Schrift:
Ansicht Home:
Stil

"Empire City" in Vietnam

Grünes Luftschloss

Der deutsche Architekt Ole Scheeren will einen Wolkenkratzer-Komplex in Vietnam bauen, darunter eines der höchsten Gebäude des Landes - mit Gärten in luftiger Höhe. Jetzt hat er seine Pläne vorgestellt.

Ole Scheeren/ Empire City/ Buro-OS
Dienstag, 21.11.2017   13:18 Uhr

Der deutsche Architekt Ole Scheeren plant ein neues Mega-Projekt in Asien. Mit seiner "Empire City" will der gebürtige Karlsruher die Skyline von Ho-Chi-Minh-Stadt für immer verändern.

Auf einer Halbinsel des Saigon-Flusses sollen drei Wolkenkratzer entstehen, von denen der größte 88 Stockwerke in die Höhe ragen soll. Mit seinen 333 Metern wäre der zentrale "Empire 88 Tower" eines der höchsten Gebäude des Landes. Es soll Wohnungen, ein Hotel und eine Aussichtsplattform enthalten.

Besonderes Merkmal des zentralen Turms wird der "Sky Forest" sein, eine Art hängender Garten, der das Gebäude im oberen Drittel überragt. Auskragende Terrassen sollen die tropische Flora Vietnams in den Himmel heben. Für die begehbare Plattform ist eine Begrünung durch örtliche Pflanzenarten vorgesehen, außerdem sind diverse Wasserbassins geplant. Diese Konstruktion soll den Bewohnern und Besuchern des Hauses einen "atemberaubenden Blick über Ho-Chi-Minh-Stadt und den Saigon bieten", schreibt Scheerens Büro in einer Pressemitteilung.

Auf das Konzept, die örtliche Vegetation in den Komplex einzubeziehen, setzt Scheeren auch im Erdgeschoss, im wahrsten Sinne des Wortes: Die drei Türme sollen auf einem mehrstöckigen Podest stehen, das den Reisterrassen im Norden des Landes nachempfunden ist. Der mehrstöckige Bereich soll Geschäfte, Co-Working-Räume und Erholungsflächen vereinen. Die anderen beiden Türme sollen aus Wohnungen und Büros gebaut werden.

Fotostrecke

Ole Scheeren: Herr der Türme

Die "Empire City" ist Ole Scheerens nächstes Großprojekt in Asien nach Neubauten in Taiwan (Taipei Performing Arts Centre), Thailand (Maha Nakhon), Singapur (Duo, The Interlace) und China (Guardian Art Center und Gebäude für China Central Television).

Sein Entwurf für das Hauptquartier des chinesischen Staatsfernsehens CCTV wurde unter anderem als "Bau des Bösen" kritisiert, weil Scheeren damit eine Glas gewordene Blaupause repressiver Macht geliefert habe. Für CCTV hatte der gebürtige Karlsruher an den Grenzen der Statik gebaut: Das Hauptgebäude ist ein 162 Meter hohes Rechteck, das aus der gemeinsamen Ebene verschoben wurde. Die gegenüberliegenden Kanten ragen in die je entgegengesetzte Richtung.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE verteidigte Scheeren, der seit 2002 in Peking lebt, seine Arbeit: "Man macht es sich sehr leicht damit", sagte Scheeren mit Blick auf Kritiker aus dem Westen. Ihn ärgere das undifferenzierte China-Bild, das darin zum Ausdruck komme.

Das CCTV-Gebäude hatte Scheeren für das Office for Metropolitan Architecture (OMA) des niederländischen Architekten Rem Kohlhaas entworfen. 2002, mit nur 31 Jahren, wurde Scheeren zum jüngsten Partner in der Geschichte von OMA ernannt und leitete später den gesamten asiatischen Raum. Seit 2010 hat Scheeren sein eigenes Büro, mit dem er außerdem an einem Projekt in Vancouver und den "Riverpark Towers" in Frankfurt am Main arbeitet.

löw

insgesamt 9 Beiträge
Papazaca 22.11.2017
1. Autoritäre Staaten und dekorative Bauten
Öfters werden Architekten, die skulpturale Gebäude entwerfen, abwertend als Dekorateure bezeichnet. Die negative Steigerung kommt dann für viele, wenn sie ihre Entwürfe in autoritären Ländern realisieren. Baku läßt [...]
Öfters werden Architekten, die skulpturale Gebäude entwerfen, abwertend als Dekorateure bezeichnet. Die negative Steigerung kommt dann für viele, wenn sie ihre Entwürfe in autoritären Ländern realisieren. Baku läßt grüßen. Das ging soweit, das Zaha Hadid und Frank Gehry dieser Kategorie zugeordnet wurden. Wie so oft gibt es da keine Wahrheit. Architekten wollen bauen und müssen Geld verdienen. Und viele Staaten sind leider autoritär. Baut man jetzt nur in lupenreinen Demokratien? Und der Begriff "Dekorateure"? Der ist natürlich bösartig. Wie man damit umgeht, muß jeder für sich entscheiden. Mir ist Gehry's Guggenheim Museum in Bilbao lieber als der Frankfurter Flughafen. Über die Architekten des Frankfurter Flughafen beschwert sich übrigens keiner, sie sind auch kaum bekannt. Ist auch besser so.
spon-facebook-10000523851 22.11.2017
2. Ich wundere mich halt immer...
wofuer endlos Kohle zur Verfuegung zu stehen scheint, und wofuer nicht. Irgendwo hapert's da mit den Prioritaeten. Das selbe gilt fuer hunderte von Millionen, die fuer Yachten und Oelgemaelde ausgegeben werden. Oder Autos mit 1000 [...]
wofuer endlos Kohle zur Verfuegung zu stehen scheint, und wofuer nicht. Irgendwo hapert's da mit den Prioritaeten. Das selbe gilt fuer hunderte von Millionen, die fuer Yachten und Oelgemaelde ausgegeben werden. Oder Autos mit 1000 und mehr PS.
kopfball123 22.11.2017
3. Und in München darf man nicht höher als 100m bauen...
... nicht falsch verstehen, ich finde es gut dass wir in dieser Beziehung nicht mit Asien und dem Nahen Osten konkurrieren. Vor allem solche Länder wie Vietnam, China oder Saudi Arabien wo ein großer Teil der Bevölkerung in [...]
... nicht falsch verstehen, ich finde es gut dass wir in dieser Beziehung nicht mit Asien und dem Nahen Osten konkurrieren. Vor allem solche Länder wie Vietnam, China oder Saudi Arabien wo ein großer Teil der Bevölkerung in Armut und quasi noch im Mittelalter leben und man allgemein ziemlich schlecht dasteht wenn man nicht zu den oberen 10% gehört, lieben es ja sich selbst zu inszenieren über Prunkbauten. Inzwischen heißt das vor allem einen Wolkenkratzer nach dem anderen bauen. Ich finde es auch gut dass man nicht unsere historischen Altstädte platt macht und die Anwohner umsiedelt um Wohnhochhäuser aufzustellen (wie in den genannten Ländern). Aber ich frage mich schon ob man nicht manchmal zumindest EIN BISSCHEN mehr wagen sollte. Bei mir vor der Haustür werden jetzt wieder neue Wohnungen gebaut (eigentlich egal wo ich gerade wohne... es ist eine der vielen boomenden deutschen Großstädte mit exorbitanten Mietpreisen) und da seit 10 Jahren geschrien wird dass es nicht genug Wohnungen gibt, frage ich mich schon wieso man die Wohnhäuser nicht noch 3 oder 4 Stockwerke höher macht. Dann würden da eben 100 statt 50 Wohnungen rein passen. Nachfrage ist da, es würde sich wirtschaftlich definitiv lohnen und auch die Wohnungsnot lindern. Doch wieso wirds nicht gemacht? Weil die Häuser außen rum auch nur 3-4 Stockwerke haben! Das hat vor 20 Jahren sicherlich auch gereicht, aber man darf da doch nicht in der Vergangenheit hängen bleiben! Dabei sprechen wir noch nichtmal über wirkliche Wolkenkratzer, die klug eingesetzt wirtschaftlich Sinn machen und auch gut aussehen!
Kurt-C. Hose 22.11.2017
4. Hmm
So weit ich mich erinnere ist Vietnam während der Monsunzeit von wolkenbruchartigen Regenfällen betroffen. Was passiert mit dem Wasser, dass von der 100m über der Gartenebene aufragenden Fassade dann auf diese runterläuft? [...]
So weit ich mich erinnere ist Vietnam während der Monsunzeit von wolkenbruchartigen Regenfällen betroffen. Was passiert mit dem Wasser, dass von der 100m über der Gartenebene aufragenden Fassade dann auf diese runterläuft? Wird die dann kurzzeitig immer zu einem swimming pool? Und wie lange bleiben die Palmen aus der Visualisierung bei den stürmen da oben stehen? Ich hab Zweifel, dass das so technisch umsetzbar ist. Typische Effekthascherei von Planern. Am Ende bleiben dann verglaste Wintergärten, die voll klimatisiert werden müssen, weils darin ansonsten gar nicht auszuhalten ist.
Macka Bär 22.11.2017
5. Juhu!
Ihme-Zentrum 2.0... Wer sehen und erleben will, wie solche architekten-träume 30-40 jahre später aussehen, dem empfehle ich eine reise nach Hannover...
Ihme-Zentrum 2.0... Wer sehen und erleben will, wie solche architekten-träume 30-40 jahre später aussehen, dem empfehle ich eine reise nach Hannover...

Verwandte Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP