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Das Hochzeitskleid

Wie im Märchen, nur anders

Keine Stickereien, kein Tüll: Das Brautkleid war von Givenchy und von einer Schlichtheit, die überraschte.

Foto: REUTERS
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Samstag, 19.05.2018   14:21 Uhr

Überraschung geglückt. Was hatte die Modewelt im Vorfeld darüber gerätselt, wer das Brautkleid für Meghan Markle entwerfen durfte. Am Ende war es keiner der vielen Kandidaten, die vor allem vom britischen Boulevard gehandelt wurden.

Sondern: Das betont schlichte Seidenkleid wurde von Clare Waight Keller entworfen. Eine britische Designerin, die nach Stationen bei Calvin Klein, Ralph Lauren, Gucci und Chloé derzeit für Givenchy arbeitet, wo sie die erste Frau an der Spitze ist.

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Fotostrecke: Die Geschichte von Meghan Markles Brautkleid

Hubert de Givenchy war bekannt für schlichte Haute Couture, nicht atemberaubend, aber fesselnd. In diesem Sinne designte Keller Meghan Markles Brautkleid: U-Boot-Kragen, lange Ärmel und Doppelschleppe - keine Stickereien, kein Tüll. Das pure Understatement.

Einzig die Tiara (ein Erbstück von Harrys Ururoma) und der lange Tüllschleier machten deutlich, dass hier königlich geheiratet wird. Die fünf Meter aus Seide und Organza sind handbestickt mit floralen Motiven aus allen 53 Commonwealth-Staaten, Winterblüten - als Symbol für den Kensington Palace und Meghan Markles neues Zuhause - sowie Goldmohn, die offizielle Staatsblume ihres Heimatstaates.

AFP

Meghan Markle auf dem Weg zum Altar

"Ich bevorzuge den klassischen und schlichten Stil mit modernem Dreh", hatte Markle im März 2016, bevor sie Harry traf, in einem Interview des Magazins "Glamour" ihr Traumhochzeitskleid beschrieben. "Eigenwillige oder leicht romantische Hochzeitskleider", nichts Pompöses. Als Lieblingsdesigner nannte sie damals Elie Saab und J. Mendel, als Lieblingsbrautgewand das schlichte Kleidchen von Narciso Rodriguez, das Carolyn Besette Kennedy 1996 trug.

Ein derart zurückhaltendes Kleid wäre in der riesigen St.-Georges-Kapelle allerdings untergegangen. Und als Schauspielerin mit 15 Jahren Erfahrung weiß Markle sehr gut um die Bedeutung und Wirkung von Bildern. Ihre Trauung ist eines der Medienereignisse des Jahres. Ein Tag für die Geschichtsbücher. Hier galt es außerdem ein Märchen aufzuführen - auch wenn es kein klassisches Prinzessinnenkleid gab. Der Prinz heiratet das einfache Mädchen aus dem Volk. Nicht zuletzt ist so eine Hochzeit immer auch eine Gelegenheit, dem Königshaus ein neues Image zu verpassen.

Meghan Markle ist die Idealbesetzung

Für ihre neue Rolle ist Meghan Markle die Idealbesetzung. Sie hat Karriere gemacht, sie ist nicht weiß und wurde von einer Alleinverdienerin großgezogen (die als einzige Vertreterin ihrer Familie anwesend war und ein pistazienfarbenes Kleid trug). Die ersten Meter zum Altar legte die Braut denn auch allein zurück. Das Bild einer starken unabhängigen Frau. Sie bringt kalifornische Coolness und Showbiz-Glamour ins Königreich.

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Doch für ihre neue Rolle musste Meghan Markle ihre Optik verändern. Stil und Sitten der britischen Royals sind althergebracht. Die Garderobe ist konservativ. Seit der Verlobung sind die Silhouetten skulpturaler geworden, untenrum länger und oben sitzt nun oft ein Hut. Doch Markle dehnt den engen Rahmen, den das Protokoll vorgibt.

Als neuestes Mitglied des Königshauses hat sie ihren eigenen Stil definiert, kleidet sich klassisch, aber besonders. Sie tauscht spießige Röcke gegen schlanke Hosen wie neulich, als sie bei einem offiziellen Anlass einen raffinierten Hosenanzug passend zu Harrys Outfit wählte. Oder sie trägt zwei unterschiedliche Ohrringe, wie die BBC neulich beobachtete.

Der Bräutigam hatte es einfacher

Nichtsdestotrotz musste die Hochzeitsrobe der Umgebung gerecht werden. Als Ruhestätte vieler Könige und Königinnen hat St. Georges große Bedeutung. Auf dem Weg zum Altar musste die Braut über tote Monarchen laufen, darunter auch die Eltern von Königin Elizabeth II. Ein ärmelloses Kleid wäre hier zu freizügig gewesen oder hätte von einem Jäckchen oder Spitzen-Bolero verdeckt werden müssen. Meghans Kleid erfüllte all diese Voraussetzungen. Respektabel und angemessen, im Schnitt und den Konturen ein bisschen aufregend, aber doch hochgeschlossen am Hals.

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Prince Harry und Meghan Markle

Der Bräutigam hatte es einfacher. Unter seinen vielen Uniformen wählte er, wie erwartet worden war, die Paradeuniform (Number One Dress) mit Gehrock der Blues and Royals, ein Gardekavallerieregiment, dem Harry und William angehören. So weit, so normal. Eine Neuheit ist dagegen sein Ehering. Anders als Prinz Charles, Prinz William und alle davor hat sich Harry entschieden, einen zu tragen, geschmiedet aus Platin vom Londoner Juwelier Cleave and Company. Der Ring der Braut ist aus walisischem Gold aus der Clogau St. David Goldmine, traditionell gestiftet von der Queen.

Classic with a Twist. Well done!

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mit Material von AP

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