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Neues Lufthansa-Logo

Chancen und Risiken des Redesigns

Weiß statt Gelb: Die Lufthansa verpasst sich einen neuen Anstrich. Experten halten den Schritt für überflüssig und warnen vor einem Imageverlust. Worauf es bei der Neugestaltung von Logos ankommt.

DPA

Boeing 747-8 im neuen Lufthansa-Design (Computer-Darstellung)

Mittwoch, 07.02.2018   17:34 Uhr

Der Lufthansa-Kranich im Kreis ist eines der bekanntesten Firmenlogos der Welt. Doch nach 100 Jahren soll das sogenannte "Spiegelei" in Gelb von den Leitwerken der Flugzeuge verschwinden. In den kommenden sieben Jahren will die Airline ihre gesamte Flotte umlackieren - und dem vom Grafiker Otto Firle entworfenen Logo das Gelb nehmen. Stattdessen fliegt künftig ein weißer Kranich auf blauen Heckflossen durch die Welt.

Auch an weiteren Stellen soll das Gelb aus dem Markenauftritt weichen, nur an wenigen Flächen bleibt es erhalten. Die neue Optik sei das "i-Tüpfelchen" der Modernisierung der Fluggesellschaft, sagte Konzernchef Carsten Spohr bei der Vorstellung des neuen Corporate Designs in Kapstadt.

dpa

"Spiegelei" am Heck

Doch wenn Marken ihr Aussehen verändern, sind Kunden oft skeptisch - und Chancen wie Risiken groß. Kann eine Auffrischung von Logo und Design Firmen zu neuem Erfolg führen? Das klappt nicht immer.

Für Marktpsychologe Gert Gutjahr macht die Maßnahme der größten deutschen Fluglinie keinen Sinn - denn das bisherige Erscheinungsbild sei bereits perfekt gewesen. Der wissenschaftliche Leiter des Instituts für Marktpsychologie in Mannheim hält die Idee sogar für riskant: "Vertrauen ist bei Flugzeugen für viele Menschen ein ganz entscheidender Faktor." Vertrauenserweckend sei aber in erster Linie das, was lange bekannt ist. Lufthansa riskiere nun ihr gutes Image.

Auch in anderen Branchen hält Gutjahr eine Veränderung von Logo oder Markenauftritt für unnötig. "Absolute Voraussetzung ist die Unterscheidbarkeit einer Marke." Besonders deutlich werde das etwa bei Tankstellen oder Banken. "Wenn die Deutsche Bank ihre Farbe ändern würde, wäre sie weg. Wenn Aral nicht mehr blau wäre, würde man sie nicht mehr finden oder sogar verwechseln." Und auch schon bei kleinen Veränderungen ist Gutjahr skeptisch: "Schwächelnde Marken beleben sie nicht, wenn sie ein wenig am Logo herumbasteln."

Der Unternehmensberater Franz-Rudolf Esch ist da optimistischer - solange bei einer Erneuerung des Markenauftritts gewisse Regeln eingehalten werden. "So wie beim Hausputz werden dabei Dinge, die man als wertvoll erachtet, beibehalten und auf Vordermann gebracht, Überflüssiges wird entsorgt und bei Bedarf manches umgestellt und durch Neues ersetzt", sagt Esch. Problematisch werde es, wenn dieser Hausputz zu spät komme oder zu weit gehe, also den Markenkern verändere und Kunden vergraule. Daher seien die besten Veränderungen die, die Verbraucher nur subtil wahrnehmen. "Konsumgütermarken wie Persil sind oft Meister solcher Weiterentwicklungen", sagt Esch.

Minimale Eingriffe in das Design sind oft besser

Ein weiteres solches Beispiel ist die Cremedose von Nivea, die sich zwar regelmäßig verändert, aber seit Jahrzehnten von zwei wichtigen Elementen geprägt ist: Blaue Grundfarbe und weiße Schrift. Die kleinen Veränderungen - weniger oder kleinere Schrift, seit den Siebzigerjahren kein weißer Rand mehr - fallen kaum auf. Ähnlich verhält es sich beim Logo von Volkswagen oder dem Mercedes-Stern. Beide werden regelmäßig um Nuancen angepasst, für großen Wirbel sorgt das aber nicht.

Dennoch zählt eine der auffälligeren Marken-Erneuerungen in Deutschland zu den erfolgreichsten der vergangenen Jahre: Mast-Jägermeister frischte 2006 das Logo seines Kräuterlikörs auf, veränderte die Flaschenform und startete eine große Kampagne. Neben der optischen Erneuerung zielte das Unternehmen auf einen tiefgreifenden Image-Wandel: Jägermeister sei vom Image des "einsamen Trinkers" zu einer sozial akzeptierten Marke zurückgeführt worden, sagt Esch. Wenn eine Marke schon substanzielle Marktanteilsverluste zu verzeichnen habe, müsse die Veränderung auch größer ausfallen.

Die Kampagne wurde mehrfach ausgezeichnet. Damit sei es Mast-Jägermeister gelungen, den Kräuterlikör für junge Erwachsene interessanter zu machen, meint Esch. Das niedersächsische Unternehmen will junge Menschen weiter überzeugen, dass man mit Jägermeister tolle Partynächste verbringen könne. "Unter diesem Motto ist auf dem deutschen Markt 2018 der Start einer neuen Marketingkampagne geplant", teilte Mast-Jägermeister mit.

Klar ist aber auch: Nicht jeder Neuanstrich ist erfolgreich und oft vergeht zu viel Zeit, bis ein Unternehmen neuen Schwung bekommt. In Deutschland sei zudem Warsteiner ein "Paradebeispiel" für einen nicht gelungenen Marken-Relaunch, meint Esch. Seit Jahren werde erfolglos an der Marke "gewerkelt" - sie befinde sich aber stetig im Sinkflug.

löw/Fabian Nitschmann/dpa

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