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Pritzker-Preis für Balkrishna Doshi

Begehrtester Architekturpreis geht erstmals nach Indien

Er ist 90 Jahre alt, diese Ehrung krönt sein Lebenswerk: Der Pritzker-Preis 2018, die renommierteste Auszeichnung der Architektur, geht an den Inder Balkrishna Doshi. Einen Namen machte er sich vor allem mit sozialem Wohnungsbau.

AP/ The Pritzker Architecture Prize/ Vastushilpa Foundation
Mittwoch, 07.03.2018   17:49 Uhr

Balkrishna Doshi hat den Pritzker-Preis 2018 gewonnen. Der 90-jährige Architekt erhält damit als erster Architekt aus Indien die weltweit renommierteste Auszeichnung für Baukunst. Das teilte am Mittwoch Tom Pritzker von der Hyatt Foundation mit.

Balkrishna Doshi wurde vor allem mit seinen Sozialbauten zu einem der einflussreichsten Architekten Indiens. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Gebäudekomplex Aranya Housing Project in Indore. Dort baute er 1989 eine Siedlung, in der heute 80.000 Menschen leben. Die mehr als 6500 Wohneinheiten reichen von einfachen Zimmern bis zu geräumigen Wohnungen und bieten so Platz für Mieter verschiedener Einkommensstufen.

AP/ The Pritzker Architecture Prize/Vastushilpa Foundation

Doshi-Projekt im indischen Aranya

In seinen Einwürfen verbindet er internationalen Modernismus mit einem guten Gespür für lokale Besonderheiten und Traditionen. In Bangalore baute Doshi mit Louis Khan das Indian Institute of Management, einen von traditionellen Labyrinthbauten inspirierten Bildungs- und Forschungskomplex.

Doshi ist seit über 70 Jahren aktiv. Neben seiner Tätigkeit als Architekt ist er außerdem Stadtplaner und Dozent. In den Fünfzigerjahren hatte er für Le Corbusier die Aufsicht über die Entstehung der indischen Planstadt Chandigarh. "Ich verdanke diesen Preis meinem Guru, Le Corbusier", zitiert der Guardian den Preisträger.

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Pritzker-Preisträger 2018 bis 2016: Fürs Auge und für die Gesellschaft geplant

Die Pritzker-Jury nannte Doshis Arbeit in einer Mitteilung "poetisch und funktional". Doshi habe einen "tiefen Verantwortungssinn und das Verlangen, für sein Land und dessen Menschen durch authentische Architektur von höchster Qualität einen Beitrag zu leisten", urteilte die Jury in Chicago. "Doshi hat immer ernste Architektur geschaffen, die nie schrill ist oder Trends folgt."

Bei seinen eigenen Projekten versucht Doshi, besonders die Bauweise an die örtlichen und klimatischen Bedingungen in Indien anzupassen. "Architektur muss die Lebensgewohnheiten und spirituellen Überzeugen reflektieren", schrieb er einmal. So plante er die Satellitenstadt Vidhyadhar Nagar auch nach hinduistischen Gepflogenheiten, die unter anderem astronomische Besonderheiten berücksichtigen. Prägend für seinen Architekturstil sind außerdem traditionelle Dorfplätze, Märkte und Innenhöfe.

Weg von den Star-Architekten

Nachdem früher vor allem der Typus Star-Architekt (in der Regel weiß und männlich) ausgezeichnet worden war, ehrte die Jury zuletzt vor allem Architekten, die sich mit ihren Bauten an Lösungsansätzen für gesellschaftliche Probleme und Ressourcenknappheit versuchten.

Den Pritzker-Preis haben der Chicagoer Unternehmer Jay A. Pritzker und seine Ehefrau Cindy gestiftet. Der mit 100.000 Dollar dotierte und seit 1979 verliehene Pritzker-Preis gilt auch als der "Nobelpreis für Architektur".

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Pritzker-Preisträger 2015 bis 2010: Unkonventionell, innovativ und utopisch

Zu den bisherigen Pritzker-Preisträgern gehören neben Frank Gehry (1989) auch der Italiener Renzo Piano (1998), der Niederländer Rem Koolhaas (2000) sowie die deutschen Architekten Frei Otto (2015) und Gottfried Böhm (1986). 2004 hatte mit der aus dem Irak stammenden britischen Architektin Zaha Hadid erstmals eine Frau den renommierten Preis erhalten.

Im vergangenen Jahr gab es erneut eine Premiere: Erstmals wurde ein Team aus drei Architekten mit dem Preis bedacht: Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramon Vilalta aus Katalonien.

löw / dpa

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