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Stil

Modetrend asymmetrische Schnitte

Ordentlich in Schieflage

Es kommt selten vor, dass sich so viele Modedesigner auf ein Element festlegen - aber diesen Sommer verzichtet kaum ein Label auf Looks, die eine Schulter freilegen. Zum Nachmachen reicht aber ein normales Herrenhemd.

Getty Images
Montag, 07.05.2018   10:30 Uhr

Asymmetrie ist der Schnitt der Saison für Frauen. Die schräg sitzenden Ausschnitte und Ärmel mit einer freiliegenden Schulter haben Frauen vor allem Balenciaga zu verdanken. Demna Gvasalia, der von der Industrie gefeierte Chefdesigner des französischen Modelabels, gilt als Trendsetter in Sachen Asymmetrie. Jedoch ziehen auch viele andere Designer gerade mit.

Dieser Look ist aber so neu auch schon nicht mehr, wie Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt am Main erläutert. "Yves Saint Laurent entwickelte in den 1960er Jahren seine sogenannte Mondrian-Kollektion. Nach Vorbild der Gemälde des niederländischen Malers Piet Mondrian sorgten bereits damals asymmetrische Muster für Aufsehen." Aber die eigentliche Erfinderin des schrägen Schnitts sei Madeleine Vionnet. "Die französische Modedesignerin wurde in den 1920er Jahren mit ihren Couture-Entwürfen berühmt."

Aber wie es in der Mode inzwischen eben so ist: Alles kommt einmal wieder - und Asymmetrie in allen möglichen Varianten ist es in dieser Saison. "Heute ist Asymmetrie ein Teil des Modetrends, den man Dekonstruktion nennt", erklärt Modeberater Rose. "Dabei werden Kleidungsstücke auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, gern auch asymmetrisch." Die Wirkung ist immer ungewöhnlich, vielfach aufgrund der klaren Linien sogar architektonisch.

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One-Shoulder-Blusen und asymmetrische Schnitte: Ganz schön schräg

"Man findet asymmetrische Linien im Frühling eigentlich überall", sagt die Stilberaterin Maria Hans aus Hamburg. "Kleider, Röcke, Tops und Blusen machen den Trend mit." Es kommt sogar zu einem quasi branchenübergreifenden Trend: Die sogenannte One-Shoulder-Blouse. Bei der Fashion Week in New York für die Saison Frühjahr/Sommer 2018 gab es kaum einen Designer, der nicht mindestens eine dieser Blusen im Repertoire hatte.

Herrenhemden als One-Shoulder-Blusen

"Eine solche Bluse lässt sich auch ohne viel Aufwand selbst machen, in dem man einfach ein Hemd lose knöpft, so dass es über eine Schulter nach unten rutscht", verrät Modeberaterin Hans ihren Stylingtipp. Rose empfiehlt: "Man kann durchaus auch ein schlichtes Herrenhemd falsch zuknöpfen, so dass eine Seite länger ist als die andere - Asymmetrie zum Selbermachen." Besonders lässig sieht der One-Shoulder-Trend auch aus, wenn man einen weiten und kastenförmig geschnittenen Pullover trägt - und ihn an einer Schulter herunterrutschen lässt.

One-Shoulder-Blusen haben innerhalb des Asymmetrie-Trends die wohl besten Chancen, sich flächendeckend durchzusetzen. "Das liegt daran, dass damit fast jede Frau diesen Stil mitmachen kann", erklärt Rose. "Wichtig ist dazu aber noch etwas anderes: ein trägerloser BH nämlich. Das gilt vor allem für Frauen mit mehr Oberweite."

Man müsse sich bewusst sein, "dass dieser Look wirklich alle Blicke auf sich zieht", sagt Einkaufsberaterin Anette Helbig aus Hannover. Sie rät, diesen Stil vor allem in der Freizeit zu tragen. Wer auch im Job die Finger nicht von schrägen Sachen lassen möchte sollte sie bewusst einsetzen: "Eine schräge Vorderpartie bei einer edlen Bluse, dazu einen schlichten, schmal geschnittenen Rock - das geht auch im Business." Wickelröcke funktionierten ebenfalls, weil sie nur gemäßigt asymmetrisch sind. "Vor allem schmale, wadenlange Modelle liegen dabei im Trend und lassen sich toll zu weiten Blusen im Hemdenstil kombinieren."

Schräger Trend mit Zusatznutzen

Allerdings kann man Asymmetrie auch ganz anders mitmachen: "Es gibt in der Saison auch viele Muster, die bewusst asymmetrisch eingesetzt werden", sagt Modeberaterin Hans. "Dazu gehört vor allem der klassische Streifen, der dadurch eine ganz neue Optik erhält." Da Streifen bekanntlich schlank machen, wenn man sie richtig einsetzt, bekommt der schräge Trend sogar noch einen Zusatznutzen. Auch der Biker-Zipper sei in dieser Saison wieder angesagt.

Der schräg verlaufende Reißverschluss an Lederjacken wurde bereits Ende der Zwanzigerjahre eingeführt, an der legendären Perfecto-Motorradjacke der Gebrüder Schott. Er sorgte dafür, dass sich die Vorderteile der Jacke im geschlossenen Zustand überlappten und so besonders guten Schutz gegen den kalten Fahrtwind bieten. Asymmetrie kann also durchaus auch praktische Seiten haben, optisch ist sie allemal ein Hingucker.

löw / dpa, Andrea Abrell

insgesamt 2 Beiträge
lupo62 10.05.2018
1. Rätselhafte Modewelt
"Bei der Fashion Week in New York für die Saison Frühjahr/Sommer 2018 gab es kaum einen Designer, der nicht mindestens eine dieser Blusen im Repertoire hatte." Würde mich mal intessieren, wie so etwas zu stande [...]
"Bei der Fashion Week in New York für die Saison Frühjahr/Sommer 2018 gab es kaum einen Designer, der nicht mindestens eine dieser Blusen im Repertoire hatte." Würde mich mal intessieren, wie so etwas zu stande kommt. Die haben sich das ja nicht alle zufällig syncron ausgedacht. Tauschen die sich vorher heimlich aus oder gibt es einen Ober-Designer, der eine Grundidee zum Trend erklärt und verbindlich macht? Wenn die Designer-Stücke als Konfektion in den Schaufenstern der Geschäfte angekommen ist sieht alles gleich aus, zumindest im Trend. Da muß man sich dorch auch bei der Bekleidungsindustrie heftig abgesprochen haben.
Gerdd 10.05.2018
2. YvesSaint Laurent ...
... hatte vielleicht die schönste Ausprägung dieser Asymmetrie in seiner pret-à-porter-Kollektion Frühling-Sommer 1990.
... hatte vielleicht die schönste Ausprägung dieser Asymmetrie in seiner pret-à-porter-Kollektion Frühling-Sommer 1990.

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