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Royal Wedding Dress

Im Auftrag ihrer Majestät

Wer Meghan Markles Hochzeitskleid entworfen hat, ist streng geheim. Als Favorit gilt ein britisches Designerduo. Fest steht nur, der Auftrag ist wie ein Lottogewinn: einträglich, aber auch folgenschwer.

Getty Images
Von
Freitag, 18.05.2018   12:05 Uhr

Das Hochzeitskleid für Meghan Markle ist der größte Auftrag in der Modebranche 2018. Noch ist nicht bekannt, wer es gemacht hat, doch eines ist klar: Dieser Job ist ein Lottogewinn. Als Kate Middleton 2011 in ihrer langärmligen Robe aus der Kutsche stieg, sahen das Millionen Menschen. Modekritiker von Neuseeland bis New York überschütteten die Designerin Sarah Burton mit Lob.

Brautmodenausstatter begannen sofort mit den Skizzen für Imitate des elfenbeinfarbenen Seidenkleids, dessen Spitzenoberteil Kate mit floralen Motiven (die englische Rose, die schottische Distel, der walisische Lauch und das nordirische Kleeblatt) als Symbole des Königreichs Großbritanniens hatte besticken lassen. "Buchstäblich am nächsten Tag wollte jeder lange, bestickte Ärmel - im Jahr danach war keine Spitze mehr zu bekommen, es war verrückt", erinnert sich die Londoner Designerin Naomi Neoh.

Der große Tag besiegelte nicht nur den Bund zwischen Middleton und ihrem Prinzen, er war auch der Beginn einer Geschäftsbeziehung, deren Wert die geschätzten 250.000 Pfund für das Kleid weit übersteigt. Zum einen, weil so ein Werbeeffekt unbezahlbar ist, zum anderen arbeitete Sarah Burton seitdem häufiger für die Windsors. Für die Hochzeit ihrer Schwester Pippa - die mit der Wahl ihres Brautkleids den britischen Designer Giles Deacon in neue Sphären katapultierte - wählte die Herzogin von Cambridge wieder eine Kreation von Burton. Für ihren Verdienst um die britische Modeindustrie wurde die Designerin 2012 zum Officer des Order of the British Empire ernannt.

Das Königshaus ist ein wichtiger Impulsgeber für die britische Wirtschaft. Die Analysefirma Brand Finance beziffert den Wert der durch die Markenentscheidungen der Windsors ausgelösten Medienberichte und Kaufanreize auf 200 Millionen Pfund pro Jahr.

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Royale Influencer: Was in einem Kleid steckt

Seit ihrer Liaison mit Prinz Harry gehört auch Meghan Markle zu den royalen Influencern. Die Modewebsite Lyst bewertet ihren Einfluss größer als den der Kardashians oder den Topmodel-Schwestern Gigi und Bella Hadid. Längst haben Modeseiten eigene Was-Meghan-trug-Rubriken. Zu ihrem ersten gemeinsamen Auftritt mit ihrem Verlobten ist dort notiert: Artitzia und Mackage. Beides kanadische Marken - schließlich stand ein Termin in Toronto an.

Laut Elisa Dahan, Co-Gründerin des Labels Mackage, beschert ein solcher Moment 1,6 Milliarden Werbekontakte. Innerhalb von 24 Stunden. Das entspricht einem Werbebudget von 20 Millionen US-Dollar, wie die Branchenseite "Business of Fashion" ausgerechnet hat. "Das haben wir noch nie erlebt. Royals haben mehr Einfluss als alle, die sonst unsere Sachen tragen", so Dahan. Zu ihrer Freude wählte Markle eine Lederjacke - ein klassischer Biker in Aubergine - und keinen der Daunenparkas, für die ihre Marke bislang hauptsächlich bekannt war.

Die Frage, wer das Hochzeitskleid designt hat, ist also keine unerhebliche. Google News liefert dazu Hunderttausende Einträge. Natürlich alles Spekulation, denn außer der Braut und einem kleinen Kreis Eingeweihter weiß es keiner. Auch wenn die "Daily Mail" etwas anderes behauptet. Diese Information ist das derzeit wohl am besten gehütete Geheimnis der Modewelt.

Video: Royal Wedding in Zahlen

Foto: Reuters; SPIEGEL ONLINE

Viele gehen davon aus, dass Markle einen britischen Couturier wählt wie Kate. Das symbolisiert die Zugehörigkeit zu dem Land, das ja nun auch ihr Land ist. Auch Zara Phillips, zweitältestes Enkelkind von Königin Elizabeth II., zeigte Heimatverbundenheit. Sie trug ein Modell des königlichen Schneiders Stewart Parvin. Harrys verstorbene Mutter Diana überraschte 1981 mit ihrer Wahl des Designerpaars David und Elizabeth Emanuel, das gerade erst vom Royal College of Art kam.

Heißer Favorit für das aktuelle Brautkleid sind Tamara Ralph und Michael Russo. Das Designerduo mit australischen Wurzeln gehört zu dem überschaubaren Kreis an Kandidaten, die infrage kommen. Schließlich sollte das Label nicht nur eine Verbindung zum Königreich haben. Für so ein Ausnahmekleid sind auch Kompetenz und Arbeitskraft vonnöten. Ein wenig Glamour schadet auch nicht.

Das einzige britische Modehaus mit Haute Couture

Das alles trifft auf Ralph & Russo zu. 2007 in London gegründet, ist es das derzeit einzige britische Modehaus, das zu den Haute-Couture-Schauen in Paris geladen wird. Das war zuvor 100 Jahre lang niemandem aus Großbritannien vergönnt (und Australiern noch nie). In ihrem Atelier in Knightsbridge arbeiten 200 Näherinnen daran, die von Tamara Russo entworfenen Mädchenträume Realität werden zu lassen.

Der Kundinnenkreis ist erlesen: Beyoncé, der Kardashian-Clan, Angelina Jolie und Kylie Minogue tragen die von vielen Kritikern als zu klassisch verpönte Marke. Und Meghan Markle.

Ihr Verlobungsfoto zeigt sie in einem hauchzarten Chiffondress, dessen Oberteil mit einem Blättermotiv bestickt ist. Das schwarze Kleid sorgte erwartungsgemäß für Wirbel, nicht nur weil es an Meghan Markle zu sehen war. Auch der Preis von 56.000 Pfund war für Klatsch gut. Vor allem aber ist es obenrum transparent (weshalb darunter ein hautfarbener Body war, alles andere wäre in diesen Kreisen undenkbar).

Wer sonst noch infrage kommt

Neben Ralph & Russo gäbe es noch ein paar weitere Kandidaten, die alle oder zumindest die wichtigsten Royal-Wedding-Kriterien erfüllen und den Geschmack der Braut erwiesenermaßen treffen: Burberry (gerade mitten in einem Designerwechsel), Alexander McQueen (nach Kate eigentlich ein No-Go), Giles Deacon (trug schon Pippa), Victoria Beckham (hat bereits dementiert) oder der britisch-kanadische Designer Erdem Moralioglu (eleganter, femininer Stil, sicher eine gute Wahl). Außerdem steht Markle auf Elie Saab (Hauptsitz im Libanon) und J. Mendel (mit russischen Wurzeln derzeit undenkbar).

Mehr royaler Stil

Vielleicht entscheidet sich Meghan Markle auch für zwei Designer. Schließlich wird nach dem offiziellen Part in der St. George's-Kapelle und im Schloss Windsor noch weiter gefeiert. Der gemütliche Teil findet abends in Frogmore House auf dem Schlossgelände statt. Dort werden 200 Gäste erwartet, denen Markle sicher nicht in ihrem Kirchenkleid gegenübertreten wird. Ihre Vorgängerin Kate wählte für diesen Part noch mal Sarah Burton.

Womöglich ist es aber auch gar nicht so ein Glück als der Designer des Brautkleides auserkoren zu werden. Elizabeth Emanuel sagte 2011 der BBC über ihre Arbeit für Diana: "Es ist ein zweischneidiges Schwert. Du wirst überschwemmt mit Anfragen, aber es wird für immer das einzige sein, womit die Leute dich in Verbindung bringen."

mit Material von dpa

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