Schrift:
Ansicht Home:
Stil

Verhüllte Großbauten in Hongkong

"Wie eine Raupe, die zu einem Schmetterling wird"

Werden Wolkenkratzer in Hongkong renoviert, verschwinden sie hinter Stoffhüllen - oft monatelang. Der Fotograf Peter Steinhauer zeigt die verschleierten Gebäude, als ob sie Kunstwerke wären.

Peter Steinhauer/ powerHouse Books
Von
Donnerstag, 22.11.2018   16:56 Uhr

Ein neues Werk des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude? Nein, wenn in Hongkong Gebäude eingerüstet werden, kommen zum Schluss lange Stoffbahnen auf die Bambusgestänge. Was nach Verhüllungskunst aussieht, soll Bauschutt und Staub auffangen.

Als der Fotograf Peter Steinhauer 1993 zum ersten Mal nach Hongkong reiste, entdeckte er gleich am Flughafen eines dieser Gebäude mit Überzug. "Ich war sofort fasziniert, denn so etwas hatte ich noch nie gesehen", erinnert er sich.

In den folgenden Jahren besuchte Steinhauer die Stadt noch mehrmals und machte jedes Mal weitere Fotos von diesen verpackten Häusern. Als er 2007 mit seiner Familie von Saigon nach Hongkong zog, hatte er noch mehr Zeit für sein Fotoprojekt. Stundenlang fuhr er von nun an durch die Stadt, immer auf der Suche nach neuen Baustellen.

Anzeige
Peter Steinhauer:
Cocoons

powerHouse Books; 128 Seiten, 59,99 Euro

Sobald er eine gefunden hatte, war die größte Herausforderung, einen guten Winkel zum Fotografieren zu finden. Steinhauer kletterte über Zäune, Mauern und durch Böschungen oder stellte sein Stativ auf seinem Autodach auf. Er fotografierte auf Balkonen, aus Fenstern oder von Dächern umliegender Gebäude.

Glücklicherweise gibt es in Hongkong ein Gesetz, das es verbietet, Bewohnern den Zugang zu Dächern zu versperren. So stieg Steinhauer vielen Menschen heimlich aufs Dach, um oben einen guten Aussichtspunkt zu haben. Stundenlang musste er dort manchmal ausharren, bis es nicht mehr regnete oder das Licht stimmte.

120 verhüllte Hochhäuser zeigt Steinhauer in seinem Bildband "Cocoons". Der Name ist eine Anspielung auf den Stoff, unter dem sich die Gebäude verwandeln wie in einem Kokon. Werden sie enthüllt, zeigen sie sich in brandneuer Fassade. "Wie eine Raupe, die zu einem Schmetterling wird", sagt der Fotograf.

Steinhauer zeigt die Gebäude dabei oft nicht in Gänze, sondern wählt einzelne Ansichten und Details aus. Einige seiner Fotos entstanden nachts, wenn Lampen die Kräne beleuchten. "Es war geheimnisvoll und seltsam, aber absolut faszinierend", sagt Steinhauer.

Fotostrecke

Fotostrecke: Stoff am Bau

Wo immer er fotografierte, meist wurde Steinhauer gefragt, was ihn an den Baustellen so reize. "Ich will die Geschichte einer Stadt bewahren, die nie aufhört, sich zu verändern", sagt er. Die Hongkonger empfinden trotzdem eine Abneigung gegen die bunten Stoffhüllen - warum, erfuhr der Fotograf erst, als sein eigenes Wohnhaus mit grünen Stoffbahnen abgedeckt wurde. Wenn er aus dem Fenster schaute, sah er nur grüne Farbe, tagaus, tagein, neun Monate lang. Es war schrecklich.

insgesamt 2 Beiträge
timelock 22.11.2018
1. Köln, ehemalige Gerling-Zentrale
Als ich Mitte des Jahres seit langer Zeit mal wieder im Kölner "Gerlings-Viertel" war, hab ich da eine ähnlich unwirkliche Kulisse vorgefunden. Einige Gebäudeteile wurden durch Tücher geschützt und dadurch wirkte [...]
Als ich Mitte des Jahres seit langer Zeit mal wieder im Kölner "Gerlings-Viertel" war, hab ich da eine ähnlich unwirkliche Kulisse vorgefunden. Einige Gebäudeteile wurden durch Tücher geschützt und dadurch wirkte die an sich immer schon etwas surreale Location wie ein 3D Rendering. https://timelock.in/2018/08/28/timelock-25hours-the-circle/
bell.ralf 23.11.2018
2. Verhüllte Großbauten in Hongkong
aus meiner Sicht handelt es sich bei den fotografierten Gebäuden nicht um Renovierungen, sondern um Neubauten
aus meiner Sicht handelt es sich bei den fotografierten Gebäuden nicht um Renovierungen, sondern um Neubauten

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP