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Stil

Fashion Week Paris

Düstere Aussichten

Die wichtigste Modenschau in Paris war eine Beerdigung: Der neue Celine-Designer Hedi Slimane begräbt den typischen Look der Marke. Passend dazu ist Schwarz eine der Trendfarben für das Frühjahr.

AFP
Von
Montag, 01.10.2018   15:51 Uhr

Der Invalidendom in Paris war der passende Ort für diese Modenschau. Seit 1840 ist der Kuppelbau ein pompöses Grab, und die wichtigste Modenschau der Woche - Lady Gaga, Catherine Deneuve und Karl Lagerfeld saßen in der ersten Reihe - war eine Bestattung: Hedi Slimane ließ den Celine-Look beerdigen.

Celine stand bisher für erwachsenen, aber sinnlichen Minimalismus - und wurde dafür von Moderedakteurinnen wie Kundinnen geliebt. Von dieser Ästhetik seiner Vorgängerin Phoebe Philo ist unter Slimane nicht viel geblieben. Angeführt wurde der pechschwarze Beerdigungszug von einem Model im Pünktchenkleid - das Kleid eine einzige übergroße Schleife.

Minimal ist bei Slimane allenfalls die Rocklänge. Seine Celine-Frauen tragen überkurze Babydoll-Kleidchen, die mit ihren ballonartigen Röcken, Volants und schimmernden Bolerojäckchen ein bisschen an Prom Queens denken lassen. Das Zuckrige, die Netzhüte und Pailletten bricht Slimane durch Nieten, Leder, Cowboyboots und Schwarz. Viel Schwarz.

Rockstar-Look für Frauen und Männer

Die zweite große Neuerung und deutliches Zeichen, dass der französische Luxuskonzern LVMH mit Celine einen Schritt weitergehen möchte: Die Marke gibt es jetzt auch für Männer. Scharf geschnittene schwarze Anzüge, schmale Krawatten, Leopardenmäntel, elegante Slipper, metallisch glänzende Stoffe und lässige Lederjacken.

In vielerlei Hinsicht war die Show ein Déjà-vu: Hedi Slimane zeigte den typisch glamourösen Rockstar-Look, mit dem er auch die Marke Saint Laurent zum absoluten Verkaufsschlager machte. Ob ihm mit Celine der gleiche Kunstgriff gelingen wird, muss sich erst zeigen.

Fotostrecke

Fotostrecke: Schwarzer Frühling in Paris

Hedi Slimane war aber bei Weitem nicht der Einzige mit einer farblosen Kollektion. Galt der Frühling bisher als Zeit für Farben, zeigte sich in Paris: Schwarz und Weiß sind im Frühjahr 2019 angesagt. Unter anderem Rick Owens, Balmain und Valentino zeigten Kollektionen die größtenteils oder komplett in diesen Nichtfarben gestaltet sind.

Rick Owens

Bei Rick Owens dominiert Schwarz. Vor der Kulisse einer brennenden Pyramide schickte er skulpturale Entwürfe über den Laufsteg. Für manche Entwürfe wurden mehrlagige Stoffbahnen um die Körper der Frauen drapiert. Köpfe und Arme steckten in Drahtgebilden. Antennen, Abstandshalter? Man weiß es nicht.

Es wäre jedoch ein Irrtum zu glauben, Owens hätte nur das total abgedrehte Programm drauf. Da sind zum Beispiel die bodenlangen Kleider mit geometrischen Mustern, an den Hüften ausgeschnitten. Ihre Trägerinnen sehen aus wie Wesen aus einer anderen Welt, Göttinnen aus einer dunklen Zukunft.

Balmain

Ist Rick Owens der finstere Lord , dann gab Cara Delevigne diesmal die Ritterin des Lichts. In einem silbernen Brustpanzer und einem wallenden weißen Mantel eröffnete das Model die Balmain-Show. Designer Olivier Rousteing spielt diesmal viel mit Strukturen. Gestrickt, gefaltet, bestickt, durchlöchert: Glatte Oberflächen sind die Ausnahme.

Nach 16 weißen Outfits wurde es schwarz-weiß gesprenkelt und gestreift. Die Kleider und Röcke sind asymmetrisch konstruiert, die Schulterpartien ausladend. Bunt war es erst in der Mitte der Show. Helles Jeansblau kombiniert Rousteing mit Pastellfarben, Silber und Hauttönen. Im letzten Drittel der Kollektion stand dann Schwarz im Vordergrund: Smokingjacken und knappe Lederkleider für die Königinnen der Nacht.

Valentino

Von Schwarz wieder zurück zu Weiß führte Pierpaolo Piccioli bei Valentino. Nach einer ganzen Reihe schlichter schwarzer Entwürfe - darunter ein schulterfreier Einteiler, baggy geschnitten mit Puffärmeln und Schleppe - wurde es wieder hell. Die Schönheit dieser Kollektion liegt in den Details. Ein weites Kleid ließ Piccioli so plissieren, dass es aussieht, als würden die Falten aus dem Bauchnabel der Trägerin entspringen.

Weil Valentino ein italienisches Label ist, geht es aber nicht ohne Griff in den Farbtopf: Neben dem klassischen Valentino-Rot nutzt Piccioli dunkles und helles Violett, Orange, Grün und Gelb. Teilweise mischen sich die Farben in großflächigen Blumenmustern. Der Frühling 2019 wird also doch keine so eintönige Sache.

mit Material von dpa / AP / Reuters

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