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Stil

Prêt-à-porter in Paris

Kühle Blicke auf Moos

Die Pariser Modenschauen sind weitgehend spaßbefreit. Doch diesmal gab es einen Lichtblick. Modisch ist jetzt Leder gefragt. Sehen Sie selbst und stimmen Sie ab!

Mittwoch, 07.03.2018   02:17 Uhr

Für ganz Eilige: Das Voting-Tool finden Sie am Ende des Textes.


Paris fühlte sich endlich nach Frühling an, da brachte Karl Lagerfeld den Herbst zurück. Es duftete nach feuchtem Moos und durch einen künstlichen Wald liefen seine Models für Chanel. Der Boden des Grand Palais war mit braunem Laub bedeckt, der Laufsteg eine Allee aus Bäumen, an denen vereinzelte Blätter hingen. Das Motto der Kollektion: Der goldene Herbst.

Die flachen Schnürschuhe oder Stiefel waren gold-metallisch patiniert, daneben waren immer wieder Stoffe mit Laubdrucken zu sehen oder Mäntel mit Blätter-ähnlichen Applikationen. Die Farbpalette ging von erdigen Braun- und Grüntönen bis hin zu metallischem Bronze und Gold. Bodenlange Tweedmäntel, Strickkleider oder Röcke wirkten lässig-komfortabel, dank glänzender Metallic-Effekte aber ebenso schick und elegant.

Es war eine vergleichsweise ruhige Show für Karl Lagerfeld, der sich am Ende nur kurz zeigte, um danach sofort wieder hinter den Kulissen zu verschwinden.

Die Modenschau von Sonia Rykiel ein paar Tage zuvor sprühte dagegen nur so vor Energie. Es fühlte sich fast an wie die Rückkehr in eine längst vergangene Zeit. Denn seit Jean Paul Gaultier keine Prêt-à-porter-Mode mehr macht, ist die Pariser Fashion Week eine weitgehend spaßbefreite Angelegenheit. Als altbewährtes Enfant terrible war er der Einzige, der noch fulminante und vor allem heitere Modenschauen veranstaltete.

Heute verziehen die Models in der Regel keine Miene mehr, und von ausgelassener Stimmung kann kaum die Rede sein. Insofern war das Defilee von Sonia Rykiel ein echter Lichtblick. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Hauses brachte Kreativdirektorin Julie de Libran den Spaß der Achtziger zurück. Die Models gingen nicht nur lächelnd über den Laufsteg, sie strahlten. Sie marschierten nicht, sie tanzten.

Oft kamen die Mädchen kichernd im Quartett, alle mit flauschigen Lammfellkleidern und Trapperhüten bekleidet oder in glänzenden Samtanzügen und mit Glitter im Haar. Die beschwingte Show tat nicht nur den Models sichtlich gut, sondern auch den Zuschauern: Einige sprangen jubelnd und tanzend auf den Laufsteg, als die Bananaramas am Ende auf die Bühne kamen und ihre Hits wie "Cruel Summer" oder "Venus" zum Besten gaben.

Es gab auch klare Trends zu sehen: Logos setzten ihren Siegeszug fort. Bei Off-White blitzten sie auf Unterhosen unter transparenten Kleidern hervor. Bei Balenciaga war das Firmenlogo immer wieder auf Oberteilen und Sweatshirts zu erkennen. Auf die Spitze trieb es Olivier Rousteing, der für Balmain gleich ein ganzes Kleid mit schwarzen Streifen bedrucken ließ, auf denen endlos "Balmain Paris Balmain Paris" zu lesen war.

Neben Logos wird man im nächsten Winter vor allem um Leder nicht umhinkommen: Bei Hermès gab es gleich eine Reihe von Hemdkleidern, Hosenanzügen oder Blusen in Hirsch- oder Kalbsleder zu sehen. Bei Givenchy wurden kurzärmelige Bikerjacken über elegante Anzüge getragen oder gingen als Hemdkleid bis zum Knie.

Isabel Marant setzte bei ihrer Kollektion auf Western-Style und legte das klassische Cowboyhemd in orangefarbenem Leder neu auf. Schwarze Lederröcke waren mit Nieten besetzt und wurden in der Taille mit einem folkloristischen Gürtel getragen.

Stella McCartney hatte bereits in ihrer vorherigen Kollektion auf Stoffe gesetzt, die wie Leder aussehen. Was insofern spannend ist, da die Britin Wert auf nachhaltige und tierfreundliche Mode legt. Taschen, Schuhe und Kleider sind bei ihr äußerst gut gemachte Imitate. Für ihre aktuelle Kollektion ließ sich die Designerin diesmal vom Thema Lingerie inspirieren. Mit femininen Slip-Dresses, die zum Teil aus alten Hochzeitskleidern gemacht waren, bewies sie erneut, dass interessante Designermode sehr wohl auch umweltfreundlich sein kann.

Jetzt sind Sie dran: Welcher Look gefällt Ihnen am besten? Sie sehen zwei Fotos im Vergleich. Klicken Sie auf das Outfit, das Ihnen besser gefällt. Das andere verschwindet, ein neues erscheint - wieder können Sie das Ihrer Meinung nach schönere Outfit anklicken. Am Ende bleibt der Siegerlook übrig.

löw / Estelle Marandon, dpa

insgesamt 8 Beiträge
Papazaca 07.03.2018
1. Ich lass mich mal auf das Spiel ein (zu viel Zeit....?) ....
Erstmal: Alles dabei. Viel Gutes, wenig sehr Gutes, und und. Sicher viel besser als die Oskars. Für mich sind klar die Besten Yamamoto, sehr skulptural, Miyake, kinetisch, erinnert an Vasarely und Givenchy, zeitlos elegant. Was [...]
Erstmal: Alles dabei. Viel Gutes, wenig sehr Gutes, und und. Sicher viel besser als die Oskars. Für mich sind klar die Besten Yamamoto, sehr skulptural, Miyake, kinetisch, erinnert an Vasarely und Givenchy, zeitlos elegant. Was auffällt: Viele schwarze Modells, groß und dünn. Bei APC und Beautiful People: kein Lachen, keine Selbstironie nur die Stereotype forcierter Ernsthaftigkeit. OK, es geht um viel Geld, da ist Humor nicht angebracht. Thom Brown fand ich kreativ, mit Chanel würde ich meine verhasste Erbtante anziehen und dann gab es auch einige folkloristische Fehltritte wie Jour/ne. Haider Ackermann würde ich den Preis für mutigsten Auftritt geben, ich hätte diesen Mut nicht, H&M Studio - auch japanisch inspiriert - gefiel mir auch. Wenn man das alles gesehen hat, zieht man sich gerne ganz simple an: 501 Jeans und weißes T Shirt. Alles ist schön zu sehen, gut, um bei langweiligen Empfängen aufzufallen. Das Problem ist: Wer zum Beispiel Miyake trägt, wird zur Prothese der Kleidung, denn die ist so außergewöhnlich. Und außerdem eignet sie sich nicht zum Staubsaugen und Fahrstuhl fahren. Eine tolle Auswahl, gut das Männer das Problem nicht haben, wir geben uns in der Regel mit langweiligem Kram zufrieden und vertrauen auf die inneren Werte .... Das ist natürlich sehr ernst gemeint ...
birdie 07.03.2018
2. Die absolut nichtssagenden Gesichter der Models entsprechen ...
der absolut nichtssagenden Mode, die sie als seelenlose Kleiderständer über die Laufstege stapfen. Das erinnert an Kästners Gedicht über die sogenannte Klassefrauen: ".... sie hauen sich die Nägel blau, wenn sie hören, [...]
der absolut nichtssagenden Mode, die sie als seelenlose Kleiderständer über die Laufstege stapfen. Das erinnert an Kästners Gedicht über die sogenannte Klassefrauen: ".... sie hauen sich die Nägel blau, wenn sie hören, dass das Mode ist ....". Persönlichkeit und Ausstrahlung scheinen in diesem Metier geschäftsschädigend zu sein. Was für eine ärmliche Welt.
dasfred 07.03.2018
3. So richtig vom Hocker gerissen hat mich nichts
Der Trend zum Überwurf-Sack hat zumindest den Vorteil, dass die Kalorienzählerei für eine Saison ausgesetzt werden kann. Was Chanel angeht, so muss ich dem ersten Foristen beipflichten. Die Bluse erinnerte mich sofort an die [...]
Der Trend zum Überwurf-Sack hat zumindest den Vorteil, dass die Kalorienzählerei für eine Saison ausgesetzt werden kann. Was Chanel angeht, so muss ich dem ersten Foristen beipflichten. Die Bluse erinnerte mich sofort an die Lieblingsbluse einer alten Tante aus den siebzigern und das güldene Röckchen ist die XXL Interpretation des Discofummels ihrer Tochter aus der selben Zeit. Lediglich der wadenlange graue Pullover von Poiret strahlt eine gewisse Wärme und Behaglichkeit aus.
Papazaca 07.03.2018
4. Frage: Gehören wir zur Zielgruppe?
Ich weiß jetzt nicht, ob Sie zur Zielgruppe gehören. Falls nicht: Was wir Männer davon halten, ist sowieso irrelevant. Und ob sich die Zielgruppe für Kästner interessiert? Das es absolut nichtssagende Mode ist sehe ich [...]
Zitat von birdieder absolut nichtssagenden Mode, die sie als seelenlose Kleiderständer über die Laufstege stapfen. Das erinnert an Kästners Gedicht über die sogenannte Klassefrauen: ".... sie hauen sich die Nägel blau, wenn sie hören, dass das Mode ist ....". Persönlichkeit und Ausstrahlung scheinen in diesem Metier geschäftsschädigend zu sein. Was für eine ärmliche Welt.
Ich weiß jetzt nicht, ob Sie zur Zielgruppe gehören. Falls nicht: Was wir Männer davon halten, ist sowieso irrelevant. Und ob sich die Zielgruppe für Kästner interessiert? Das es absolut nichtssagende Mode ist sehe ich anders. Ist Geschmacksache oder? Und das Sie der Branche keine Persönlichkeit unterstellen, ist etwas vorschnell. Man muß zum Beispiel Karl Lagerfeld nicht gut finden, Persönlichkeit kann man Ihm kaum absprechen. Und ärmlich ist diese Welt schon mal gar nicht: Pinault gehört zu einem der reichsten Männern Frankreichs. Das es Ihnen nicht gefällt ist etwas anderes. Ich bin inzwischen auch bei Jeans/T-Shirt. Aber ich laß Welten, die mir nicht gefallen, trotzdem leben. Man nennt es Koexistenz.
birdie 07.03.2018
5. zu 4. Papazaka
Lieber Forist, ich stimme gerne Ihrem Gedanken an Koexistenz zu. Nur möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass Koexistenz dem Gedanken nach nur unter der Prämisse der Gleichwertigkeit bestehen kann. Und wenn es um den [...]
Lieber Forist, ich stimme gerne Ihrem Gedanken an Koexistenz zu. Nur möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass Koexistenz dem Gedanken nach nur unter der Prämisse der Gleichwertigkeit bestehen kann. Und wenn es um den Bereich der Kunst geht, haben wir als Problemfelder Ästhetik, Farblehre, Komposition, künstlerische Gestaltung, handwerkliche Techniken und viels andere mehr vor Augen, die in vielen Jahrhunderten erarbeitet und zu definierten Regelwerken entwickelt wurden. Denn Kunst ist niemals ein Zufallsprodukt, weil Kunst und Können sich gegenseitig bedingen. Wodurch wir heute entscheiden können, was Kunst oder Zufallsprodukt ist. Und wenn Sie mehr dazu wissen möchten, dann lege ich Ihnen den Besuch einer Kunthochschule oder Kunstakademie nahe. Und um einen versöhnlichen Gedanken beizusteuern: es ist Ihr unabdingbares persönliches Recht, die neuen Modekreationen schön zu finden und sich daran zu erfreuen. Auf der anderen Seite wäre ich zufrieden damit, wenn sie meine persönliche Betrachtungsweise tolerieren könnten. Denn dann würden wi miteinander in Frieden koexistieren. Und das wäre wünschenswert.

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