicht von hoch droben schön ist, weil man die Hässlichkeit und Probleme von da aus nicht sehen kann, sondern nur das Glitzern. Dazu das poetische Rauschen von Rasensprengern und die Komplimente zum teuren Auto und den geilen Klamotten... was will man mehr? Wenn so viel Oberflächlichkeit als "Leichtigkeit" empfunden wird, ist man mal wieder froh, nicht in einem solchen Umfeld zu leben und zu arbeiten - Berühmtheit und Kohle hin oder her. Ja, ich finde, Schweighöfer sollte da eine Weile leben und mal im Stau stehen, sich überlegen woher das Wasser kommt mit dem er seinen Garten wässert und vielleicht entdecken, dass 90% der Stadt irgendwie anders sind, dass diese 90% aber auch dazu gehören... so wie Berlin nicht nur aus Mitte und Wannsee besteht. Zum Glück.

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