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Rezept für BBQ-Halloumi

Gummi arabicum mit scharf

Halloumi entwickelt auf glutheißem Rost wunderbare Röstaromen und eignet sich damit prima zum Angrillen. Die passenden Begleiter sind eine würzige Oregano-Creme, leckere Pasta und ein verdammt scharfes Kraut.

Peter Wagner/ Foodbild
Von Hobbykoch
Samstag, 14.04.2018   09:00 Uhr

Natürlich könnte man zum Angrillen auch eine Packung Bratwürste aufreißen oder eine fette Scheibe Schwenknacken auf den Rost legen. Und erst, wenn uns im Spätsommer nichts mehr einfällt, nach Grillgutalternativen suchen. Wir drehen diesen Spieß aber einfach mal um und legen gleich zu Beginn einen wie fürs BBQ geschaffenen Käse auf die Glut: Der Halloumi, bestenfalls nur aus Ziegen- und/oder Schafsmilch, hat die perfekte, krümelfreie und leicht gummiartige Struktur, um auf glutheißem Rost wunderbare Röstaromen zu entwickeln.

Ursprünglich mit ein bisschen Minze parfümiert, dient der durch seinen Herstellungsprozess lange haltbar gemachte Grillkäse den Nomaden im Nahen Osten angeblich schon seit über 2.000 Jahren als kulinarischer Reisebegleiter. Das Salz in der langsam erwärmten Milch und das Kochen der Stücke in Molke sind natürliche Konservierungsmittel. Dadurch wird der Halloumi aber auch würziger und sollte vor dem Grillen auf keinen Fall gesalzen werden. Im Libanon gilt er, auf Spießen über Holzkohle gegrillt, als eigenständige Kebab-Variante.

Der meiste in Europa erhältliche Halloumi stammt aus Zypern, wo er bis heute zum Teil noch genauso wie vor Jahrhunderten hergestellt wird. Darüber wacht in einigen Gegenden sogar eine spezielle "Halloumi-Polizei" - Beamte der Lebensmittelämter kontrollieren in den Molkereien die Einhaltung klassischer Verfahrensweisen. Wenn man einen auf Manufaktur-Art (und ohne Kuhmilch) gekästen Halloumi grillt und vor dem Essen nicht wieder kalt werden lässt, quietscht er beim Kauen auch nicht zwischen den Zähnen, was für viele BBQ-Freunde ein nur zu verständliches No-Go darstellt.

Auch zur zünftigen Anschärfung des Gerichtes benutzen wir ein Kraut von den Gestaden des Levantischen Meeres: den griechischen Oregano. Diese früher in Nordeuropa fälschlich als "wilder Majoran" bezeichnete oder mit dem botanisch ebenfalls verwandten Dost verwechselte Pflanze, ist einer der Grundpfeiler mediterraner Würzung. Am intensivsten riechen und schmecken die griechischen Wildsorten Kaliteri und Hirtum - aber nur, wenn sie dort zwischen Steinen und Felsen auf sandigen Böden in Meeresnähe gepflückt werden. Interessanterweise entwickeln die aus ihren Saatkörnern in Nordeuropa gezogenen Triebe nur eine eher zurückhaltende Aromatik.

Pizza aus der Streudose

Am besten, man besorgt sich beim Gewürzhändler des Vertrauens gleich ein komplettes Bündel griechischen Oreganos mit den Stielen, bewahrt es in einem festen, blickdichten Plastiksack auf und rebelt daraus on demand den jeweiligen Rezeptbedarf. Dieses Kraut schärft mit dem Aromastoff Myrcen. Getrocknet ist es "Das Pizzagewürz" und sorgt selbst bei Kartoffelchips für markantes "Pizza-Aroma". Von ihnen profitieren auch griechische Klassiker wie Souvlaki oder Moussaka ebenso wie Chili con carne oder langsam gekochte Tomatensaucen. Praktisch: Die gerebelten, trockenen Blätter können von Beginn an mitgekocht werden.

Um eine wirklich spürbare Schärfe zu erzielen, muss der original griechische Wild-Oregano - "oros ganos" heißt auf altgriechisch "Freude des Berges" - benutzt werden, der ausschließlich (oder zumindest primär) aus den getrockneten zartlila Blüten der Pflanze gewonnen wird. Eine Prise davon im Mund schmeckt zunächst harmlos kräuterig, ein bisschen bitter und leicht rauchig. Nach etwa zehn Sekunden aber zündet überraschend ein scharfer Aromabooster.

Damit unser heutiges Rezept für "BBQ-Halloumi mit Oregano-Creme und Pastasotto" auch als sättigendes Hauptgericht taugt, kombinieren wir Käse und Creme neben ein paar ratzfatz unter dem Ofengrill geschmelzten Tomaten mit einer passenden Kohlenhydrat-Beilage: Die reisförmigen Risoni-Nudeln, in Griechenland als Kritharaki meist mit Tomatensauce oder als Suppeneinlage serviert, werden wie klassisches Risotto zubereitet, so dass sie sich mit schmackhafter Brühe vollsaugen können.

insgesamt 8 Beiträge
rudolfsikorsky 14.04.2018
1.
Unsere Deutsche Küche ist die besten der Welt. Behaubte ich einfach mal so. Es ist mir ein absolutes Rätsel warum alle nur noch Pasta , Pizza und Döner essen und sich nicht mehr um die heimische Kochkunst bemühen. Gaststätten [...]
Unsere Deutsche Küche ist die besten der Welt. Behaubte ich einfach mal so. Es ist mir ein absolutes Rätsel warum alle nur noch Pasta , Pizza und Döner essen und sich nicht mehr um die heimische Kochkunst bemühen. Gaststätten mit deutschen Gerichten sucht man in der Großstadt vergeblich stattdessen alle 100 Meter ein Dönerläden.Ich begreif das nicht.
newline 14.04.2018
2. Ich habe
von verschiedenen Anbietern Halloumi probiert. Alle, egal welche Preisklasse, waren wie Gummi und quietschten teilweise. Dann lieber Gemüse gegrillt oder Pilze mit verschiedenen selbstgemachten Dips, wenn es ohne Fleisch sein [...]
von verschiedenen Anbietern Halloumi probiert. Alle, egal welche Preisklasse, waren wie Gummi und quietschten teilweise. Dann lieber Gemüse gegrillt oder Pilze mit verschiedenen selbstgemachten Dips, wenn es ohne Fleisch sein soll.
dasfred 14.04.2018
3. Foodfotographie müssen wir noch üben Herr Wagner
Aber das Rezept ist eine gute Anregung für die nächste Zeit. Vor allem die reisförmigen Nudeln sind bei mir in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten und kommen unbedingt mal wieder auf den Tisch. Mit dem Käse habe ich [...]
Aber das Rezept ist eine gute Anregung für die nächste Zeit. Vor allem die reisförmigen Nudeln sind bei mir in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten und kommen unbedingt mal wieder auf den Tisch. Mit dem Käse habe ich erst wenig Erfahrung, aber er ist es Wert, mit in meine Rezepte aufgenommen zu werden. Die Joghurt Variante könnte auch gut zu anderen mediterranen Sommergerichten passen. Unbedingt mal testen.
autocrator 14.04.2018
4. nett
joh, nett, haut einen jetzt nicht grad vom hocker: die Risoni-nudeln neigen dazu, etwas dröge daherzukommen, da muss man wohl noch etwas pimpern (geräuchertes paprikapulver?), und die lediglich abgeflämmten cherrytomaten – das [...]
joh, nett, haut einen jetzt nicht grad vom hocker: die Risoni-nudeln neigen dazu, etwas dröge daherzukommen, da muss man wohl noch etwas pimpern (geräuchertes paprikapulver?), und die lediglich abgeflämmten cherrytomaten – das is n bissl zu simpel (ich schlage vor, aus denen fix ein nettes süß-umamiges chutney mit zwiebeln und aprikosen oder kochbananen zu machen), ... aber sonst: mal ne nette idee für ein vegetarisches griechisches gericht, das keinen großen aufwand bedeutet. Hausfrauen/Hausmänner–kompatibel, und in einer kleineren portion durchaus auch als zwischengericht in einer menue-abfolge einzubauen. Wie gesagt, n bissl pimpern, dann hat's was :-) .
davornestehtneampel 14.04.2018
5.
Ich schon. Wenn ich die Wahl habe zwischen Formfleischschnitzel mit Eimersoße an ungesalzenen Halbgarpommes und einem knusprigen Fladenbrot mit frischem Salat, Minzjoghurt und Lammfleisch, stellt sich mir gar nicht erst die [...]
Zitat von rudolfsikorskyUnsere Deutsche Küche ist die besten der Welt. Behaubte ich einfach mal so. Es ist mir ein absolutes Rätsel warum alle nur noch Pasta , Pizza und Döner essen und sich nicht mehr um die heimische Kochkunst bemühen. Gaststätten mit deutschen Gerichten sucht man in der Großstadt vergeblich stattdessen alle 100 Meter ein Dönerläden.Ich begreif das nicht.
Ich schon. Wenn ich die Wahl habe zwischen Formfleischschnitzel mit Eimersoße an ungesalzenen Halbgarpommes und einem knusprigen Fladenbrot mit frischem Salat, Minzjoghurt und Lammfleisch, stellt sich mir gar nicht erst die Frage. Das Aussterben der "deutschen" Imbisse und Gaststätten hat meines Erachtens einiges damit zu tun, dass es nicht reicht, zu wissen, wo das Frittierfett gelagert wird. Und leider hat mittlerweile jeder Zweite, der sich zum Gastronomen berufen fühlt, außer ein paar Folgen Kochprofis keine Ausbildung in der Richtung....
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