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Stil

Multi-Designer-Strategie bei Moncler

Die neue Achtsamkeit

Die traditionelle Modenschau ist tot, findet Moncler. In Mailand zeigte das französisch-italienische Label deshalb nicht eine, sondern gleich acht neue Kollektionen - entworfen von "Genies".

AP
Mittwoch, 21.02.2018   15:38 Uhr

"Das Konzept der Laufsteg-Modenschau gibt es für uns nicht mehr, von jetzt an werden wir anders arbeiten", sagte Moncler-Vorstand Remo Ruffini zur Eröffnung der Mailänder Modewoche. In Zukunft gehe es darum, die Kunden jeden Monat mit anderen Produkten zu ködern.

Wie die neuen Lockstoffe aussehen, zeigte der Daunenjackenhersteller am Dienstag in einer Lagerhalle am Stadtrand Mailands. Showproduzent Etienne Russo hatte acht "Höhlen" gebaut, darin wurden die Entwürfe vorgestellt, etwa zwischen künstlichen Bergen oder als riesige Projektionen. Models gab es auch, die lagen allerdings auf dem Boden und wurden von dort an eine Wand gespiegelt, statt über einen Catwalk zu ziehen.

Die selbstbewusst "Moncler Genius" getaufte Marketing-Offensive soll wieder Strahlkraft bringen. Das vor allem in Luxus-Skigebieten häufig zu sehende rot-weiß-blaue Logo allein reicht offenbar nicht mehr aus, weshalb nun acht Gast-Kreative verpflichtet wurden. Der Multi-Designer-Ansatz hat zudem den Vorteil, dass er vollkommen unterschiedliche Zielgruppen anspricht.

Mit dabei sind unter anderem Pierpaolo Piccioli von Valentino, Simone Rocha, Craig Green und Kei Ninomiya (früher bei Comme des Garçons). Eine Linie kommt außerdem vom Hausdesigner, Francesco Ragazzi.

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Monclers Multi-Designer-Strategie: Abgespaced und absolut tragbar

Piccioli nahm sich für seine Arbeit laut "Vogue" die Jungfrau Maria zum Vorbild. Das brachte ihn auf schlichte, bodenlange Röcke, Umhänge und Mäntel mit A-Linie, die in ihren bunten Varianten aussehen wie Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren, in Weiß und Schwarz aber durchaus an christliche Ikonografie erinnern.

Simone Rocha mag Spitzen, Schleifen und Rüschen. Mit ihren Teilen sollten Frauen deshalb besser nicht auf die Piste gehen, es sei denn, sie suchen Luftwiderstand und wollen im Lift hängenbleiben. Für das Chalet wiederum sind die Kleider zu elegant. Die Handschuhe und Stiefel mit Fellbesatz allerdings dürften sich in Kitzbühel und anderen Ski-Schaulauf-Gebieten gut verkaufen.

Auffällig, aber nicht zu auffällig

Fraglich ist, ob das mit den Teilen von Craig Green auch klappen wird. Der Londoner Designer hat die konzeptionellsten Entwürfe abgeliefert: Aufgeblähte Ganzkörperverhüllungen, die aussehen als ob dem Träger der Lawinenairbag aufgegangen sei.

Kei Ninomiyas Mode gehört ebenfalls in die Kategorie "abgespaced". Doch seine aus Synthetikfasern grob gestrickten Boleros, Schlupfjacken und Mäntel sind absolut tragbar, vorausgesetzt man mag Schwarz mit einem Touch nuklearer Winter.

Auf Nummer sicher gehen die Teile von Francesco Ragazzi und die des Japaners Hiroshi Fujiwara: typische Moncler-Farben, Cord, Norwegerstrick, Flanellhemden. Auffällig, aber nicht zu auffällig.

Moncler-Chef Ruffini sagte nach der Premiere, die Strategie jeden Monat eine Kollektion zu lancieren, sei eine Anpassung an das neue Kaufverhalten. Ein "See now, buy now"-Modell werde es aber nicht geben. Es wird also auch in Zukunft noch eine Weile dauern, bis die Sachen im Laden oder im Onlineshop verfügbar sind.

Den Anfang machen Fujiwaras Designs Mitte Juni. Ab dann wird im Monatsrhythmus ausgeliefert. Ganz so lange wollten einige Besucher offenbar nicht warten, angeblich versuchten einige eine der acht Vorführhöhlen zu räubern.

löw / AP

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