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Kuriose Sammlung

Unter Palmen

Jahrzehntelang hortete ein Sammler aus Hamburg alles, was mit Palmen zu tun hatte. 1500 Objekte umfasste seine Kollektion am Ende. Ein Bildband zeigt die ... ähm... schönsten Stücke.

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Mittwoch, 28.11.2018   14:21 Uhr

Palmen sehen die Deutschen meistens nur im Urlaub. Alf Trojan ist das ganze Jahr von ihnen umgeben. Denn der Hamburger sammelt Palmen: als Kerzenständer, auf einem Feuerzeug oder als Türstopper, zum Aufblasen, Briefe beschweren oder um den Hals hängen. Außerdem Sonnenbrillen, Armbanduhren, Bettwäsche - alle mit Palmenmotiv. Rund 1500 Palmen hatte er irgendwann. Eine echte gehörte allerdings nie zu seiner Sammlung - die gingen bei ihm immer ein.

Angefangen hatte alles vor 47 Jahren mit einem Anstecker. Beim Gang über einen Londoner Flohmarkt sprang Trojan ein Pin ins Auge, knallbunt und in Palmenform. Trojan liebt Anstecker. "Damals trugen Männer so etwas nicht", sagt er. Er fand es schön provokant und kaufte sich das Schmuckstück.

Aus der einen Brosche wurden im Laufe der Jahrzehnte 200, hinzu kamen Krawatten, Eimer, Nagelknipser, ein Radio, rund ein Dutzend Schneekugeln, Teppiche, Hüte und Bilderrahmen. Systematisch ging Trojan dabei nie vor, die meisten Objekte entdeckte er zufällig. Hauptsache es war irgendwo eine Palme drauf und die Sachen waren nicht zu groß.

Manchmal erstand er sie auf Flohmärkten, in Souvenirshops oder in Antikläden, bekam sie von Freunden, Arbeitskollegen oder seiner Frau geschenkt. Mit der Zeit füllten sie seine Zimmer, die Wände, die Kühlschranktür und den Keller. Irgendwann reichte es. Trojan wollte wieder mehr Platz haben - eine Veränderung musste her. Im Winter 2017 schenkte er seine Sammlung der Hanseatischen Materialverwaltung, ein Requisitenfundus in Hamburg.

Nur seine liebsten Stücke behielt er: ein paar Anstecker, eine Schreibtischlampe, Vasen, einen Schirm. Sich von den anderen Stücken zu trennen, fiel ihm nicht schwer. "Ich war eher erleichtert - im wahrsten Sinne des Wortes", sagt er.

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Nele Gülck:
Der Baum des Paradieses. Die Sammlung von Alf Trojan

Kerber Verlag; 96 Seiten, 28,00 Euro

Die Hamburger Fotografin Nele Gülck entdeckte die Sammlung zufällig und war begeistert. Sie wollte die Palmen unbedingt festhalten. Direkt in der riesigen Lagerhalle, mitten im Winter, fing sie an, die Objekte nach Kategorien zu sortieren. Postkarten, Tassen, Kleidung, von jedem Stück wollte sie mindestens eines, gerne mehrere ablichten, um die Vielfältigkeit der Objekte einzufangen.

Mit einem mobilen Fotostudio fotografierte sie in der eisigkalten Lagerhalle, vor sandfarbenem Hintergrund. Knapp 400 Objekte wählte sie für ihren Bildband "Der Baum des Paradieses. Die Sammlung von Alf Trojan" aus.

Gülck gibt zu jedem Foto Hinweise über die Objekte: woher sie stammen, aus welchem Material sie gemacht wurden, wie groß sie sind. Kleine Macken hebt sie hervor: das gelbliche Wasser in einer Schneekugel, den Rost an einem Emailleeimer, die Schramme auf der Bonbondose. Genau das macht sie zu liebenswerten Gegenständen mit eigener Geschichte.

An die kann sich Trojan selbst häufig nicht mehr erinnern. Viele lagen Jahrzehnte in Kisten, hervorgeholt hat er sie so gut wie nie. Doch mit manchen verbindet er auch besondere Ereignisse. Wie an diesen Tag vor 27 Jahren, an dem er und seine Frau sich das Ja-Wort gaben - und er sich statt eines Rings eine Palmenbrosche ansteckte.

"Es ist toll, meine Sammlung nun in so platzsparender Form vorliegen zu haben", sagt Trojan, der nun endlich wieder freie Flächen in seinen vier Wänden hat. Ganz verlassen hat ihn seine Leidenschaft nämlich nicht: Sieht er ein besonders schönes Stück, muss er immer noch zugreifen.

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