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Stil

Paris Fashion Week

Wassermarsch

Die jährliche "Fashion Week"-Tour hat Paris erreicht, ein dekadentes Spektakel. Zum Auftakt gab's nen Papagei, Dolly Parton und Jane Birkin - und fast-biblische Wunder.

AFP
Mittwoch, 26.09.2018   17:06 Uhr

Diese Nummer war das Highlight des zweiten Tages: Der Saint-Laurent-Designer Anthony Vaccarello ließ seine Models diesmal übers Wasser laufen. Natürlich kann Vaccarello keine biblischen Wunder verbringen, aber der zwei Zentimeter tief unter Wasser gesetzte Laufsteg verfehlte seine Wirkung nicht. Zumal er wie auch schon in den vergangenen Saisons unterhalb des Eifelturms stand.

Zwei Cowboystiefel aus Pythonleder waren das erste von 95 Paar Schuhen das während der 15-minütigen Show wassergeschädigt wurde, allen Peta-Protesten zum Trotz. Dazu gibt es schwarze Dreiviertelhosen mit hoher Taille, Smokingjacken und hauchzarte Seidenblusen. Anschließend Minikleider, kurze Einteiler, Hotpants - Vaccarello liebt ultraknappe Säume. Alles ziemlich düster und sündhaft. Die richtigen Looks für wilde Nächte.

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Für Farbe sorgen Jacken aus blauem oder rotem Samt, Coolness kommt als Bomberjacke in Zirkusoptik. Zur Verzierung dienen Herzen, hier und da funkeln Sterne. Auch Leopardenmuster ist zu sehen. Als Accessoires: breitkrempige Hüte, schmale Stirnbänder und farbige Seidenschals, die Augen stecken hinter runden Sonnenbrillen. John Lennon trifft Velvet Underground im Studio 54.

Schöne Nerds im Nachtclub

Anthony Vaccarello war allerdings nicht der erste Italiener, der Paris mit altem Disco-Glamour verzauberte. Bereits am Abend zuvor hatte Alessandro Michele im Namen Guccis in den ehemaligen Nachtclub Le Palace eingeladen, um dort erst schöne Nerds und anschließend Jane Birkin ins Scheinwerferlicht zu stellen. Die Sängerin hatte einen Überraschungsauftritt.

Die Kollektion ist gewohnt flippig: Rüschen und glitzernde Roben für die Damen, Jacken mit Fransen und winzige Shorts für die Männer. Dazwischen Doppel-G-Monogramme, Federn (an Kleidern und an einem lebendigen Papagei), Dolly Parton (als Motiv auf einem Sweatshirt) und Suspensorien aus Leder.

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Diese wilde Mischmasch kommt vor allem bei jungen Zielgruppen gut an. Die Sachen verkaufen sich so erfolgreich, dass Gucci aktuell der größte Umsatztreiber der Kering-Gruppe ist. Deshalb verkündete der Konzern - zu dem auch Saint Laurent gehört - jüngst Pläne, demnächst den Weltmarktführer LVMH vom Thron zu stoßen.

Das will man sich bei der Konkurrenz selbstverständlich nicht bieten lassen. Höchstwahrscheinlich dürfte das der Grund gewesen sein, warum LVMH seine Marke Dior im Schauenplan vor das Gucci-Spektakel gezogen hatte. Denn noch ist man die Nummer eins - und das soll jeder sehen.

löw / AP / Reuters

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